NaturNah: Achtung Nitrat!

Grundwasser in Gefahr

Dienstag, 07. Januar 2020, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 09. Januar 2020, 11:30 bis 12:00 Uhr

Frank Lehmann vom Zweckverband Kühlung schlägt Alarm. Ein Teil der Trinkwasserbrunnen kann nicht mehr genutzt werden, weil die Nitratbelastung zu hoch ist.

Die Nitratwerte im deutschen Grundwasser gehören zu den höchsten in der gesamtem EU. Der Bodenphysiker Prof. Lennartz und sein Team von der Uni Rostock kontrolliert regelmäßig den Eintrag von Nitrat ins Grundwasser. Und er schlägt Alarm. © NDR/Populärfilm
Der Bodenphysiker Prof. Bernd Lennartz und sein Team von der Uni Rostock kontrollieren regelmäßig den Eintritt von Nitrat ins Grundwasser.

Auch der Rostocker Bodenphysiker Bernd Lennartz von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock zeigt sich sehr besorgt über die Auswirkung intensiver Düngung der Ackerflächen auf das Grundwasser. Sein Team kontrolliert regelmäßig den Eintritt von Nitrat ins Grundwasser und in die Entwässerungsgräben entlang der Ackerflächen bei Rostock. Denn der in der Landwirtschaft genutzte nitrathaltige Dünger führt dazu, dass das Grundwasser, und damit auch das Trinkwasser, zunehmend belastet wird.

Die Nitratbelastung in Deutschland ist zu hoch

Ein Traktor pflügt ein Feld. © NDR/Populärfilm
Die Alternative zu Gülle, Gärresten und mineralischem Dünger: Kleegrasumbruch als natürlicher Stickstoffdünger.

Laut der Nitratstatistik von 2016 liegt in Deutschland die Belastung an 28 Prozent der knapp 700 Messstellen mit Landwirtschaftsbezug über dem Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland deshalb mittlerweile verurteilt. Die Nitratbelastung betrifft auch das Oberflächenwasser. Flüsse und Meere veralgen, es kommt zu Sauerstoffmangel, Seen kippen um, Fische sterben.

Verschärfte Düngeverordnung würde erst in Jahrzehnten wirken

Michael Naumann vom Institut für Ostseeforschung nimmt Wasserproben um sie auf Schadstoffe zu untersuchen. Trotz inzwischen strengerer Umweltauflagen hat sich die hohe Nitratbelastung der Ostsee durch die Überdüngung seit zehn Jahren kaum verändert, sagt er. © NDR/Populärfilm
Michael Naumann vom Institut für Ostseeforschung nimmt Wasserproben, um sie auf Schadstoffe zu untersuchen.

In der Ostsee kommt es regelmäßig zur großflächigen Algenpest, der Ausbreitung giftiger Blaualgen. In vielen Bereichen entstehen sogenannte Todeszonen, die vom Institut für Ostseeforschung in Warnemünde regelmäßig dokumentiert werden. Selbst eine drastische Verschärfung der Düngeverordnung, die zurzeit noch nicht abzusehen ist, wird sich erst in Jahrzehnten auswirken, meint Bodenphysiker Lennartz.

Autor/in
Matthias Vogler
Redaktion
Christina Walther
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke

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