NaturNah: Der Stint

Ein Fisch und sein Fluss

Dienstag, 05. März 2019, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 07. März 2019, 11:30 bis 12:00 Uhr

Der gefangene Fisch wird präsentiert. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

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Als die Elbe in den 1990er-Jahren von einem schmutzigen Abwasserstrom wieder zu einem sauberen Fluss wurde, kehrten die Fische zurück. Auch die Wanderfische, die aus dem Meer zum Laichen in den Fluss aufsteigen. Der Stint, ein kleiner, silbriger, wohlschmeckender Fisch, tat das wieder jedes Frühjahr in Massen. So wie in früheren Zeiten, als sein Fang Hunderte von Fischerfamilien ernährte. Nach seinem Comeback machten eine Handvoll Elbfischer den Stint kulinarisch zum Kult. Seither gehört Stintessen wieder zum Frühjahr am Elbdeich.

Immer weniger Stint in der Elbe

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Die Elbfischer bringen ihre Netze direkt neben der Fahrrinne aus.

Doch in den vergangenen Jahren wurde immer weniger Stint gefangen. Schließlich blieb die Fischart 2017 und 2018 fast völlig aus. Die Feinschmecker am langen Elbdeich gucken auf leere Teller. Viel schlimmer ist jedoch, dass auch vielen Tieren der Magen knurrt. Seeschwalben und Zwergmöwen, Zander und Aal, vielen Lebewesen im Fluss, die von der Stintbrut leben, fehlt plötzlich die Nahrungsbasis. Auch Seehunde und Schweinswale gehen leer aus. Es droht ein Schaden an der Natur der Tideelbe. Denn das Ökosystem des Flusses hängt zwischen der Staustufe von Geesthacht bis in die Nordseemündung vom Stint ab. Über 90 Prozent aller Fische in der Tide-Elbe sind Stinte. Wenn die plötzlich nicht mehr aus dem Meer in den Fluss ziehen, brechen die Nahrungsketten für viele Tierarten zusammen.

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Der Stint wandert in großen Schwärmen die Elbe hinauf.

Wissenschaftler der Universität Hamburg haben sich zum Ziel gesetzt, die ökologischen Zusammenhänge und Abhängigkeiten rund um die "Schlüsselart" Stint intensiver zu erforschen. Sie wollen den Stint und seine Lebensweise, vom Ei über die Larve bis hin zum Jung- und Laichfisch, genau beobachten, um den Ursachen für seinen dramatischen Rückgang auf die Spur zu kommen. Jetzt ist wieder Stintsaison: Alle hoffen - Naturschützer, Forscher, Fischer und Feinschmecker - darauf, dass der Stint in diesem Frühjahr endlich wieder in großen Mengen zum Laichen in die Elbe zieht.

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Redaktion
Birgit Schanzen
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Holger Vogt