Stand: 13.02.2020 14:18 Uhr

"Flensburger Tageblatt": Arbeitsrichter kassieren Kündigung

von Timo Robben
Bild vergrößern
Carlo Jolly arbeitete bis zur Versetzung seit 28 Jahren beim "Flensburger Tageblatt", seit 26 Jahren berichtete er aus der Stadt selbst.

Im Sommer 2018 sorgte die Zwangsversetzung von drei Redakteuren des "Flensburger Tageblatts" für Aufsehen - und zwar weit über die Stadtgrenzen hinaus. Der SHZ-Verlag hatte drei langjährige Mitarbeiter der Flensburger Stadtredaktion in die Regionalbüros Husum, Niebüll und Schleswig versetzt, gegen ihren erklärten Willen und sehr plötzlich. Der Lokaljournalist Carlo Jolly ließ sich das nicht gefallen und zog vor Gericht - mit Erfolg. Am 12.2.2020 hat das Arbeitsgericht nun schon zum zweiten Mal das rechtswidriges Vorgehen des SHZ-Verlags gegen Jolly gestoppt.

"Großer Erfolg"

Nach der vertragswidrigen Versetzung nach Husum vor mehr als einem Jahr erklärte die 1. Kammer des Flensburger Arbeitsgericht auch die prompt erfolgte Kündigung Jollys für ungültig. Das Gericht urteilte damit, dass das Arbeitsverhältnis also nicht im September 2019 beendet worden sei, sondern weiterbesteht.

"Flensburger Tageblatt" versetzt Mitarbeiter

ZAPP -

Das "Flensburger Tageblatt" versetzt drei Redakteure - gegen deren Willen und sehr plötzlich. Journalisten, Leser und auch die Pressesprecher der Stadt sind irritiert.

4,75 bei 16 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Das Urteil ist ein großer Erfolg für den Kollegen und eine weitere herbe Abfuhr für den Verlag", erklärte Arnold Petersen, Landesvorsitzender des DJV-Schleswig-Holstein. "Es bestätigt wieder einmal, wie substanzlos das Vorgehen des sh:z gegen seinen langjährigen Mitarbeiter Carlo Jolly ist. Während der Verlag der Redaktion immer wieder harte Sparmaßnahmen abverlangt, scheut er zugleich keine Kosten für einen bislang erfolglosen juristischen Feldzug gegen einen verdienten Kollegen. Das Geld wäre in der vielbeschworenen Digitalisierung sicherlich besser investiert."

Unendliche Geschichte

Bereits im Januar 2019 hatte das Arbeitsgericht die Versetzung für unwirksam erklärt. Der Verlag legte jedoch Berufung ein - und zog diese jetzt kurz vor Verkündung des Urteils im Berufungsverfahren zurück. Um eine weitere Niederlage zu verhindern? "Wir freuen uns für den Kollegen Carlo Jolly, dass er nach nunmehr über einem Jahr höchstrichterlich bestätigt bekommen hat, was immer offensichtlich war: Seine Entfernung aus der Flensburger Lokalredaktion grenzte an einen Akt der Willkür, die wechselnden und konstruierten Begründungen sprachen für sich", so der DJV-Landesvorsitzende Arnold Petersen in einer Pressemitteilung.

Auf Sieg vor Gericht war eine Kündigung erfolgt

Nach der damaligen Niederlage im ersten Verfahren um die Versetzung setzte der Verlag noch eins drauf und kündigte seinem Journalisten "aus verhaltensbedingten Gründen". Zu diesen Gründen gehörte angeblich auch, dass Carlo Jolly sich bei ZAPP mit Unverständnis über seine Zwangsversetzung geäußert hatte. Für den DJV ein Unding: "Der sh:z hat sich verrannt. Er sollte das endgültige Scheitern der Versetzung zum Anlass nehmen, auch die Kündigung vom Tisch zu nehmen", sagte Arnold Petersen im September 2019. Der Verlag wolle offenbar Carlo Jolly den Wirbel in die Schuhe schieben, den er selbst entfacht habe.

Weitere Informationen über den Fall gibt's in unserem Beitrag vom Oktober 2018.

Weitere Informationen

"Flensburger Tageblatt" versetzt Mitarbeiter

24.10.2018 23:20 Uhr

Das "Flensburger Tageblatt" versetzt drei Redakteure - gegen deren Willen und sehr plötzlich. Journalisten, Leser und auch die Pressesprecher der Stadt sind irritiert. mehr

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 24.10.2018 | 23:20 Uhr