Stand: 26.05.2011 18:30 Uhr

Schock für Eltern: Kinder ohne Organe beerdigt

Vor zwölf Jahren sorgte ein Bericht von Panorama für Aufruhr: Beim letzten Blick auf ihr verstorbenes Kind sahen Eltern statt eines normalen Leichnams oft nur eine eingefallene Hülle. Der Grund: Kindern, die an einer ungeklärten Todesursache verstorben waren, hatte man bei der anschließenden Obduktion Organe entnommen und nicht wieder eingesetzt. Diese wurden stattdessen für eine Forschungsstudie weiterverwendet – ohne die Eltern um Erlaubnis zu fragen.

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Trauer-Kerzen stehen auf einer Grabstelle eines toten Kindes. © dpa - Bildfunk Foto: Lübke, Jochen
Trauer-Kerzen stehen auf einer Grabstelle eines toten Kindes. Viele Eltern wissen nicht, dass ihnen neben dem Verlust noch ein weiterer Schock droht.

Mehrere Rechtsexperten hatten damals eine gesetzliche Regelung für die Aufbewahrung und weitere Untersuchung der Organe verlangt. Die Politik gelobte Besserung - doch getan hat sich nichts. Im Gegenteil: Panorama schildert aktuelle Fälle, in denen erneut Organe von verstorbenen Kindern jahrelang gelagert wurden, ohne die Eltern darüber zu informieren.

Das Trauma verfolgt die Eltern

Marco John verstarb plötzlich und unerwartet im Alter von vier Monaten. Bei der gerichtlich angeordneten Obduktion wurden ihm Gehirn, Herz und Gallenblase sowie Teile von Lunge, Leber und Niere entnommen - und für weitere Untersuchungen aufbewahrt. Der restliche Leichnam wurde zur Bestattung freigegeben. Erst kurz vor der Bestattung, beim Ankleiden ihres toten Kindes, spürte Marcos Mutter, wie leicht der kleine Körper war. Weder Rechtsmedizin noch Staatsanwaltschaft hatten sie auf diesen Schock vorbereitet. Das Trauma verfolgt Familie John bis heute. Ein Versehen, sagt die Staatsanwaltschaft Darmstadt, Eltern sollen normalerweise über eine Organentnahme informiert werden.

Was muss geschehen?

Rechtswissenschaftler wie Prof. Dr. Jochen Taupitz von der Universität Mannheim fordern schon seit Bekanntwerden der ersten Fälle eine klare gesetzliche Regelung für die Aufbewahrung und Weiterverwendung von Organen. Bis heute ist in diesem Bereich jedoch nichts geschehen. Welche Instanz muss sich hier Versäumnisse vorwerfen lassen? Wie kommunizieren Staatsanwaltschaften mit betroffenen Eltern? Welche Praxis verfolgt die Rechtsmedizin im Allgemeinen? Panorama über Kinder ohne Organe und eine Justiz ohne Entscheidungswillen.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Panorama | 26.05.2011 | 22:00 Uhr

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