Typisch! Not macht erfinderisch

Kieler Unternehmen in der Corona-Krise

Donnerstag, 23. April 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Dienstag, 28. April 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

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Was machen Eisverkäufer, Burger-Brater oder Bierbrauer, wenn der Laden in Zeiten von Corona schließen muss und keine Kunden mehr kommen dürfen? Drei findige Norddeutsche haben ganz unterschiedliche, kreative Antworten auf diese existentielle Frage gefunden.

"Gelato" am Drive-in-Schalter

Jörg Fischer hat in wenigen Tagen den ersten Eis-Drive-in Schleswig-Holsteins aus dem Boden gestampft. So schützt er seine Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen. Der Kunde fährt an einen improvisierten Bestellschalter, zahlt - möglichst bargeldlos - und erhält an einem zweiten Ausgabeschalter sein "Gelato" auf einem Tablett zum Sofortverzehr im Auto gereicht. Auf Wunsch auch in einer Kühltasche mit Kühlakkus, damit der Eisbecher bis zum Genuss zu Hause nicht schmilzt.

"Johns Burger" wird geliefert

Auch das Geschäft einer jungen Kieler Burger-Braterei lief super - bis Corona kam. Um jetzt überhaupt ein paar saftige Fleisch-Bratlinge zu verkaufen, bieten Scott, Malte und das Team von "Johns Burger" jetzt einen Lieferservice an. Über Facebook, Instagram oder Telefon nehmen sie Bestellungen an, braten die Burger im Hauptgeschäft und liefern sie dann an die Kunden aus. "Für uns ist das absolutes Neuland", sagt Firmengründer John, der den Neustart von Irland aus per Skype verfolgt, "aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!" Einen Lieferservice wollten sie schon lange ausprobieren, jetzt sind sie - von der Not getrieben - einfach ins kalte Wasser gesprungen und haben es gewagt - fast ohne Vorbereitung.

"Lille"-Bier per Werksverkauf - direkt in den Kofferraum

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Ihr "Lille"-Bier müssen Liebehaber vorerst zu Hause trinken - dafür wurde der Werksverkauf umorganisiert.

Für "Lille"-Bier stehen die Kunden jeden Samstag Schlange. Auch der Werksverkauf sieht jetzt ganz anders aus als vorher: Geduldig warten die Bier-Liebhaber in ihren Autos, bis sie endlich an der Reihe sind. Durchs Seitenfenster tippen sie ihre Geheimnummer in das frisch desinfizierte Kartenlesegerät, während ein Mitarbeiter der Brauerei das Bier in ihren Kofferraum wuchtet. Seitdem der gesamte Absatz an die Lokale lahmgelegt ist, hat Jungbrauer Max Kühl diesen Drive-in-Abholservice eingeführt. "Wir sind überwältig, wie unsere Privatkunden versuchen, uns zu helfen", sagt er. Das mache ihm Mut in diesen - nicht nur wirtschaftlich - schweren Zeiten. Die Brauerei versucht, auch anderen gebeutelten Unternehmern zu helfen. 50 Prozent vom Soli-Bier "Kieler Zwickel" geht an lokale Gastronomen - unter dem Motto "Kiel hilft Kiel" haben sich Unternehmen, Selbständige und Freiberufler auf einer Internetplattform vernetzt.

Gegenseitig helfen ist eine Option

Wenn diese Ideen von den Kunden angenommen werden, könnten sich die drei findigen Norddeutschen vorstellen, ihre Innovationen auch in der Nach-Corona-Zeit weiter anzubieten. Mit großer Solidarität untereinander und Vernetzung machen sie die Krise zur Chance - Not macht erfinderisch! "Aufgeben und nur nach dem Staat schreien ist keine Option", sagt Jörg Fischer vor seinem Drive-in-Eis-Laden, "sich gegenseitig zu helfen schon!"

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Mario Göhring
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen
Autor/in
Anouschka Breuer