Sportclub Story - Keine zweite Chance

Sportclub Story - Keine zweite Chance - Wie unfair ist unser Umgang mit Dopingsündern?

Sonntag, 10. Januar 2021, 23:35 bis 00:05 Uhr

Doping ist die Todsünde eines Athleten. Die Öffentlichkeit wendet sich ab, der Sponsoren kündigen Verträge, die Zukunft des Sportlers scheint dahin. So zumindest scheint es häufig zu laufen. Schaut man aber genau hin, fällt auf: der Umgang mit überführten Dopern ist, je nach Sportart, sehr unterschiedlich und im Ausland oft anders als bei uns in Deutschland.

Anhand der Biographien der verstorbenen Triathletin Nina Kraft, des Ex-Radrennfahrers Jörg Jaksche und des ehemaligen Langläufers Johannes Dürr zeigt die Sportclub Story "Keine zweite Chance - Wie unfair ist unser Umgang mit Dopingsündern", dass die Verantwortung für Dopingvergehen nicht nur beim Athleten selbst, sondern auch in den Bedingungen des Spitzensports zu finden ist. Der Film verdeutlicht, wie unfair deshalb die alleinige Bestrafung des überführten Sportlers sein kann. Sportclub Story-Reporter Hendrik Maaßen hat sich auf den Weg gemacht und mit Experten über mögliche Alternativen gesprochen.

Jörg Jaksche hat als erster deutscher Radprofi die Kronzeugenregelung in Anspruch genommen und umfassend über die Hintermänner seiner Dopinggeschichte ausgepackt. "Mich hat gestört, dass keiner sehen wollte, zu was wir jungen Fahrer gemacht wurden: austauschbarem Material, das man fallen ließ, als unser Dopingnetzwerk aufflog", so Jaschke. Dieselben Leute, die ihn damals zum spanische Dopingarzt Fuentes geschickt hätten, verlangten nun, dass er schriftliche versichern solle Fuentes gar nicht zu kennen. "Die Teamleitung hat nur versucht ihr Geld in Sicherheit zu bringen. Wir Fahrer waren ja auf jeden Fall dran." Das System dahinter habe sich bis heute nicht genändert.

Jörg Jaksche wurde nach seinen Aussagen ausgegrenzt. Für die Öffentlichkeit war er der dreiste Betrüger. Für den Radsport der Nestbeschmutzer. Doch er ist abseits des Radsports glücklich geworden und warnt heute vor zu viel Gutgläubigkeit gegenüber dem Spitzensport.

Ganz anders der Lebenslauf der Triathletin Nina Kraft. Die Braunschweigerin ist die erfolgreichste Ironman-Athletin Deutschlands. Doch als sie als erste Deutsche 2004 den Ironman auf Hawaii gewinnt, ist sie gedopt. Sie gibt ihren Fehler unumwunden zu und bittet um Entschuldigung. Doch aus der Triathlon-Szene wird sie konsequent ausgegrenzt. Auch, als ihre Sperre abgelaufen ist bleibt der positive Test ihr Stigma. Im August dieses Jahres stirbt Kraft an Depressionen leidend. Eine Wegbegleiterin meint, dass sie sich nie wirklich von den Folgen ihres Dopingfalls erholt habe. "Eine zweite Chance, die ihr zugestanden hätte, hat sie trotz allem Bereuen nie bekommen."

Die allermeisten überführten Doper leugnen ihr Fehlverhalten, bis es gar nicht mehr anders geht. Und dann geben sie nur das zu, was ihnen ohnehin schon nachgewiesen wurde. So hat es auch der Langläufer Johannes Dürr gemacht. "Es gibt im Sport die implizite Erwartung, alles auf sich zu nehmen", sagt der Sportsoziologe Felix Kühnle von der Universität Göttingen. "Damit bereitet ein Dopingsünder bereits seinen Weg zurück in den Sport vor." Denn nur, wer das System nicht angreife, habe wieder eine Chance in ihm aufgenommen zu werden. Doch Dürr machten die Funktionäre ein Strich durch die Rechnung und so suchte er abseits der Verbandsstrukturen mit Crowdfunding und Buchveröffentlichung den Weg zurück in den Spitzensport. Wieder mit illegalen Methoden.

Autor/in
Hendrik Maaßen
Produktionsleiter/in
Matthias Most
Redaktion
Tim Tonder