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Die Vesterålen. - Norwegens fantastische Inseln

Donnerstag, 20. Oktober 2022, 20:15 bis 21:00 Uhr

Die Vesterålen gelten als "die kleinen Schwestern der Lofoten", dabei sind sie viel größer als ihre legendären Nachbarinseln, weitläufiger, lieblicher und landschaftlich genauso spektakulär: mit imposanten Bergen, karibisch weißen Stränden, wilder Natur. Im Sommer Mitternachtssonne, im Winter Polarlicht. Die Inselwelt ist ein Paradies für Wale, Seeadler und Papageientaucher. Der Vesterålen-Archipel liegt 300 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die "Hurtigruten", Norwegens traditionelle Postschifflinie, macht nicht nur hier Station, die Reederei wurde sogar auf den Vesterålen gegründet.

Im Sommer Mitternachtssonne, im Winter Polarlichter: Ellen Marie Hansteensen kann beides vom Fenster aus bewundern. Sie lebt auf einer einsamen Leuchtturminsel vor der Küste der Vesterålen. Als der ausgediente Leuchtturm zum Verkauf stand, bekam sie den Zuschlag. Sie ließ ihr altes Leben als Journalistin hinter sich und zog nach Litløya (auf Deutsch: die kleine Insel). 15 Jahre lang lebte sie ganz allein dort, inzwischen teilt sie ihr Glück mit dem Zimmermann Frode. Wechselnde Volunteers, Freiwillige aus aller Welt, helfen mit: bauen, renovieren, gärtnern, kochen, denn mittlerweile gibt es zwei Gästezimmer im Leuchtturmwärterhaus. Ein Hochzeitspaar wird zur ersten Trauung im Leuchtturm erwartet. Ellen-Marie und Frode müssen noch allerhand vorbereiten für die kleine Mittsommerhochzeit.

Die Lebensader für die Region

Das Hurtigboot verbindet die Inseln der Westküste. Hurtig heißt schnell, und das ist die Expressfähre. Sie ist die Lebensader für die Region. Michel Jürgensen ist Matrose, Maschinist, Ticketverkäufer und gute Seele an Bord. Im Sommer macht er mit seinem Käpt'n Trond zweimal täglich die Runde. Ohne das Schnellboot geht hier nichts: Es transportiert Passagiere und Fracht, Möbel, Baumaterial und jede Menge Kleinkram. Michel bringt alles persönlich vorbei, verteilt die Post und hält an jedem Anleger Schwätzchen. Doch an diesem Morgen gibt es ein Problem: Michels Käpt'n ist krank. Und am Kai warten tiefgekühlte Waren und Bier für ein Restaurant im Fjord. Eine schnelle Lösung muss her. "Der deutsche Michel" ist schon unterwegs!

Die nördlichste Insel der Vesterålen ist Andøya. Hinter einer imposanten Bergkette findet sich ein ganz besonderer Ort: ein Raketenstartplatz! Schon seit den 1960er-Jahren werden hier Forschungsraketen abgeschossen. Weltraumorganisationen wie NASA, ESA oder das deutsche DLR buchen den Startplatz. Was die Unternehmen im Großen machen, lernen 20 Studierende von der Universität Trondheim im Kleinen. Sie bauen eine Miniaturrakete zusammen, die acht Kilometer hoch in den Himmel fliegt und dabei Daten über die Atmosphäre liefern soll. Der norwegische Studierende Kristian Blom ist in der Kommandozentrale ziemlich nervös: Wird der Start der Rakete gelingen?

Im Rhythmus der Rentiere

Sechs Kilometer vor der Küste ragt der winzige Vogelfelsen Anda aus dem Meer. Hier leben rund 23.000 Papageientaucher. Die als "Clowns der Meere" beliebten Vögel sind vom Aussterben bedroht. Weltweit nimmt ihre Zahl ab. Ein Grund ist die Erwärmung der Meere, vermuten Forscher. Der Klimawandel beeinflusst die ganze Nahrungskette im Ozean. Magdalene Langset vom norwegischen Forschungsinstitut NINA kommt jedes Jahr für ein paar Wochen auf die Insel Anda, um die Population zu untersuchen. Sie wiegt und vermisst Papageientaucher und ihre flauschigen Küken. Hier auf den Vesterålen ist die Lage noch vergleichsweise gut, aber Magdalene macht sich große Sorgen: Was, wenn es still wird auf dem Vogelfelsen?

Rentiere sind auf den Vesterålen kein seltener Anblick. Ihre Besitzer sind Samen, die indigene Bevölkerung des arktischen Nordens. Arild und Laila Inga leben nicht mehr traditionell wie Nomaden, sondern ein modernes Leben mit Häusern, Autos und Quads, doch noch immer im Rhythmus der Rentiere. Seine Herden ortet Arild längst mit dem Smartphone, aber seinen Kaffee kocht Arild gern auf dem Lagerfeuer. Mit Quellwasser. Dem Sami-Kaffee verleiht er mit einer traditionellen Zutat sein spezielles Aroma: getrocknetes Rentierherz!

Redaktion
Ralf Quibeldey