Unsere Geschichte

Als Winnetou in den Norden kam

Samstag, 19. September 2020, 12:00 bis 12:45 Uhr

In Bad Segeberg erwachen unterm Kalkberg Kindheitsträume: Hier finden die Karl-May-Spiele statt. Ganz klein fingen sie 1952 an, bis sie zum millionenschweren Mega-Event avancierten. Seinerzeit sollten die Nibelungen aufgeführt werden. Aufgrund der geringeren Kosten fiel die Entscheidung auf Karl Mays Geschichten aus dem Wilden Westen.

Goldgräberstimmung unterm Kalkberg

Die Schauspieler Nicolas König, Oliver Strietzel, Till Demtröder, Regisseur Norbert Schultze jr., Jan Sosniok und Susan Sideropolous bei den Karl-May-Spielen 2016 (von links). © NDR/jumpmedienTV GmbH
Besucherrekord am Kalkberg: Mehr als 360.000 Besucher kamen zur Spielzeit 2016.

Fortan herrschte unterm Kalkberg Goldgräberstimmung. Der Nah- und Fremdenverkehr in der Kleinstadt stieg sprunghaft wieder an. In den Anfangsjahren agierten viele Einwohnerinnen und Einwohner Bad Segebergs noch als Statisten, spielten die Apachen, nähten in ihrer Freizeit Federschmuck und blondierten die Schweife der Pferde. 25.000 Deutsche Mark standen damals als Budget zur Verfügung, heute sind es rund viereinhalb Millionen Euro pro Spielzeit.

Eine bewegte Geschichte

In 65 Jahren Karl-May-Spiele kamen 11,5 Millionen Besucher an den Kalkberg in Bad Segeberg. Spektakuläre Drohnenaufnahmen zeigen den Zuschauern die Arena wie sie diese noch nie gesehen haben. © NDR/jumpmedienTV GmbH
Spektakuläre Drohnenaufnahmen zeigen den Zuschauern die Arena, wie sie diese noch nie gesehen haben.

Das Naturdenkmal hat eine bewegte Geschichte, seit 250 Millionen Jahren erhebt sich der Kalkberg über die norddeutsche Wald- und Seenlandschaft. Im Mittelalter stand dort die Siegesburg des Kaisers Lothar, die Bad Segeberg den Namen gab. Nach der Zerstörung des Bollwerks durch die Schweden im 30-jährigen Krieg blieb nur der Steinbruch am Berg erhalten, in dem Gips abgebaut wurde. Das steinige Labyrinth unter dem Kalkberg ist die längste und bekannteste Gipshöhle Deutschlands. 1913 zufällig von spielenden Kindern entdeckt, war sie fortan einer der größten Besuchermagnete Deutschlands.

1935 wurde der Kalkberg durch einen Pakt mit den Nazis zur gigantischen "Nordmarkfeierstätte" umfunktioniert. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten die Briten, für den Weltklasse-Boxer Max Schmeling wurde der Kalkberg in den Nachkriegsjahren zur Arena.

Ein Stück norddeutsche Kulturgeschichte

Neben den Karl-May-Spielen finden heute am Kalkberg auch immer wieder Konzerte statt. Auf seinem Gipfel brüten Uhus, im Winter suchen dort mehr als 20.000 Fledermäuse Unterschlupf.

Eine Fledermaus in Nahaufnahme vor einem Einflugschlitz in eine Höhle. © NDR/jumpmedienTV GmbH
Mehr als 20.000 Fledermäuse überwintern in der Kalkberghöhle in Bad Segeberg.

Der Film "Als Winnetou in den Norden kam" schaut auf die tapferen Helden, die strahlenden Schönheiten und die großen Katastrophen am Kalkberg. Ein Wiedersehen mit Winnetou, Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und vielen anderen.

Mit seltenen Archivaufnahmen und aufwendigen Animationen erweckt "Unsere Geschichte" den Geist der jeweiligen Jahrzehnte wieder zum Leben und erzählt ein Stück norddeutsche Kulturgeschichte. Beigetragen haben dazu prominente und weniger bekannte Zeitzeugen, Experten und Einwohner von Bad Segeberg.

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Redaktion
Marc Brasse
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Sprecher/in
Sascha Rotermund
Autor/in
Timo Gramer
Marc Brasse

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