Rund um den Michel

Hamburg bunt: St. Georg

Sonntag, 03. Februar 2019, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 04. Februar 2019, 00:50 bis 01:35 Uhr

Moderatorin Julia-Niharika Sen

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Auch wenn es nach einem Heiligen benannt ist, ist St. Georg alles andere als sittsam. Der Hamburger Stadtteil treibt es regelrecht bunt. Auf weniger als zwei Quadratkilometern trifft hier die Schwulenszene auf die höchste Moschee-Dichte in ganz Hamburg, das Viertel beherbergt mit dem Hansa-Varieté, dem Deutschen Schauspielhaus und dem Ohnsorg-Theater gleich drei berühmte Bühnen und viele besondere Hotels, Cafés und Restaurants.

Umringt von Außenalster und Bahnhofsviertel

Geprägt wird es vom mondänen Ufer der Außenalster aber auch vom Leben um den meistfrequentierten Fernbahnhof der deutschen Bahn - ein Bahnhofsviertel mit vielen Licht- und einigen Schattenseiten. Rund um den Michel ist eingetaucht in Hamburgs buntestes Quartier und erzählt Geschichten über das Nähmaschinenhaus, eine muslimische Gemeinde, die in der Tiefgarage betet, das legendäre Café Gnosa und über Hamburg älteste Scheideanstalt.

Der Hamburger Hauptbahnhof. © NDR

Kulturjournal Spezial: St. Georg

NDR 90,3 - Kulturjournal Spezial -

Schwulen- und Lesbenviertel neben dem katholischen Mariendom, Drogenhandel vor feinsten Altbauwohnungen Straßenstrich nicht weit von der Moschee: In St. Georg geht das.

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Das Nähmaschinenhaus

Das Hamburger Nähmaschinenhaus feiert in diesem Jahr ein Jubiläum: Vor 65 Jahren wurde dort ein besonderes Spezialgeschäft eröffnet. Das historische Haus selbst ist ein Erlebnis für sich. 1987 wurde hier sogar ein Schatz aus der Barockzeit entdeckt. Es gibt Nähmaschinen in allen Variationen bis 10.000 Euro. In der Langen Reihe 61 führen die beiden Schwestern Andrea Neubauer und Gabriele Jaschinski seit über 30 Jahren die Geschäfte - in dem wohl ältesten Wohnhaus von Hamburg. 1621 hat es ein Kaufmann als Gartenhaus bauen lassen. Heute finden im Nähmaschinenhaus auch verschiedene Näh- und Stickkurse statt. Dennis Stüber schult hier die Kundschaft als einziger Mann und findet, dass Nähen wieder voll im Trend ist.

Moschee in der Tiefgarage

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Beten in der Tiefgarage

Seit mehr als 20 Jahren ist die Al-Nour-Gemeinde in einer ehemaligen Tiefgarage zu Hause. Beten in Würde ist kaum möglich. Doch die Suche nach einem neuen Raum ist schwierig. mehr

Freitagmittags begegnet man in St. Georg Männern mit Gebetsperlen und Pluderhosen. Es sind fromme Muslime, die vom Steindamm kommend durch die schmalen Seitenstraßen zum Gebet hasten. Denn der Stadtteil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Zentrum islamischen Gemeindelebens entwickelt. Daniel Abdin der Leiter der seit 25 Jahren bestehenden Al-Nour Moschee, führt durch sein St. Georg und zeigt warum der Stadtteil für die Gläubigen weit mehr als nur ein zentraler Ort zum Beten ist.

Jonglage im Hansa-Theater

Die Schwerkraft ausgehebelt: Wenn Jongleur Claudius Specht aus dem Hansa-Theater Keulen, Becher oder Bälle durch die Luft wirbeln lässt, wird jeder Hobby-Jongleur blass. Der geborene Schweizer schmeißt die Gegenstände so schnell nach oben, dass sie fast zu einem einzigen verschmelzen. In Hamburg tritt er regelmäßig im Hansa-Theater auf. Wir treffen den Meisterjongleur und begleiten ihn von seiner in St. Georg gelegenen Wohnung zum Theater.

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Hansa-Theater - Varieté seit 1894

1894 eröffnet ein Bierbrauer in Hamburg eine Bühne mit Ausschank: das Hansa-Theater. Bald avanciert es zum weltbekannten Varieté - und bietet bis heute ein vielfältiges Programm. mehr

Museum für Kunst und Gewerbe: Interview mit Dennis Conrad

Kein anderes Museum hat so viele Exponate wie das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG). Simon Klingler kennt sie fast alle. Vor allem aber hat er viel dazu beigetragen, dass das Museum mittlerweile mit Ausstellungen zu ganz zentralen gesellschaftlichen Fragen bundesweit einen besonderen Ruf genießt. Im Interview mit Julia-Niharika Sen verrät er, welche bahnbrechenden Projekte in diesem Jahr auf die Besucher zukommen.

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Wienerin Beyerle leitet das MKG in Hamburg

Eine Wienerin kommt nach Hamburg: Tulga Beyerle ist neue Direktorin des Museums für Kunst und Gewerbe. Die studierte Industriedesignerin war zuletzt Museumsdirektorin in Dresden. (04.12.2018) mehr

Schmelztiegel Lange Reihe

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Auf der Langen Reihe gibt es zahlreiche Restaurants.

Die rund 750 Meter lange Straße ist das bunte Herz von St. Georg: Mit ihren vielen Geschäften, Cafés und Restaurants mit Betreibern aus der ganzen Welt ist sie genau so bunt und lebendig wie die Menschen, die sich hier Tag und Nacht tummeln. Wir zeigen das legendäre Café Gnosa, das in den späten 80er-Jahren die schwul-lesbische Community in den Stadtteil gebracht hat, und besuchen die Hutverkäuferin Silke "Wicky" Kühling, die in ihrem Laden auch illustre Gäste wie Udo Lindenberg empfängt. Fast am Ende der Langen Reihe versorgt der Feinkosthändler Max Läufer die Nachbarschaft mit Köstlichkeiten und führt somit das Erbe seines Vaters fort, der das Geschäft in den 1950er-Jahren eröffnet hatte.

Die älteste Edelmetall-Scheideanstalt Norddeutschlands

Die alteingessene Edelmetall-Scheideanstalt Schiefer & Co liegt mitten im Herzen des Rotlichtviertels in St. Georg. Hier wird noch mit traditioneller Handwerkstechnik geschmolzen und legiert - bei über 1.000 Grad. Vor zehn Jahren hat Reinhard Bochem den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen, den sein Großonkel 1923 gegründet hatte. In einer Scheideanstalt werden Gold, Silber oder Platin zu Rohlingen für Goldschmiede gefertigt. Sie ist quasi ein Recyclinghof für Edelmetalle. Reinhard Bochem sieht sich als Edelmetaller fürs Grobe. Manchmal muss er aber auch sehr feinfühlig sein. Wenn Privatleute ihr Zahngold oder Schmuckstücke verkaufen möchten, stecken oft Schicksale dahinter. Für Bochem haben Edelmetalle magische Anziehungskraft. Besonders bezaubert ist er von seinem äußerst wertvollen, finnischen Waschgold, das er als Einziger in Deutschland verarbeitet.

Dampfer "St. Georg"

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Die "St. Georg" - ältestes deutsches Dampfschiff

Mehrfach wechselt der 1876 gebaute Dampfer seinen Namen. Seit 1994 schippert die "St. Georg" wieder regelmäßig über ihr Heimatrevier: die Hamburger Alster. mehr

Der einzige klassische Dampfer, der sich wegen seines rein mit Dampf betriebenen Motors auch so nennen darf, ist auf der Alster unterwegs. 1876 wurde dieser Alsterdampfer in Hamburg gebaut und hat dann mehrfach Ort und Besitzer gewechselt, bis er wieder zurück nach Hamburg kam. Das älteste fahrtüchtige Dampfschiff Deutschlands gehört seit 1989 dem Verein Alsterdampfschifffahrt e.V. Zurzeit bereiten drei Maschinisten des Vereins das Traditionsschiff auf den TÜV vor. Rund um den Michel hat die "St. Georg" in ihrer Liegezeit besucht und ihr in den Kessel geguckt.

Indien liegt am Hauptbahnhof

St. Georg ist ohnehin schon ein buntes Viertel. Aber wenn es eine Kultur gibt, die wirklich Farbe ins Leben bringt, dann sind es die Inder. Vor 30 Jahren hat der erste indische Supermarkt in der Langen Reihe eröffnet, inzwischen hat sich die Gegend um den Hansaplatz fast zu einem Mini-Bombay entwickelt.

Die Koppel - von der Fabrik zum Designerzentrum

Kaum etwas erinnert heute noch an die ursprüngliche Nutzung der ehemaligen Maschinenfabrik, die 1924 im Stil des Hamburger Art Deco erbaut wurde. Seit 1981 ist das Haus eine Heimat für rund 20 Künstler und Kunsthandwerker, die in dem Publikum offenstehenden Werkstätten und Ateliers arbeiten. Von Anfang an dabei ist Michael Sazarin. Der Maler ist auch der Einzige, der hier das Wohnrecht hat. Wir besuchen ihn in seinem Atelier und gehen mit ihm durchs Haus und blicken in weitere Werkstätten.

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Die Alster - Hamburgs blaue Mitte

Aus einem kleinen Fluss wird ein großer See mitten in der Stadt - die Alster prägt Hamburgs Stadtbild und ist ein idealer Ort zum Entspannen. Tipps für Entdeckertouren. mehr

Redaktionsleiter/in
Sabine Rossbach
Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Redaktion
Susanne Dobke
Moderation
Julia-Niharika Sen