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Die Grafschaft Yorkshire - An Englands Nordseeküste

Donnerstag, 01. November 2018, 20:15 bis 21:00 Uhr

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Das Örtchen Robin Hoods Bay war im 18. Jahrhundert eine Hochburg für Schmuggler und Strandpiraten.

Eine Küste wie gemalt: Die Schafe auf den grünen Wiesen haben Meerblick, auf den schroffen Klippen thronen schneeweiße Leuchttürme und Fischerdörfer schmiegen sich an die Hänge steiler Schluchten. Piraten und Strandräuber betrieben hier einst dunkle Geschäfte. Heute bringen Urlauber ganz freiwillig ihr Geld, denn in der Grafschaft Yorkshire, zwischen Scarborough und Whitby, liegt die schönste Küste Nordenglands.

Bungee Springen an der "Transporter Bridge"

Ein bizarres Bauwerk quert den Hafen von Middlesbrough: die "Transporter Bridge", eine riesige blau lackierte Stahlkonstruktion, an der eine Schwebefähre hängt. Seit über hundert Jahren transportiert die "Gondola" Autos und Fußgänger über den Hafen. Der ehemalige Soldat Paul Tidy steuert das Gefährt über den Fluss Tee, knipst Fahrkarten und hat immer Zeit für ein kleines Schwätzchen mit seinen Passagieren. Einmal im Jahr, an einem Sonntag, ist die 50 Meter hohe Brücke Tummelplatz der Bungee-Springer. Mik Cosgrove, der Veranstalter, absolviert den ersten Sprung immer selbst. Auch nach mehr als hundert Sprüngen hat er noch ein flaues Gefühl in der Magengrube.

Anlandung von Strandkohle

Auf der anderen Seite des Hafens, in Hartlepool, sind schon morgens um sechs Steve Ross und Keith Dickson am Strand unterwegs. Sie schaufeln Seekohle auf die Ladefläche ihres zerbeulten Toyota Pickups. Durch Sturm und Gezeiten wird das "schwarze Gold" an der Küste von Yorkshire angeschwemmt. Woher die zentimeterdicken Schichten Kohlegries kommen, kann niemand ganz genau erklären. Es wird vermutet, dass es Abraum aus stillgelegten Bergwerken ist. Aber Keith, Steve und zwölf weitere "Sea Coaler" leben davon. 20 Pfund pro Wagenladung zahlt ihnen der Aufkäufer und fünf Fuhren schaffen sie am Tag.

Strandkohle und Räucherfisch

Open-Air-Konzerte in Scarborough

Im mondänen Badeort Scarborough, im Süden der Grafschaft, gibt das legendäre Scarborough Spa Orchestra seit 1912 Open-Air-Konzerte. Die Auftritte des letzten professionellen Seaside Orchesters fordern selbst die erfahrenen Musiker, denn durch Sonne, Seenebel und die salzhaltige Luft verstimmen sich ständig die Instrumente.

Oben im Park findet in der Hochsaison dreimal pro Woche ein ganz anderes Spektakel statt: Mit der Naval Warfare Show wird eine Seeschlacht aus dem Ersten Weltkrieg nachgespielt, England gegen Deutschland. Trevor Franklin ist seit über 20 Jahren Spielleiter des martialischen Unterfangens, bei dem Flugzeugträger, Fregatten und Tanker aufeinander losgehen. Auch Trevor Franklin zwängt sich als "Kapitän" in den schlanken Rumpf eines Zerstörers. Der wurde auch nach ihm benannt: HMS "Franklin".

Fossiliensuche an der Dinosaurierküste

Mike Marshall hat seine Werkstatt in Sandsend, einem lauschigen Badeörtchen an der Dinosaurierküste. Wasser und Wind setzen den 80 Meter hohen Klippen tagein, tagaus zu. Nach jedem Sturm bröckelt wieder etwas ab. Mit Rucksack, Hammer und Meißel sucht Mike nach Fossilien - nach versteinerten Pflanzen, bizarren Meereslebewesen aus dem Urzeit-Ozean. Sogar Saurierzähne und Knochen lassen sich hier finden - stumme Zeugen einer vergangenen Welt, gut 200 Millionen Jahre alt. Besonders wertvoll ist der sogenannte Whitby Jet, schon für Queen Victoria wurde daraus Schmuck designt.

Karte: Nordseeküste Englands
Redaktionsleiter/in
Ralf Quibeldey
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg
Redaktion
Christian Kossin

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