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Interview mit Johannes Schlüter

Herr, äh Schlüter - wie heißen Sie denn heute?

Jesko Friedrich, Foto: Christian Spielmann © Christian Spielmann Foto: Christian Spielmann
Dr. Jesko Friedrich ist Johannes Schlüter - und all die anderen gleich mit.

Johannes Schlüter. Und natürlich Gabriele Schlüter. Wo ist denn eigentlich der Reporter, der sonst immer kommt, dieser Herr Kaupp? Ist der krank?

Wie lebt es sich mit so einer extremen multiplen Persönlichkeit? Sind Sie morgens der Verbrennflaggenproduzent Achmed Schlüter und mittags der Bush-Pilot?

Nö. Meine Berufe dauern immer eine Woche, und zwar genau bis Donnerstag (23:00 Uhr). Jetzt könnten wir aber langsam mal auf nackte Frauen zu sprechen kommen, zumindest stand da doch so was in der Überschrift - oder war das nur ein mieser Trick, um meine Aufmerksamkeit zu bekommen?

Macht Ihr Beruf nicht auch den Kontakt zu Frauen besonders schwer? Ich meine: man schläft vielleicht mit dem CEO-Artdirector ein, wacht dann aber mit dem Neandertaler auf....

Nur wenn man Donnerstag Abend mit dem CEO-Artdirector ins Bett geht. Alle anderen Abende sind sicher. Also, kleiner Tipp an alle nackten Frauen: Hugh-Greene-Weg 1, 22529 Hamburg, 3x Klingeln.

Wann hat das alles angefangen? Waren sie schon in der Wiege so gespalten?

Quatsch. Natürlich. Vielleicht.

Wovon hängt der jeweilige Persönlichkeitswechsel ab, gibt es Schlüsselreize?

Der Blick auf die aktuelle Nachrichtenlage. Ich stelle fest, wo in der jeweiligen Woche die wichtigen Entscheidungen, Versammlungen und Katastrophen stattfinden, und genau dort arbeite ich dann seit Jahren.

Was, wenn plötzlich zwei Schlüters gleichzeitig in Erscheinung treten wollen?

Mehr Arbeit für Kostümabteilung und Maske. Und dann ab in den Splitscreen.

Gibt es etwas, dass Sie alle gemeinsam haben?

In uns allen steckt ein kleiner, unterbezahlter NDR-Mitarbeiter, der sich nicht jede Woche einen neuen Schauspieler leisten kann - dem das alles aber auch ein bisschen Spaß macht.

Ist Ihnen denn in all den Jahren eine Ihrer, ähm, Persönlichkeitsausformungen besonders ans Herz gewachsen?

Der verrückte Regisseur mit den schiefen Zähnen. Der kann rumblöken und Leute anschnauzen, wie es ihm passt, und keiner erwartet etwas anderes von ihm. Sehr erfrischend, wenn man sonst immer selber angeschnauzt wird. Oh, Entschuldigung, Telefon. Ja, hallo? Schlüter hier? Oh ja, natürlich, Chef. Natürlich. Ja. Verstehe. Keine nackten Frauen. Ja. Ganz Ihrer Meinung, Chef. Ja. Wiederhören.

Haben Sie Angst vor Exorzisten?

Nö, wahrscheinlich bin ich nächste Woche selber einer.

Und wer bezahlt eigentlich Ihre Therapie?

Welche Therapie? Sie meinen wohl, ich bin eine gespaltene Persönlichkeit oder wie? Bin ich aber nicht.

Ich auch nicht.

Und ich schon gar nicht.

Herr Schlüter und Herr Schlüter und natürlich Frau Schlüter - wir danken Ihnen allen für das Gespräch.