Rund um den Michel

Hamburger Perspektiven

Sonntag, 06. Juni 2021, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 07. Juni 2021, 01:05 bis 01:50 Uhr

Da die Gegenwart seit über einem Jahr von Corona bestimmt wird, haben sich wohl nie zuvor so viele Menschen nach der Zukunft gesehnt - und sich Gedanken darüber gemacht, wie sie dann leben wollen. Bei Rund um den Michel beginnt die Zukunft deshalb schon in der nächsten Sendung mit lauter nachhaltigen Ideen aus Hamburg, die neue Perspektiven aufzeigen. Dann werden aus Geisternetzen Badeanzüge zum Wenden, aus alten Möbeln neue Glanzstücke, aus Kaffeebohnen Bäume für den Regenwald und aus der invasiven pazifischen Auster, die unsere heimischen Miesmuscheln verdrängt, eine Delikatesse.

Bikinis aus Fischernetzen

Badeanzüge und Bikinis sind oft Wegwerfware. Nach einer Saison verlieren sie Form und Farbe. Mareen Burk ist leidenschaftliche Surferin und suchte nach einer umweltfreundlichen Alternative. Sie gründete Mymarini, um nachhaltige und faire Bademode zu entwerfen, die gleichzeitig hilft, ein großes Problem zu lösen. Ihre Badeanzüge sind nämlich aus Econyl, das zum Teil aus alten Fischernetzen recycelt wird, die sonst im Meer zur Falle für viele Tiere werden.

VIDEO: Bikinis aus Fischernetzen (3 Min)

Künstliche Intelligenz

Als Kind hat er schon mit dem MS-DOS Betriebssystem eine Art Chat-Software programmiert. Heute ist Alois Krtil (38) eine treibende Kraft in Hamburg, die alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz anschiebt. Im Dockland hat er vor zwei Jahren das ARIC (Artificial Intelligence Center Hamburg) gegründet und berät Unternehmer, wie sie den Einstieg in die KI schaffen können. "Wenn man sich umschaut, sieht man die Logistik, den Hafen, ganz viele Anwendungsfelder in Hamburg, die KI benötigen", so Krtil. Anhand von zwei Beispielen zeigt er, warum KI in Zukunft nicht nur für Produktionsprozesse relevant, sondern auch uns Menschen eine Hilfe sein kann.

VIDEO: Künstliche Intelligenz für Hamburgs Zukunft (5 Min)

Nachhaltige Möbel

Second Hand aber noch lange kein Trödel. Das ist das Motto von Linda Käckermann. Die 30-Jährige hat letztes Jahr ihr Start-up Ain't no Trash gegründet und sich darauf spezialisiert, alten Möbeln ein weiteres Leben zu schenken. Bei ihr soll der Kunde bewusst kaufen statt grenzenlos konsumieren und vielleicht sogar das ein oder andere Teil finden, das sich über die Jahre im Wert steigern wird. Der Michel hat Linda in ihrem Arbeitsalltag begleitet.

VIDEO: Ein neues Leben für alte Möbel (4 Min)

Interview mit Andree Möller, Stadtreinigung Hamburg

Wenn man mit dem Auto von Süden her in die Hansestadt fährt, sieht man ihn gleich neben der Autobahn aufragen: den sogenannten Energieberg Georgswerder. Heute erzeugen hier Windräder und eine große Photovoltaikanlage Strom für mehr als 4.000 Haushalte, ein Horizontweg führt einmal um den Berg herum und bietet spektakuläre Ausblicke. Doch der Berg war nicht immer ein Ausflugsziel. Wie in Hamburg Georgswerder aus einer Wiesenlandschaft erst ein Trümmer-, dann ein Müllberg und später die größte Giftmülldeponie Europas wurde, erzählt Andree Möller von der Stadtreinigung im Gespräch mit Theresa Pöhls. Er erklärt, was alles getan wird, damit der sogenannte „schlafende Drache“ nie erwacht und welche seltenen Pflanzen und Tierarten sich mittlerweile auf seinem Rücken angesiedelt haben.

VIDEO: Das Potenzial des Energieberg Georgswerder (5 Min)

Mindful coffee

Kaffee ist die Leidenschaft von Leonardo Bittner de Freitas. Der Brasilianer war in seiner Heimat Kaffeebauer und Röster. Jetzt will er in Hamburg eine Marke aufbauen, die für faire Preise und Nachhaltigkeit steht. Seine Kaffeeverpackungen sind komplett plastikfrei - einzigartig in Deutschland - und werden per Post an die Kundschaft verschickt. Die edlen und seltenen Bohnen importiert er von befreundeten Kaffeebauern in Brasilien - ohne Zwischenhändler. So kann er seinen Produzenten mehr als den doppelten Preis bezahlen als üblich. Und für jedes Kilo geröstete Bohnen will er einen Baum in Brasilien pflanzen. So hilft er mit seinem Kaffee auch ein wenig, das Klima zu verbessern.

VIDEO: Mindful coffee: Für mehr Nachhaltigkeit und faire Preise (3 Min)

Die Baumretter

Hamburg gilt als besonders grüne Großstadt, und das ist sie auch: Im deutschlandweiten Vergleich lag die Hansestadt mit 132 Bäumen pro tausend Einwohner im Jahr 2014 hinter Heilbronn und Münster auf dem dritten Platz. Doch Stadtbäume müssen intensiv überwacht und gepflegt werden, denn sie haben es schwer im Vergleich zu Bäumen in der freien Natur: Sie leiden unter Wärmestress, weil in der Stadt höhere Temperaturen herrschen als auf dem Land. Dadurch muss der Baum mehr verdunsten. Durch die Bodenversiegelung bekommt er aber oft nur wenig Wasser die Folge ist Trockenstress. Dazu kommen die extrem verdichteten Böden in der Stadt, wenig Platz für ein großes Wurzelwerk, neue Schädlinge durch den Klimawandel. Bei all diesem Problemen helfen die Baumretter - oft mit ungewöhnlichen Methoden.

VIDEO: Die Baumretter von Hamburgs "Grüner Lunge" (5 Min)

Vom Bunker zum Stadtteilzentrum

Mitten in Altona entstehen neue Räume für Kultur. Engagierte wollen einen alten Weltkriegsbunker umbauen - zu einem Zentrum für Kultur und für Energie. Die Abkürzung KEBAP steht hier für den gemeinnützigen Verein KulturEnergieBunkerAltonaProjekt. Im Februar übergab die Stadt Hamburg den Bunker dem Verein, der nun die Umsetzung des Projekts angeht. Ziel ist es, den 1943 erbauten Hochbunker umzubauen und damit die Grundlage zu schaffen für eine kulturelle und ökologisch nachhaltige Nutzung. Zum einen soll in dem Bunker CO2-arme Energie für den Stadtteil produziert werden, zum anderen soll er Freiräume für Kulturschaffende bieten. Der Bunker wird damit gleichzeitig zu einem Heizhaus, Kulturzentrum, Stadtteilwohnzimmer und Garten, der direkt auf dem Dach entstehen soll.

VIDEO: Vom Bunker zum Stadtteilzentrum Altonas (4 Min)

Superfood Lupine

Sie hat alles was ein Superfood braucht: Sie ist gesund, regional und nachhaltig: Die Weiße Lupine. Aus der Hülsenfrucht lassen sich vielfältige Fleisch- und Sojaalternativen herstellen. Lange Zeit war die Lupine jedoch in Vergessenheit geraten. Doch die Hamburger Agraringenieurin Elke zu Münster brachte die Pflanze bei Landwirten und kleinen Manufakturen wieder ins Gespräch. Seit elf Jahren arbeitet sie nun als Lupinengroßhändlerin und ist damit das Bindeglied zwischen Land und Stadt. Der Michel hat sie in ihrem Arbeitsalltag begleitet.

VIDEO: Superfood Lupine (3 Min)

Recycle-Heros

Harouna aus dem westafrikanischen Guinea kommt mit seinem Elektroschwerlasten-Rad im Hamburger Verkehrsdickicht klimafreundlich und schnell ans Ziel. Für das Start-up Recylehero holt er gegen Bezahlung Wertstoffe ab und entsorgt sie fachgerecht. Recyclehero ist bundesweit der erste Abholservice dieser Art. Die Gründer wollen mit ihrer Arbeit nachhaltig und sozial sein, haben den "gesellschaftlichen Mehrwert" immer im Blick. Mit dem Pfand ihrer Kundschaft helfen sie Menschen ohne Dach über dem Kopf. Ihr Obdachlosenprojekt heißt "Straßensuppe". Das NDR Team begleitet die "Heros" auf den Kiez zur Essensausgabe. Als Fahrer beschäftigen die Heros vor allem Langzeitarbeitslose und Geflüchtete, die auf dem Arbeitsmarkt schwer vermittelbar sind. Bei Recyclehero bekommen sie die Möglichkeit beruflich durchzustarten.

VIDEO: Recycle-Heros: Mit Altglas Gutes tun (4 Min)

Fürs Ökosystem: Austern essen

Sie gelten als Delikatesse und hochpreisiger Luxusartikel: Austern. Die beiden Schulfreunde Marco und Joost haben vor fünf Jahren ihr Unternehmen Austerregion gegründet, verkaufen die teure Muschel jedoch mit einem ganz anderen Image: Auf Hamburger Wochenmärkten kann man bei ihnen schnell eine Auster to go schlürfen. Und damit leistet jeder einen kleinen Beitrag für die Nachhaltigkeit im Wattenmeer: Dort gilt die Muschel inzwischen als Plage: Durch den Klimawandel breitet sie sich aus und nimmt der heimischen Miesmuschel immer mehr Platz weg. Konsum als Beitrag zum ökologischen Gleichgewicht …

VIDEO: Austern essen fürs Ökosystem (3 Min)

Produktionsleiter/in
Andy Kaminski
Redaktionsleiter/in
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Redaktion
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Moderation
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