Sendedatum: 25.05.2016 23:20 Uhr

Auf dem Kriegspfad

von Caroline Schmidt

Der Filmemacher Benjamin Best, weißes Hemd, Bluejeans, bleibt immer lässig, jedenfalls nach außen hin. Bei einem Espresso Macchiato in einem Café in München berichtet er, wie die Idee zu seinem Film entstand. Vor zweieinhalb Jahren überlegte er sich, zusammen mit ein paar Freunden, das sie als nächsten ein Kinoprojekt angehen wollen. Sie kratzten Geld zusammen, irgendwie, da waren sie sich sicher, wird das schon.

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Acht Länder und vier Kontinente

Doch dieses Gefühl der Leichtigkeit verfliegt, sobald man den Film ansieht. Best trifft ehemalige Gastarbeiter aus Nepal, die von den vielen Todesfällen auf den Baustellen in Katar berichten, dem Land der nächsten Fußballweltmeisterschaft. Er trifft in Rio Männer, die ihr zu Hause verloren haben, weil die Stadt dort Sportstätten für die Olympischen Spiele hochziehen ließ. Best legt in diesem Film die Bedingungen einer Welt frei, die viele Menschen zu Millionären gemacht hat, einige zu Milliardären - und für den Rest, so wirkt es zumindest, interessiert sich doch eh niemand.

Benjamin Best
Um die Opfer, und nicht um die Funktionäre ging es Benjamin Best in seinem Film.

Der Journalist hat anderthalb Jahre lang an diesem Film gearbeitet, in acht Ländern gedreht, vier Kontinenten - doch wer jetzt die üblichen Reporter-Geschichten erwartet von einer harten Recherche in einer schwierigen Welt, der wird enttäuscht werden. Dies ist kein Enthüllungsfilm. Es ist eine Abrechnung in sechs Akten.

"Mir geht es um die Opfer"

Jede Episode zeigt eine andere Härte dieser Welt, die umso deutlicher zu Tage tritt, da sie sich in aller Ruhe entwickeln kann. Die Einstellungen sind lang, die Bilder oft atemberaubend schön. So entwickelt die Dokumentation in den 90 Minuten eine ungeheure emotionale Kraft. Man könnte fast von einem filmischen Pamphlet sprechen, wenn das nicht so altmodisch klänge.

Diese Form ist in Zeiten des Verständnisses für fast alles und jeden ja auch ein wenig aus der Mode gekommen. Viele Journalisten orientieren sich an dem berühmten Diktum des Tagesthemen-Moderators Hans-Joachim Friedrichs. Sie lernen: Du darfst dich nicht gemein machen. Mit keiner Sache. Auch nicht mit einer guten. Aber was ist, wenn eine ganze Welt ungerecht, falsch und gemein wird?

Benjamin Best hat diese Frage für sich beantwortet. Er hat Position bezogen. So sehr, dass die andere Seite – und dies ist vielleicht die einzige Schwäche dieses Films – kaum zu Wort kommt. "Es ist halt kein Funktionärsfilm, mir geht es um die Opfer", sagt Best laut. Für einen Moment ist er fast so emotional wie sein Film. Dann trinkt er den letzten Schluck Espresso Macchiato.

Ab 2. Juni tourt "Dirty Games" durch die deutschen Kinos. Im Fernsehen wird der Film zunächst nicht zu sehen sein. Best sucht noch einen Sender. Auch die Pressearbeit gestaltet sich zuweilen schwierig - mit dem Thema möchte sich nicht jeder beschäftigen. Kurz bevor er ins Café kam, erreichte ihn eine SMS. Ein Sender schickte eine Absage. Die Begründung klingt so ehrlich wie entsetzlich: Sie wollten ihren Zuschauern nicht den Spaß an den Olympischen Spielen verderben.

Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 25.05.2016 | 23:20 Uhr

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