Stand: 12.03.2020 10:27 Uhr

Das Coronavirus und die Medien

von Armin Ghassim und Gabor Halasz

Berichterstattung in Zeiten des Corona-Virus: "Viel zu viel - und total übertrieben", sagen Hamburger in einer Straßenumfrage. Einige sehen in der Berichterstattung Panikmache, die wiederum zu Hamsterkäufen führe.

Der Chef-Virologe der Berliner Charité, Christian Drosten, ärgert sich über viele Journalisten, die nach seiner Meinung die falschen Fragen stellten: "Die Bundespressekonferenz zuletzt habe ich als Zeitverschwendung empfunden. Ich wurde nur nach leeren Fußballstadien und dem CDU-Parteitag gefragt, anstatt inhaltliche, medizinische Fragen zu beantworten."

Christian Drosten: "Kontraproduktive Fragen"

ZAPP -

Für Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, ist die Berichterstattung zum neuartigen Corona-Virus teilweise kontraproduktiv.

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Drosten produziert mit dem NDR einen täglichen Podcast zum Coronavirus. Dort hat er Zeit, komplexe Zusammenhänge zu erklären.

Tatsächlich ist das Corona-Virus für Journalisten eine große Herausforderung: Ein neuartiges Virus, das bisher kaum erforscht ist. Da tappen viele zwangsläufig im Dunkeln. Wichtige Zahlen wie beispielsweise die Sterberate sind bisher nur ungenau einzuschätzen. In einer solchen Situation tragen Medien eine große Verantwortung. Es geht um Ängste und Emotionen, die genährt-, oder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden.

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Coronavirus-Update: Virologe Christian Drosten informiert

NDR Info

Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Von Montag bis Freitag beantwortet Virus-Forscher Christian Drosten in einem Podcast Fragen und erläutert Hintergründe. mehr

Keine Panikmache?

Die BILD titelt in gelber Signalfarbe: "Corona-Angst in Deutschland". Aber der BILD-Chefredakteur Julian Reichelt sieht darin keine Panikmache: Die Begriffe Angst und Sorge beschrieben doch vielmehr die Unsicherheit der Menschen. "Das ist weit von Panikmache entfernt." Reichelt sieht gerade eine Situation, "die wir alle zu unseren Lebzeiten so noch nicht erlebt haben. Alltägliche Dinge wie das Fußballspiel zwischen Dortmund und Schalke finden plötzlich vor leeren Rängen statt."

Ganz anders beurteilt SPIEGEL-Chefredakteurin Barbara Hans, die Berichterstattung. Sie sehe durchaus die Gefahr von Panikmache in den Medien. Ihr ist es wichtig, das Vokabular genau abzuwägen: "Es braucht bei diesem Thema keine Zuspitzung durch Worte. Im Vordergrund sollten die Fakten stehen."

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Information oder Panikmache?

Holger Wormer, Professor für Wissenschaftsjournalismus, meint, es brauche gar keine Zuspitzung, um Panik zu erzeugen: "Wenn jemand im Dunkeln durch einen Park läuft und ihm ständig jemand ins Ohr flüstert, er brauche keine Angst haben, wird er wahrscheinlich trotzdem Angst bekommen." Aus seiner Sicht machten die etablierten Medien einen ordentlichen Job in einer sehr unübersichtlichen Situation. Allein in den sozialen Medien werde Panik geschürt. Dort verbreiteten sich reißerische und oft falsche Informationen über das Coronavirus in höchster Geschwindigkeit.

Eine Beobachtung, die auch der Journalismus-Professor Florian Haumer macht. Darüber hinaus sieht er aber auch in Live-Tickern zum Corona-Virus Potential für Panik: "Das erinnert mich an die Berichterstattung bei Wahlen, der sogenannte 'Pferderennen-Journalismus'. Ständig werden neue Wasserstandsmeldungen abgegeben. Das erzeugt natürlich Spannung und verkauft sich gut. Aber es erzeugt eben auch Panik."

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Dieses Thema im Programm:

ZAPP | 18.03.2020 | 23:20 Uhr