die nordstory - Wolle for future

die nordstory - Wolle for future - Wie das Pommernschaf die Modewelt umkrempelt

Donnerstag, 06. Mai 2021, 15:00 bis 16:00 Uhr

Nach der Wende haben die Schafhalter die Wolle von ihren Schafen auf den Mist geworfen. Es gab kein Geld mehr dafür, und das von heute auf morgen.

"De griese Schop" nennt man es seit Urzeiten: das graue Schaf. © NDR/underDok
"De griese Schop" nennt man es seit Urzeiten: das graue Schaf.

Marktwirtschaft und Globalisierung erreichten schnell auch Rügen, wo das Pommernschaf seit Jahrtausenden allen Witterungen trotzt. Und wo es zum Bild einer Landschaft gehört wie die roten Segel der Zeesboote, die früher aus der wasserabweisenden Pommernwolle gemacht worden sind.

Heimische Wolle statt Mineralöl aus Fernost

Marco Scheel glaubt nicht an den Werteverfall. Schon als kleiner Junge hat er auf Rügen im Stall von Hobbyzüchter Eyke Albrecht geholfen. Nach seinem Studium gründete er mit 1.500 Euro erspartem Startkapital eine kleine Firma, um der Welt zu beweisen, dass die besten Rohstoffe vor der Haustür liegen.

Qualitätskontrolle beim Schäfer Frank Westphal auf der Halbinsel Mönchgut. © NDR/underDok
Marco Scheel begutachtet die Wolle beim Schäfer Frank Westphal.

Pommernwolle für Jacken, die der Witterung trotzen, statt Outdoorkleidung aus Mineralöl made in Fernost. Auf Ökomärkten beginnt Marco Scheel, die Wetterjacken anzubieten, dann online, schnell spricht sich diese ehrliche chemiefreie Jacke herum, "made in Germany" steht nicht nur auf dem Schild.

Ohne Businessplan und Bankkredite erfolgreich

Ohne Businessplan und Bankkredite bringt Scheel sein kleines Unternehmen auch online in Fahrt, Extremsportler Arved Fuchs und die Rudernationalmannschaft sind überzeugte Träger der Jacke.

Jetzt tüftelt Marco Scheel an einer weiteren Ausführung: Steppjacken so leicht wie Daunenjacken, die man am Ende ihres Lebens auf den Kompost werfen kann. Damit "Wolle for future" so richtig salonfähig wird.

Autor/in
Anne Gänsicke
Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke