Sportclub Story - Angesteckt

Was eine Corona-Infektion im Sport bedeutet

Sonntag, 21. März 2021, 23:35 bis 00:05 Uhr

Rund 2,5 Millionen Menschen haben sich seit Beginn der Pandemie in Deutschland mit dem Corona-Virus angesteckt. Die meisten gelten als genesen, doch nicht alle von ihnen sind auch gesund. Besonders Sporttreibende spüren schnell, wenn das Virus bleibende Schäden angerichtet hat. Diese können sehr unterschiedlich ausfallen und werden unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst. Oft sind die Betroffenen nicht mehr leistungsfähig oder leiden unter bleibenden Organschäden. NDR-Autor Hendrik Maaßen hat mit vielen betroffenen Profi- und Amateursportler*innen gesprochen und berichtet über ein unterschätztes Problem, das eine steigende Zahl an Menschen betrifft.

Frank Stäbler ist dreifacher Weltmeister im Ringen. Corona war für ihn lange nicht greifbar, auch als er sich ansteckte. "Ich hatte nur leichte Symptome und habe nach der Quarantäne gar keinen medizinischen Check machen wollen. Ich fühlte mich topfit!" Doch beim Belastungs-EKG bricht der 31-Jährige zusammen. Die Analyse ergibt: Stäbler hat 20 Prozent weniger Lungenkapazität. Für einen Spitzensportler eigentlich das Karriereende.

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Während das Risiko an einer Coronainfektion zu versterben statistisch gesehen für Männer höher ist, erkranken vermehrt Frauen an dem Long Covid Syndrom. "Es sind die Jüngeren, es sind die Fitteren und eher diejenigen, die eine leichte Covid Erkrankung durchlebt haben", sagt Prof. Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover. Welte leitet eine der wenigen Long Covid Ambulanzen, die Betroffenen Unterstützung bietet. "Die meisten Patienten leiden an einem Symptomkomplex, das heißt sie sind chronisch erschöpft und matt, haben Gedächtnis- oder Koordinationsschwierigkeiten und leiden an bleibendem Geruchs- und Geschmacksverlust", so Welte. Zu den Ursachen gibt es nur Vermutungen: Da eher leicht erkrankte und junge Menschen häufiger von Long Covid erkranken vermuten Forschende, dass ein besseres Immunsystem zu solchen Störungen führen könnte. Vereinfacht gesagt: Eine Überreaktion der Abwehrkräfte auf das Virus wirft den Körper langfristig aus dem Gleichgewicht.

Die Dokumentation zeigt auch, dass gerade Hobby- und Amateursportlerinnen und Sportler besonders gefährdet sind. Sportstudentin Chiara Köhler muss ihr Studium aktuell aussetzten, denn an Sportprüfungen ist nicht zu denken. "An schlechten Tagen komme ich nicht mal ohne Pause in den dritten Stock", sagt die 24-Jährige Hannoveranerin. Die regelmäßigen Lungenfunktionstests zeigen trotz Behandlungen kaum eine Verbesserung. "Wir haben keine etablierten Therapien", sagt Pneumologe Welte. Er warnt: "Die schwersten Rückfälle in Covid-Symptome stellen wir bei Menschen fest, die sich zu früh wieder stark belastet haben", sagt Welte. Sporttreibende sollten nach einer Überstandenen Infektion warten bis wirklich alle Symptome verschwunden seien. "Und wenn sie dann ganz langsam wieder mit dem Sport Aufbau beginnen, können sie die Herzfrequenz in Ruhe und Belastung zur Kontrolle nutzen. Wenn diese Werte erhöht sind, sollten sie aufhören und einen Arzt konsultieren."

Autor/in
Hendrik Maaßen
Produktionsleiter/in
Matthias Most
Redaktion
Matthias Cammann