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Lissabon - Fado, Feinkost und Flamingos

Donnerstag, 02. September 2021, 20:15 bis 21:00 Uhr
Samstag, 04. September 2021, 13:15 bis 14:00 Uhr

Malerische Gassen, prunkvolle Paläste und immer eine frische Brise vom Atlantik her. Die Seefahrt hat Lissabon wohlhabend gemacht. Portugals Hauptstadt, gelegen an der Mündung des Flusses Tejo, ist weltoffen und traditionsbewusst zugleich: Tiago Ferreira zum Beispiel führt in dritter Generation in der Altstadt ein kleines Geschäft für Fischkonserven. Die Ölsardine aus der Büchse erlebt gerade ein Revival. Früher galten solche Fischkonserven als Arme-Leute-Essen, heute stehen sie für die guten alten Zeiten. Aber die Massenwaren für Touristen machen ihm das Geschäft streitig. Tiago muss erfinderisch sein und plant neue, ausgefallene Sorten. Sein guter Freund und Koch Leopoldo Calhau soll ihm bei der Innovation in Dosen helfen.

Frischer Wind in der Fado-Szene

Die berühmte Sängerin Ana Moura bringt frischen Wind in die Fado-Szene. Sie interpretiert den traditionellen Gesang der Portugiesen, Ausdruck ihres Lebensgefühls voller Melancholie und Sehnsucht, kreativ auf ihre Weise. Ana Moura stand schon mit Stars wie den Rolling Stones, Herbie Hancock oder Prince auf der Bühne. Für ein neues Musikvideo sucht sie in Lissabon nach einer ungewöhnlichen Kulisse.

200 Vogelarten leben im Naturschutzgebiet

Der Vogelkundler Carlos Cruz mit seiner Mutter und ihren Freundinnen auf Tour an der Mündung des Sado: Die Damen haben es auf Würmer abgesehen, als Köder zum Angeln. Carlos "jagt" Flamingos - aber natürlich nur mit dem Fotoapparat. © NDR/nonfictionplanet/Maria-Christina Degen
Der Vogelkundler Carlos Cruz mit seiner Mutter und ihren Freundinnen auf Tour an der Mündung des Sado.

Südlich von Lissabon der Kontrast zum urbanen Flair: ein Naturschutzgebiet mit 200 Vogelarten. Sogar eine der wenigen Flamingokolonien Europas lebt in dem fischreichen Biotop. Carlos Cruz ist in diesem Paradies an der Mündung des Flusses Sado aufgewachsen. Der 28-Jährige bietet Bootstouren für Naturfreunde an. Dabei registriert er auch kleinste Veränderungen im Verhalten der Zugvögel. Carlos fürchtet, dass der Klimawandel die Tiere vertreiben und den Bestand gefährden könnte. Nebenbei hilft Carlos seiner Mutter und ihren rüstigen Freundinnen Würmer zu suchen, als Angelköder. Bis zu den Hüften stehen die Damen gesetzten Alters stundenlang im Sumpf und wühlen die sogenannten Poliquetas von Hand aus dem Schlick heraus. Im Akkord!

Mekka für Wellenreiter

Die portugiesische Westküste gilt als Mekka für Wellenreiter, doch der raue Atlantik mit seinen "Big Waves" ist nur etwas für absolute Topsurfer. Ricardo Carrajola und seine entspannten Surf-Buddies haben eine lässige Alternative entdeckt: die "Gasoline", eine bis zu 400 Meter lange Welle, die von den schnellen Fährschiffen erzeugt wird. Auch diese künstliche Welle ist nicht ganz ohne. Ricardo unterrichtet Anfänger, damit sie die "Gasoline" sicher beherrschen. Heute ist eine ganze Schulklasse vorbeigekommen, viel Verantwortung für Ricardo, denn der Wind ist kräftig und die Strömung stark.

Der Muschelmafia den Kampf ansagen

Tägliche Kontrolle auf dem Tejo: Die Marinepolizei von Lissabon hat der Muschelmafia den Kampf angesagt. © NDR/nonfictionplanet/Maria-Christina Degen
Tägliche Kontrolle auf dem Tejo: Die Marinepolizei von Lissabon hat der Muschelmafia den Kampf angesagt.

Der Tejo ist auch das Einsatzgebiet der Marinepolizei von Lissabon. Diese hat der Muschelmafia den Kampf angesagt. João Caló geht täglich mit dem Schlauchboot auf die Jagd nach illegalen Fischern. Sie holen die Japanische Teppichmuschel aus dem Fluss. Gefährlich, denn diese Art filtert bis zu 20 Liter Flusswasser pro Tag, es lagern sich giftige Rückstände aus der Industrie in ihrem Fleisch ab. Dann werden die hochbelasteten Teppichmuscheln als teure Herzmuscheln in die ganze Welt verkauft. Für João Caló wird es immer schwieriger, die Fischer auf frischer Tat zu ertappen, denn schon längst haben die sich professionell organisiert.

Redaktion
Ralf Quibeldey