Stand: 20.11.2020 10:19 Uhr

Staatsanwaltschaft stellt Ermittlungen gegen Chefarzt ein

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingestellt, das sie gegen den Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie an der Universitätsklinik Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck geführt hatte.

"Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ist ein hinreichender Tatverdacht nicht zu begründen", heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft an den NDR. Im vergangenen Juni hatte Panorama 3 über mutmaßliche fachliche Fehlentscheidungen in der Herzchirurgie in Lübeck berichtet. Dabei ging es unter anderem um den Fall eines Patienten, der an einer infektiösen Herzklappenentzündung (Endokarditis) litt.

Der Patient wurde am 13. September 2019 mit dem Hubschrauber aus einer anderen Klinik zur Herzchirurgie am UKSH in Lübeck gebracht. Am 16. September wurde der Patient, obwohl er auf dem OP-Plan stand, nicht operiert. Der Chefarzt, Prof. Dr. Stephan Ensminger, operierte an dem Tag einen anderen Patienten, der kein Notfall war. Der Zustand des nicht operierten Patienten verschlechterte sich in der folgenden Nacht deutlich. Er verstarb trotz einer Not-OP wenige Tage später.

VIDEO: Neue Vorwürfe gegen die Uniklinik in Lübeck (11 Min)

(Video vom 23.06.2020)

In ihren Ausführungen nennt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft einen anspruchsvollen Maßstab für einen hinreichenden Tatverdacht. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs sei für den Tatnachweis der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen erforderlich, dass "das Leben des Patienten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätte gerettet werden können oder zumindest verlängert worden wäre, wenn der Eingriff einen Tag früher vorgenommen worden wäre."

Weitere Informationen
Neubau Zentralklinikum Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) Campus Lübeck. © Jörg Schwarze Foto: Jörg Schwarze

Neue Vorwürfe gegen die Uniklinik in Lübeck

Panorama 3 berichtete über den skandalösen Rauswurf einer Oberärztin der Uniklinik Lübeck. Nun tauchen neue Fragen zu fachlichen Fehlentscheidungen in der Herzchirurgie auf. mehr

Auf einer Flagge steht UKSH Universitätsklinikum Schleswig-Holstein.

Kripo im Uniklinikum in Lübeck: Sicherstellung von Patientenakten

Die Staatsanwaltschaft Lübeck hat im Rahmen von Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung am Mittwoch im UKSH Patientenakten sicherstellen lassen. mehr

Dr. Doreen Richardt als junge Ärztin am Uniklinikum Schleswig-Holstein. © NDR

Der gescheiterte Rauswurf

Blamage für das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein: Wie die Herzchirurgin Doreen Richardt sich gegen ihren Rauswurf wehrte. mehr

Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 23.06.2020 | 21:15 Uhr