Rund um den Michel

Hamburg ABC

Sonntag, 29. Oktober 2017, 18:00 bis 18:45 Uhr
Montag, 30. Oktober 2017, 01:50 bis 02:35 Uhr

Julia Sen

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Hamburg ist deutscher Meister - und zwar bei den Stadtteilen: 104 zählt die Metropole des Nordens. Keine andere Großstadt hat so viele und so vielfältige. Deshalb geht Rund um den Michel auf Entdeckungsreise in die Stadtteile von A wie Altona Altstadt bis W wie Winterhude.

Wir spazieren mit einer amerikanischen Bloggerin durch Altona, immer auf der Suche nach neuen Spotts jenseits der Touristenpfade, steigen über Hunderte von Stufen ins Treppenviertel nach Blankenese und besuchen eine Kochgalerie in Eimsbüttel, in der sich alle zwei Wochen ein neuer Koch beweisen muss.

Außerdem erleben wir, wie der evangelische Pfarrer im von Hochhäusern geprägten Stadtteil Mümmelmannsberg Menschen aus ganz unterschiedlichen Nationen dazu bringt, ihr Lied zu singen, um einen gemeinsamen Stadtteil-Chor zu formieren, und lernen den Inselwart des nördlichsten Stadtteils, der Insel Neuwerk kennen.

Auch feiern kann man in Hamburg ganz unterschiedlich: Wir ziehen mit dem ersten schwulen Schützenpaar durch das dörfliche Quartier Ochsenwerder und machen im Klubhaus auf St. Pauli die Nacht zum Tag.

Von Stadtteil zu Stadtteil bewegen wir uns in der U 3 - auf Hamburgs schönster U-Bahn-Strecke, die über 100 Jahre alt ist und immer wieder gern von Touristen befahren wird. Wie es ist, so eine Bahn zu lenken, erzählt uns Hochbahnerin Maren Reichert. Das alles und mehr bei Rund um den Michel am 29. Oktober um 18 Uhr im NDR Fernsehen.

Altona aus Sicht der Bloggerin

Altona ist ein Bezirk, aber ja: es gibt auch einen Stadtteil, in diesem Bezirk, der so heißt. Mit dem Zusatz: Altstadt. Von dieser "alten Stadt" jedoch ist kaum mehr was zu sehen - lediglich in Nebensträßchen stehen sie, die zuckerrosafarbenen und blass himmelblauen Altbauten; dort gibt es Kopfsteinpflaster und sogar ein Haus, das aussieht wie eine Burg. Im Zentrum des Viertels dagegen ist alles neu - die Einkaufsmeile frisch geputzt, es gibt einen kunterbunten Wochenmarkt und am Ende dessen einen Klotz - Möbel auf drei Etagen, ein Parkhaus - gegenüber verkauft der türkische Händler Gemüse. All das will Diana erkunden. Diana ist Bloggerin und veröffentlicht auch auf Instagram Fotos von sich selbst. Überall auf der Welt. In Hamburg ist sie auf Einladung von "Come to Hamburg" - einem Programm, dass Menschen von anderswo die Möglichkeit bietet, die Hansestadt zu erkunden. Hotel gibt's, Stadtplan gibt's. Los geht's. Mit Diana - durch Altona Altstadt.

Blankeneser Treppenviertel

Es ist mit Sicherheit eines der schönsten Viertel Hamburgs: das Blankeneser Treppenviertel. Die alte Fischer- und Lotsensiedlung besticht durch ihren verstiegenen, südländischen Charme auf 58 Treppen mit rund 5.000 Stufen - den wohl teuersten Campingplatz Europas nennt es Anwohner Manni beim Weingenuss aus Silberkelchen beim Strandpicknick.

Restaurant für zwei Wochen

Nils Kaffke ist Architekturstudent - aber seine große Leidenschaft ist das Kochen. Deshalb lässt er sich auf ein einmaliges Experiment ein und will zwei Wochen lang ein eigenes Restaurant führen. Dies liegt in der Weidenallee in Eimsbüttel, einem der beliebtesten Stadtteile Hamburgs, in dem viele junge Familien und Kreative leben. Die Eimsbütteler haben jede Menge Auswahl an guten Restaurants und sind daher recht wählerisch. Das "Cook Up", in dem Nils am Herd stehen wird, ist Deutschlands einzige "kulinarische Galerie" - in der ambitionierte Köche für einen begrenzten Zeitraum ihre gastronomischen Konzepte verwirklichen können.

Interview

Die Ringlinie U 3 gilt als die schönste Hochbahn-Strecke Hamburgs. Vor mehr als 100 Jahren nahm sie den Betrieb auf und ist mit ihren vielen gut erhaltenen Stationen längst selbst eine Sehenswürdigkeit, ermöglicht aber auch den Ausblick auf viele andere touristische Highlights wie die Landungsbrücken oder die Elbphilharmonie. Wir dürfen uns - ausnahmsweise! - während der Fahrt mit der Hochbahnfahrerin Maren Reichert darüber unterhalten, welche Herausforderungen ihr Job mit sich bringt und erfahren von Hochbahnsprecher Christoph Kreienbaum, warum Frauen für die Hamburger Hochbahn schon von Anfang an wichtig waren.

Rhythm is it - Mümmelmannsberg

In Hamburg-Mümmelmannsberg leben Menschen aus aller Welt dicht zusammen. Jeder denkt anders, glaubt an etwas anderes. Doch gerade in dieser Verschiedenheit steckt ein riesiges Potential: Stephan Thieme ist seit knapp drei Jahren evangelischer Pastor im Stadtteil, und er setzt von Anfang an auf das Zusammenspiel von Menschen mit unterschiedlichen, religiösen Hintergründen. Er hat sein Gemeindezentrum sofort als Ort für alle Menschen im Stadtteil geöffnet. Jetzt tut er sich mit dem Komponisten und Interaktionskünstler Bernhard König zusammen. Sie ziehen durch die Nachbarschaft, lassen die Leute auf der Straße von ihrem Leben erzählen und machen Musik daraus. Ihre Vision: Ein dauerhafter, interreligiöser Chor für Mümmelmannsberg, der verbindet und Freude verbreitet.

Neuwerker mit St. Pauli-Dauerkarte

Werner Flegel hat es nach den Kriterien des FC St. Pauli geschafft- er hat eine Dauerkarte, Stehplatz Südtribüne. Sowas kann man eigentlich nur erben, weiß der Fan. Und rein formal hat es Werner auch gar nicht weit: Das Stadion am Millerntor liegt im Bezirk Hamburg Mitte - und im Bezirk Hamburg Mitte wohnt Werner auch. Einziges Problem: Tatsächlich wohnt er auf der Hamburger Insel Neuwerk, in der Elbmündung. Die Anreise zum Heimspiel dauert also für den Neuwerker Fan länger als für viele andere Fußballfans der Weg zur Auswärtsbegegnung. Auf seinem Weg ins Stadion durchs Wattenmeer, und dann mit den verschiedensten Verkehrsmitteln 100 Kilometer elbaufwärts bis nach Hamburg haben wir den Insulaner und Fußballfan begleitet.

Die ABC-Straße

Eine Sendung über das ABC von Hamburg - da darf sie nicht fehlen: Die ABC-Straße im Herzen der Hamburger City. Sie trägt einen der ältesten dokumentierten Straßennamen in Hamburg: Ihre urkundliche Erwähnung ist sogar älter als die der weltbekannten Reeperbahn! Der Name der traditionsreichen Einkaufsstraße rührt daher, dass ihre Geschäftshäuser ursprünglich mit Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge bezeichnet waren, die sinnbildlich standen für das A bis Z der Hamburger Kaufmanns-Tugenden: Von A wie Anpackend bis Z wie Zurückhaltung. Leider jedoch hat die ABC-Straße dieses Alleinstellungsmerkmal einst per Senatsanordnung verloren: Schnöde Hausnummern wie überall prangen seitdem an den Geschäften. Doch: Die Geschäftsleute erschaffen heute ihr ganz eigenes ABC: Von den Zwillingsschwestern Christina und Claudia, die mit sehr farbenfroher Mode ihr eigenes Label aufgebaut haben und sagen: "Wir stehen hier in der ABC-Straße für das "K" wie kreativ". Bis zum aus New York stammenden Feinbäcker Gabriel, der mit unglaublicher Detail-Liebe kleine Teigwaren im französischen Stil fertigt und sagt: "Ich stehe in der ABC-Straße für das "P" wie Perfektion." Wir zeigen dieses neue ABC der alten ABC-Straße.

Die Schützen von Ochsenwerder

Das gab es im Ochsenwerder Schützenverein noch nie: ein männliches Schützenkönigspaar. Christian Roebke-Gronau und sein Mann Markus sind vor fünf Jahren aus der Hafencity nach Ochsenwerder gezogen. Ein Stadtteil mit mehr als 2.500 Einwohnern, im Südosten von Hamburg, mitten im Grünen. Um am Dorfleben teilzuhaben, sind sie sofort in den Schützenverein eingetreten und mit offenen Armen aufgenommen worden. Früher konnten sich beide nicht vorstellen, irgendwann mal in einem eigenen Haus auf dem Land zu leben. Doch seitdem sie Ochsenwerder, das Dorf, seine Bewohner und seine originellen Kneipen kennen, sehen sie das anders.

St. Pauli: Eine Nacht im Klubhaus

St. Pauli ist nach wie vor die Hamburger Partymeile, am Wochenende strömen Zehntausende über den Kiez. Seit zwei Jahren gibt es mitten im Herzen des Stadtteils, am Spielbudenplatz, einen Ort, in dem sich die ganze Nacht verbringen lässt: Das Klubhaus St. Pauli. Ob edle Bar oder Clubs mit Livemusik, ob Junggesellen-Abschied mit Lasertag-Schießen oder Tanzmarathon - das Haus mit der modernen, animierten Fassade bietet Unterhaltung für jeden Geschmack. Wir waren eine Nacht im Klubhaus St. Pauli unterwegs.

Der 105. Stadtteil: Kleiner Grasbrook

Gegenüber der Hafencity, unweit der Elbbrücken, liegt das Hamburg der Zukunft. Hamburgs 105. Stadtteil. In ungefähr sechs Jahren könnten hier die ersten Bagger vorfahren. Auf dem "Kleinen Grasbrook" steht noch das sogenannte "Überseezentrum", einst der Welt größter Verteilschuppen, seit einiger Zeit jedoch leer. Wie eine Geisterstadt, an der die Elbe leckt, liegt das Viertel da. Drei Arme hat die Halbinsel südlich des Flusses, auf einem tobt jedoch das Leben: da steht Magdalena Meyerdierks und brät Würstchen, frittiert Fritten, rollt Buletten für die Lkw-Fahrer, die ihre Ware an das nahe gelegen Kühlzentrum ausliefern. Magdalena, kurz: Lena, weiß, dass sie nicht weichen muss, wenn das neue Viertel kommt mit seinen 3.000 Wohnungen. Aber wie es aussehen soll, das fragt sie sich schon. Eine Seele muss es haben, sagt sie. Und die lässt sich so leicht nicht einbauen.

Produktionsleiter/in
Edgar Rygol
Redaktionsleiter/in
Sabine Rossbach
Redaktion
Maiken Nielsen
Susanne Dobke