Klosterküche - Kochen mit Leib und Seele (41)

Moin und Namasté im Emsland

Sonntag, 25. Juli 2021, 16:00 bis 16:30 Uhr
Montag, 26. Juli 2021, 06:50 bis 07:20 Uhr

Was bringt indische Ordensbrüder dazu, nach Norddeutschland zu ziehen? Wer im Internet das Stichwort indische Mönche eingibt, findet vor allem Bilder von Hindus in orangefarbenen Gewändern und mit Turbanen. Die indischen Ordensbrüder, die Annette Behnken in deren Kloster im Emsland besucht, entsprechen dieser Vorstellung aber ganz und gar nicht.

Eine kleine Minderheit in Indien

Indische Klosterköche: Franziskaner-Patres Prassad, Vijay, Nijil, Baikim, Arun beim Outdoor-Kochen. © NDR/Cornelius Kob
Indische Klosterköche: Franziskaner-Patres Prassad, Vijay, Nijil, Baikim, Arun beim Outdoor-Kochen.

Diese Geistlichen gehören einer kleinen Minderheit in Indien an, sie sind katholische Christen! Genauer gesagt: Sie gehören dem Franziskaner-Orden an. Einer von ihnen ist Pater Vijay. Er erzählt, wie er als Erster in seinem Heimatort zum Priester geweiht wurde. Es gab ein großes Fest mit mehr als 1000 Gästen, die alle von seiner Familie bekocht wurden. Danach ging er von zu Hause fort, lebte zwei Jahre lang in Sri Lanka, wurde nach mehreren Stationen in Indien schließlich nach Europa versetzt. Ins Kloster Ahmsen im Emsland.

In diesem Kloster lebt auch Pater Arun. Als er seinen Eltern von seinen Zukunftsplänen als Priester erzählte, erntete er keine Begeisterung. Als jüngster Sohn sei er traditionell für die Versorgung der Eltern zuständig, fand sein Vater, der als Fischer an der Südspitze Indiens lebt. Aber Pater Arun blieb bei seinem Entschluss. Auch er "tourte" durch verschiedene Gemeinden, war in England und Belgien, bevor er ins Emsland kam. Für Franziskaner ist es normal, immer wieder an einen neuen Ort zu ziehen.

Alles ist fremd im Emsland

Gebetsstunde in der Hauskapelle der Franziskaner im Kloster Ahmsen. © NDR/Cornelius Kob
Gebetsstunde in der Hauskapelle der Franziskaner im Kloster Ahmsen.

Aber wie geht es den Männern aus Südindien im Emsland? Vom Wetter werden sie hier jedenfalls nicht verwöhnt. Und auch Sprache und Mentalität sind fremd. Moin als Standardbegrüßung haben alle fünf aber schon drauf. Das haben sie nicht in ihrem dreimonatigen Deutschkurs gelernt.

Und was sagen die Emsländer? Wie reagieren sie, wenn kein Pfarrer, den sie schon von Jugend an kennen, auf der Kanzel steht? Sondern ein dunkelhäutiger Mann, der auch neue Sitten und Gebräuche einführt?

Die unterschiedlichen Religionen ergänzen sich

Vor etwa 500 Jahren kolonisierten vor allem die Portugiesen den indischen Subkontinent. Sie zwangen den Menschen ihren katholischen Glauben auf, Mission wurde das damals genannt. Nun gehört diese Religion mit zur indischen Kultur. "Bei indischen Beerdigungen haben die Menschen aber nicht so viel Schwarz an wie hier", sagt Pater Arun. Die unterschiedlichen Religionen in seiner Heimat färben aufeinander ab. So würde er gerne auch einiges hier einfließen lassen, zum Beispiel von hinduistischen Ideen, soweit es nicht seinem eigenen Glauben widerspricht.

Indische Kochstunde: Annette Behnken im Gespräch mit Pater Arun und Pater Vijay. © NDR/Cornelius Kob
Indische Kochstunde: Annette Behnken im Gespräch mit Pater Arun und Pater Vijay.

So bringen die indischen Patres einen anderen katholischen Glauben nach Europa zurück, als ihn die Portugiesen nach Indien gebracht hatten. Eine Art umgekehrte Mission. Aber friedlich. Und mit sehr viel Humor und indischer Fröhlichkeit.

Das stellt Annette Behnken auch beim gemeinsamen Kochen fest. Es gibt ein traditionelles indisches Biryani. "Aber mild", versichert ihr Pater Vijay. Das sei eine große Umstellung. Denn "wenn die Leute hier es scharf finden, finden wir es noch zu lasch."

Regie
Cornelius Kob
Redaktion
Gabi Bauer
Produktionsleiter/in
Anja Reingold