Die Ernährungskünstler

Essen ohne Geld

Freitag, 22. Juni 2018, 21:15 bis 21:45 Uhr
Samstag, 23. Juni 2018, 08:30 bis 09:00 Uhr

Student René steht auf dem Fischmark in Hamburg und hält einen mit Obst gefüllten Korb in die Kamera. © NDR/Ute Jurkovics, honorarfrei

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Was tun, wenn das Geld nicht für regelmäßige Einkäufe im Supermarkt reicht? Anne-Dore R. ist erfinderisch. Sie sammelt Nüsse, Kräuter, Beeren und andere essbare Früchte. Dabei lebt die alleinerziehende Mutter nicht auf dem Land, sondern mitten in der Stadt. Im Winter, wenn es in den Grünanlagen nichts zu ernten gibt, kauft sie Kohl im Sonderangebot und füllt kiloweise Gläser mit Kimchi ab. Das koreanische Krautgericht hält sich monatelang und füllt den Magen, wenn der Kühlschrank leer ist. Anne-Dore R. will zurück zur Natur, zur Vorratshaltung und zu Großmutters Rezepten. Sie glaubt, dass sie so nicht nur preiswerter, sondern auch gesünder lebt.

  • Lebensmittel im Müll - die Zahlen

    Laut Bundeslandwirtschaftsministerium schmeißt jeder Deutsche im Schnitt 82 Kilogramm Lebensmittel im Jahr in die Tonne, obwohl das meiste davon noch genießbar wäre. Die Menge entspricht etwa zwei vollgepackten Einkaufswagen.

  • Lebensmittel im Müll - die Zahlen

    Das weggeworfene Essen eines jeden Bürgers hat einen Gegenwert von durchschnittlich 235 Euro - jedes Jahr. Hochgerechnet auf die Bevölkerung Deutschlands, ergibt sich daraus eine Summe von knapp 20 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz von Aldi lag 2017 bei rund 30 Milliarden Euro.

  • Lebensmittel im Müll - die Zahlen

    Laut Bundeslandwirtschaftsministerium ist knapp die Hälfte des weggeworfenen Essens Obst und Gemüse. Auf Platz zwei stehen Teigwaren wie Brot und Nudeln - sie machen 20 Prozent der Essensabfälle aus.

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Foosharing: Lebensmittel vor dem Wegschmeißen "retten"

René ist Student und muss ebenfalls mit wenig Geld auskommen. Er nutzt ein Verteilersystem im Internet: Foodsharing. Die "Lebensmittelretter", wie sich die Mitstreiter der Initiative nennen, holen Waren von Läden ab, die sonst weggeworfen würden, und stellen sie kostenlos zur Verfügung. René geht es dabei auch ums Prinzip: "Was man noch essen kann, gehört einfach nicht in den Müll."

Armut trifft auf Überfluss

Grundsicherung reicht kaum aus

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Gleichzeitig gibt es Menschen, die nicht genug zu essen haben. Tina R. ist Frührentnerin und bekommt Grundsicherung vom Staat. Vor allem am Monatsende hat sie kaum noch Geld. Doch die Hamburgerin weiß sich zu helfen. Regelmäßig sucht sie die Biotonnen von Discountern nach Produkten ab, die noch brauchbar sind. "Containern" nennt sie das. Kartoffeln, Möhren, Fertiggerichte oder Aufschnitt fischt Tina R. aus dem Müll. Theoretisch ist das Diebstahl. Doch die Rentnerin hält es für das weitaus größere Unrecht, Essbares wegzuwerfen.

Gesetz verbietet Wegschmeißen

Tina R. nutzt außerdem das Angebot eines Unternehmers im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel, der jeden Abend nach Ladenschluss unverkäufliche Waren herausgibt. "Götterspeise" nennt sich diese Essensausgabe. Tina wünscht sich, dass sie Schule macht und mehr Lebensmittel verbraucht statt weggeschmissen werden. In Frankreich sorgt dafür jetzt ein Gesetz. Es verbietet großen Supermärkten und Händlern, Waren zu vernichten, die man noch essen kann.

Ute Jurkovics hat die drei Ernährungskünstler für diese NDR Reportage mit einem Kamerateam begleitet.

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Autor/in
Ute Jurkovics
Redaktion
Julia Saldenholz
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke