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Norddeutsche Unternehmer in der Krise

Montag, 31. August 2020, 22:00 bis 22:45 Uhr

Die Coronakrise hält Deutschlands Wirtschaft fest im Griff. Der Einzelhandel sowie kleine Betriebe bangen um ihre Existenz, die Industrieproduktion sinkt auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Der Inlandstourismus kommt zeitweise fast komplett zum Erliegen, das Gastgewerbe kämpft nach Einschätzung des Branchenverbandes DEHOGA (Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e. V.) ums Überleben. Etliche Ökonominnen und Ökonomen rechnen für das Gesamtjahr mit einem deutlichen Anstieg der Firmenpleiten.

Die Autorinnen haben drei Unternehmerinnen und Unternehmer aus Norddeutschland in dieser dramatischen Zeit mit der Kamera begleitet. Fünf Monate lang, seit Beginn der Corona-Beschränkungen, haben sie sie immer wieder getroffen.

Verzweifelter Kampf um den eigenen Betrieb

Daniela Beckmann ist Blumenhändlerin in Hamburg. Sie hat erst Ende Februar 2020 ihren neuen Laden im Stadtteil Iserbrook eröffnet. Zwei Tage später wurden die ersten Aufträge storniert, Veranstaltungen, Feiern, alles abgesagt. Die Existenzsorgen erwischen sie eiskalt.

Jetzt müssen ihre Mutter und ihre Schwester mit Geld aushelfen, denn die zugesagte Soforthilfe für Kleinunternehmer hat sie auch nach zwei Monaten noch nicht erhalten. Sie kämpft verzweifelt um ihren kleinen Betrieb wie gerade unzählige andere in Norddeutschland. Und mit jeder Woche, in der die Beschränkungen gelten, wächst der wirtschaftliche Druck auf die Kleinunternehmerin.

Die Coronakrise bedeutet für viele Betriebe eine Vollbremsung

Sven Vogt (Mitte) ist Geschäftsführer von KKT Frölich in Osterode im Harz. © NDR/Spiegel TV
Sven Vogt (Mitte), Geschäftsführer von KKT Frölich in Osterode hofft, dass das nächste Jahr besser wird.

Auch die großen Unternehmen trifft die Krise im März mit voller Wucht. So steht die Autoindustrie wochenlang still. Das wirkt sich natürlich auch extrem auf die Autozulieferer aus. "Im März und April kam eine Katastrophennachricht nach der anderen rein", erzählt Sven Vogt. Mit seiner Firma KKT in Osterode im Harz stellt er unter anderem Kupplungselemente aus Kautschuk für die Autoindustrie her.

Die Coronakrise war auch für seinen Betrieb eine Vollbremsung. "Es war sehr mühsam an den KfW-Kredit ranzukommen, den brauchten wir aber unbedingt für unsere Liquidität." Die "Bazooka" von Bundesfinanzminister Scholz hat seiner Meinung nach Ladehemmungen. Jetzt kann Vogt nur noch aufs nächste Jahr hoffen.

Corona: Auch für den Tourismus im Norden ein GAU

Leerer Strand auf Amrum während des Lockdowns. © NDR/Spiegel TV
Leerer Strand auf Amrum während des Lockdowns.

Die Insel Amrum in Schleswig-Holstein ist Ende März wie ausgestorben. Zu dem Zeitpunkt ist sie seit Kurzem für Urlauber und Tagesgäste gesperrt. Ein Super-GAU für alle, die vom Tourismus leben. Nicole und Gunnar Hesse betreiben seit Jahren ein Traditionshotel auf Amrum.

Der Buchungskalender 2020 war bereits voll. "Nun ist alles storniert, ein Desaster", sagt Nicole Hesse. Alle Mitarbeitenden sind in Kurzarbeit gegangen. Trotz Rücklagen droht die Coronakrise ihre Existenz zu vernichten. Nur mit finanzieller Unterstützung vom Staat können sie die Krise stemmen.

Wirtschaftsprognose: Was sagen Forschende?

"Ich fürchte, diese Rezession wird die Mutter aller Rezessionen", sagt Gabriel Felbermayr schon im März. Viel spricht dafür, dass der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel Recht behält. Auch das Forschungszentrum ist im Ausnahmezustand: Hier wird an entscheidenden Fragen gearbeitet: Wie hart wird die norddeutsche Wirtschaft von der Krise getroffen? Und helfen die milliardenschweren staatlichen Hilfspakete den Unternehmen überhaupt?

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