Typisch! Not macht erfinderisch

Kieler Unternehmen in der Corona-Krise

Freitag, 04. Februar 2022, 15:30 bis 16:00 Uhr

Was machen Eisverkäufer, Burger-Brater oder Bierbrauer, wenn der Laden in Zeiten von Corona schließen muss und keine Kunden mehr kommen dürfen? Drei findige Norddeutsche haben ganz unterschiedliche, kreative Antworten auf diese existentielle Frage gefunden.

Der neue Drive In-Eisladen von Giovanni L. auf dem Parkplatz des Citti Marktes in Kiel. © NDR/JOKER PICTURES
Drive-In funktioniert auch mit "Gelato".
"Gelato" am Drive-in-Schalter

Jörg Fischer hat in nur wenigen Tagen den ersten Eis-Drive-in Schleswig-Holsteins aus dem Boden gestampft. So schützt er seine Mitarbeitenden, Kundinnen und Kunden gleichermaßen. Man fährt an einen improvisierten Bestellschalter, zahlt möglichst bargeldlos und erhält an einem zweiten Ausgabeschalter sein "Gelato" auf einem Tablett zum Sofortverzehr im Auto angereicht. Auf Wunsch auch in einer Kühltasche mit Kühlakkus, damit der Eisbecher auch zu Hause noch lecker schmeckt.

"Johns Burger" wird geliefert

Auch das Geschäft einer jungen Kieler Burger-Braterei lief super, bis das Coronavirus kam! Damit sie jetzt überhaupt ein paar saftige Fleischbratlinge verkaufen können, bieten Scott, Malte und das Team von John`s Burgers jetzt einen Lieferservice an. Über Facebook, Instagram oder Telefon nehmen sie Bestellungen an, braten die Burger im Hauptgeschäft und liefern sie dann per Pick-up oder E-Bike an die Kundschaft aus. "Für uns ist das absolutes Neuland. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt", sagt Firmengründer John, der den Neustart aus Irland per Skype verfolgt. Einen Lieferservice wollten sie schon lange ausprobieren, jetzt sind sie, von der Not getrieben, einfach ins kalte Wasser gesprungen und haben es gewagt, fast ohne Vorbereitung.

"Lille"-Bier per Werksverkauf - direkt in den Kofferraum

Eine Flasche Lillebräu wird in ein Glas geschenkt. © NDR Foto: Johanna Jannsen
Ihr "Lille"-Bier müssen Liebehaber vorerst zu Hause trinken - dafür wurde der Werksverkauf umorganisiert.

Für das selbst gebraute "Lille"-Bier stehen die Kundinnen und Kunden jeden Sonnabend Schlange. Auch der Werksverkauf sieht jetzt ganz anders aus als vorher: Geduldig warten die Bierliebhaber in ihren Autos, bis sie endlich an der Reihe sind. Durchs Seitenfenster tippen sie ihre Geheimnummer in das frisch desinfizierte Kartenlesegerät, während ein Mitarbeitender der Brauerei das Bier in ihren Kofferraum wuchtet. Seitdem durch die Coronakrise ihr gesamter Absatz an die Lokale lahmgelegt worden ist, hat Jungbrauer Max Kühl diesen Drive-in-Abholservice eingeführt. "Wir sind überwältig, wie unsere Privatkunden versuchen, uns zu helfen", sagt er. Das macht ihm Mut in diesen nicht nur wirtschaftlich schweren Zeiten. Und: Sie versuchen, auch anderen schwer gebeutelten Unternehmern zu helfen. 50 Prozent vom Soli-Bier Kieler Zwickel geht an lokale Gastronomen. Unter dem Motto "Kiel hilft Kiel" haben sich Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler auf einer Internetplattform vernetzt.

Gegenseitig helfen ist eine Option

Wenn diese Ideen von den Kundinnen und Kunden angenommen werden, könnten sich die drei findigen Norddeutschen vorstellen, ihre Innovationen auch in der Zeit nach Corona weiter anzubieten. Mit großer Solidarität untereinander und Vernetzung machen sie die Krise zur Chance; Not macht erfinderisch, so ihr Motto. "Aufgeben und nur nach dem Staat schreien ist keine Option. Sich gegenseitig helfen schon", sagt Jörg Fischer vor seinem neuen Drive-in-Eis-Laden.

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Mario Göhring
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen
Autor/in
Anouschka Breuer