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Das Meer der Anden - Menschen am Titicacasee

Mittwoch, 14. Februar 2018, 13:15 bis 14:00 Uhr

Schneebedeckte Berggipfel spiegeln sich im Titicacasee. Er liegt auf 4.000 Meter Höhe und ist damit der höchste schiffbare Binnensee der Welt. Ausgerechnet hier, mitten in den Anden, trainiert die bolivianische Marine für den "Tag des Meeres", ihr alljährliches Fest, das auf dem See gefeiert wird. Denn der Zugang zum Pazifik ging Bolivien vor über 130 Jahren im Krieg gegen Chile verloren. Seitdem ist der Titicacasee für die Bolivianer das "Ersatzmeer".

Während am Ufer Lamas weiden, drillt Boots"mann" Carla Padilla angehende Matrosen in der Kunst der Seefahrt. Am echten Meer war die hübsche junge Frau noch nie, aber für sie ist der Titicacasee wie der Ozean: "Riesengroß - und das Wasser ist sogar ein bisschen salzig."

Leben auf Schilf

Der Film taucht ein in den Alltag der Menschen rund um den Titicacasee. Indianer wohnen auf schwimmenden Inseln aus Schilf, Schamanen bieten ihre Dienste an wie zur Inkazeit und aus ganz Südamerika strömen Pilger in den Wallfahrtsort Copacabana, um ihre Autos segnen zu lassen.

Homar Lujano ist einer der Indianer, die traditionell auf dem Wasser leben. Alle zehn Tage muss er mit seiner Frau Gloria den schwimmenden Untergrund seiner Hütte erneuern, denn die künstliche Insel besteht ganz aus Schilf. Mit seinem Holzkahn mit Außenbordmotor versorgt Homar die schwimmende Gemeinde mit Lebensmitteln und Obst. Sein größter Abnehmer: die Schule. Hier toben die Kinder auf einem ebenfalls schwimmenden Schulhof. Dabei müssen sie aufpassen, dass sie durch das Schilf nicht ins eiskalte Wasser einsacken.

Leben von und mit dem See

Ein harter Job zum Überleben

Die 35-jährige Eugenia Paje lebt mit ihren zwei kleinen Kindern an Land. Als ihr Mann starb, der ein kleines Lkw-Unternehmen hatte, setzte sie sich selbst ans Steuer. Täglich muss sie den Titicacasee mit einem der beiden schweren Lkws auf einer kippligen Holzfähre überqueren. Schon häufig sind die Fähren mitsamt ihrer Ladung gekentert. Doch trotz der tückischen Wellen: Sie freut sich über ihren neuen Job. Und ein Leben ohne den Titicacasee könnte sie sich nicht vorstellen. Sie liebt ihr "Meer der Anden".

Der Riesenfrosch im Titicacasee

Die Biologin Veronica Flores hat eine Leidenschaft: Sie erforscht den Titicacasee-Riesenfrosch. Dazu muss sie auf den Grund des eiskalten Sees tauchen. Gar nicht so leicht, denn wegen der dünnen Luft zählt jeder Meter unter Wasser doppelt. Wegen der vielen nicht markierten Fischernetze wagt sie sich nur in Begleitung erfahrener Marinetaucher in den See. Das NDR Team begleitet sie auf einem ihrer gefährlichen Tauchgänge.

Segnungen für Autos

Auch Autofahrer am Titicacasee leben gefährlich: Bezogen auf die Bevölkerung gibt es in Bolivien 20-mal mehr Unfalltote als in Deutschland. Abhilfe schaffen soll Franziskanerpater Renée Vargas. Gegen eine kleine Spende segnet er die Autos der Pilger, die am Wochenende in seine Kirche kommen. Seine Säulenheilige, die heilige Jungfrau von Copacabana, ist nämlich die Schutzpatronin der Autofahrer. Einen TÜV hingegen gibt es nicht.

Rituale eines Schamanen

Zacharias Callisaya versteht sich ebenfalls auf höhere Mächte: Der Schamane hält den Kontakt zur Pachamama, der Urmutter der Indianer. Länder Menschen Abenteuer ist dabei, wie er im Auftrag eines Fischers eine Opferzeremonie abhält. Für ihn und die Einwohner der Mondinsel eine Premiere: Noch nie haben sie ein Kamerateam bei ihrem geheimen Ritual zugucken lassen.

Autor/in
Manfred Uhlig
Kamera
Reiner Bauer
Schnitt
Fabian Teichmann
Redaktion
Kathrin Bronnert
Ralf Quibeldey
Großpietsch, Timo