Weltbilder

30 Jahre Mauerfall: Wende in Osteuropa

Dienstag, 05. November 2019, 23:20 bis 23:50 Uhr
Donnerstag, 07. November 2019, 01:45 bis 02:15 Uhr

Weltbilder Moderatorin Inka Schneider im Studio.

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Tschechien: Freiheit nach Fall des Kommunismus?

Rund 4.000 DDR-Bürger flüchteten 1989 in die Prager Botschaft. Der Prager Arzt Frantisek Chaloupka erlebte mit, wie der Botschaftsgarten immer voller wurde, wie immer mehr Menschen die Polzeiabsperrungen durchbrachen. Er brachte Essen an den Zaun, half, wo er kann. "Sie machen sich keine Vorstellung, wie wir die Flüchtlinge damals beneidet haben", erzählt er. "Die haben jetzt die Freiheit und wir?" Chaloupka hörte den Jubel der Menschen, als Außenminister Genscher auf den Botschaftsbalkon trat. Die Entschlossenheit so vieler DDR-Bürger ermutigte viele Tschechoslowaken und so gingen auch sie auf die Straße und forderten das Ende des Kommunismus. In der "Samtenen Revolution" erkämpften sie sich nur wenige Wochen nach dem Mauerfall dann ihre Freiheit und jubelten selbst. Aber was wurde aus den Träumen von 1989? Frantisek Chaloupka ist besorgt: Längst ist aus dem Jubel Frust geworden. Laut einer aktuellen Umfrage findet nur ein Drittel der Tschechen, dass sich ihr Leben seit der Wende verbessert hat.
Autor: Danko Handrick

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Was wissen Sie über die Wende?

Sie kennen sich aus mit der Wende 1989 und den Auswirkungen für Osteuropa? Testen Sie Ihr Wissen! Mit etwas Glück gewinnen Sie Überraschungs-Souvenirs unserer Korrespondenten. Quiz

Deutsch-polnische Freundschaft nach der Wende

Mit dem Mauerfall vor 30 Jahren hat sich nicht nur das Leben für die Ostdeutschen geändert. Auch die Beziehungen Deutschlands zum Nachbarland Polen wurden immer offener. Vor 15 Jahren trat Polen der Europäischen Union bei. Dank Schengener Abkommen gibt es keine Grenzkontrollen mehr. Viele Polen sind nach Deutschland gezogen. Mehr als 600 leben heute in dem rund 3.000 Einwohner zählenden Dorf Löcknitz, nur ein paar Kilometer von der polnischen Metropole Stettin entfernt. Dazu gehört auch Katarzyna Werth. Sie spricht Deutsch und Polnisch, gehörte zu den ersten, die Ende der 1990er-Jahre ihr Abitur am Deutsch-Polnischen Gymnasium in Löcknitz ablegten. Ihr Ehemann ist Deutscher, die Kinder zweisprachig. Heute sieht sich die 39-Jährige als Vermittlerin zwischen beiden Ländern, die immer noch auf dem Weg sind, zueinander zu finden.
Autorin: Friederike Witthuhn

Polen: Was ist geblieben von Lech Walesa?

Sie haben die Wende in Polen vorangetrieben und waren Vorbilder für viele DDR-Bürger: die polnischen Gewerkschafter der Solidarnosc. Mit der Gründung der Gewerkschaft und ihrem mutigen Kampf für freie Wahlen beginnt in Europa eine Freiheitsbewegung. Nicht nur Polen sagen heute, dass es ohne die Solidarnosc womöglich keinen Mauerfall gegeben hätte. Doch die Helden von einst, die Vertreter der Gewerkschaft Solidarnosc, sind im heutigen Polen verfemt. Lech Walesa, der damalige Anführer der Arbeiterbewegung und Friedensnobelpreisträger, ist für die herrschende PiS-Partei Persona non grata. Viele von den einstigen Idealen ist 30 Jahre nach dem großen Umbruch vergessen und begraben.
Autor: Olaf Bock

Ungarn: Massenflucht von Ost nach West

Am kleinsten Grenzübergang zwischen Österreich und Ungarn sollte große Geschichte geschrieben werden: Sopron am Neusiedler See. Der ungarische Oberstleutnant Bella hat an jenem Augusttag 1989 Dienst, als das Paneuropäische Picknick am Fuße seines Wachturmes stattfand. Eigentlich war das Treffen zwischen Ungarn und Österreichern als Friedensgeste zwischen beiden Ländern gedacht. Das Grenztor wurde symbolisch für drei Stunden geöffnet. Tausende Menschen spazierten zwischen Ungarn und Österreich hin und her. Wenn der damalige Grenzkommandant Bella heute davon spricht, glänzen seine Augen: "Das war genau der Moment, die ersten Sekunden, wo der Durchbruch war. Sie gingen nicht, sie rannten." Hunderte DDR-Bürger und -Bürgerinnen nutzen nämlich die kurzzeitige Öffnung des Eisernen Vorhanges als Gelegenheit zum "Rübermachen". Bella und seine kleine Truppe standen bewaffnet am Grenzübergang, aber sie schauten ganz einfach in die andere Richtung. Kein Schuss, keine Festnahme. Eine erste Massenflucht von Ost nach West.
Autor: Tilman Bünz

Estland: Die "Singende Revolution"

Wer 1989 in Estland geboren wurde, kann auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit und Unabhängigkeit zurückblicken. So auch Helena Korge. Sie ist gerade dreißig Jahre alt geworden und erwartet in diesen Tagen ihr erstes Kind. "Ich kann es mir heute nicht vorstellen, dass man nicht mal die eigenen Gedanken äußern kann und dass man dafür ins Gefängnis gesteckt wird. Ich habe großes Glück gehabt im Vergleich zu meinen Eltern." Helena Korge ist ihren Eltern sehr dankbar. Denn auch sie waren 1989 wie Millionen Menschen auf die Straße gegangen, um für die Unabhängigkeit der baltischen Länder zu kämpfen. Viele aus ihrer Familie nahmen an der "Baltischen Kette" teil, einer über 600 Kilometer langen Demonstration für die Freiheit von Tallinn bis Riga. In Estland war sie der Auftakt der so genannten "Singenden Revolution", die das Land zwei Jahre später in die Unabhängigkeit führte. Heute sind die Esten aus der EU nicht mehr wegzudenken. Als Studentin ging Korge, wie viele junge Esten, in den Westen. Seit einigen Jahren ist sie zurück in Tallinn und blickt voller Optimismus in die Zukunft: "Ich weiß, dass mein Baby in eine freie und demokratische Gesellschaft geboren wird und ich muss wegen nichts Angst haben."
Autor: Kristopher Sell


05.11.2019 18:30 Uhr

Hinweis der Redaktion: Am 8. Oktober 2019 wurde in der Sendung Weltbilder über Erkrankungen und Todesfälle unter Nutzer*innen von E-Zigaretten in den USA berichtet. Die Redaktion hat sich entschieden, den Beitrag aus der Mediathek zu entfernen, da er nicht präzise genug ist. In dem Beitrag wird ein 18-jähriger US-Bürger im Krankenhaus gezeigt, der nach zwei Jahren des E-Zigaretten Konsums Lungenprobleme bekommen hat. Im Text wird allerdings nicht darauf hingewiesen, dass der Patient zugibt, auch Cannabis konsumiert zu haben. Es fehlt der Hinweis, dass für die Erkrankung des Patienten auch dessen Nutzung Cannabinol-haltiger Flüssigkeiten eine Rolle gespielt haben könnte. Dies hätte deutlicher angesprochen werden sollen. Außerdem war in dem gleichen Beitrag zu Bildern einer breiten Palette von Liquids die Rede von "Öl-haltigen Produkten". Diese Beschreibung trifft auf Cannabinol-haltige Flüssigkeiten zu, nicht aber auf herkömmliche Vaping-Produkte. Die Formulierung im Text war daher unglücklich gewählt und missverständlich. Die Redaktion wird bei zukünftiger Berichterstattung auf eine korrekte Benennung achten und bittet um Entschuldigung.

Redaktion
Christiane Justus
Redaktionsleiter/in
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Produktionsleiter/in
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