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Hamburg im Ausnahmezustand

Montag, 04. Mai 2020, 23:35 bis 00:05 Uhr

Hamburg im Frühling 2020. Von heute auf morgen ist die Welt eine andere. "Bleiben Sie zu Hause" war und ist in der Corona-Krise das Gebot der Stunde. Ob reich oder arm, jung oder alt, allein oder in der Familie - es gilt für alle Menschen in Norddeutschland. Die sonst so belebte Mönckebergstraße, U-Bahnen und Busse ein Stillleben, der Himmel ohne Flugzeuge und am Hauptbahnhof bewegten sich überwiegend Tauben. Diese Bilder werden in die in die Geschichte des Nordens eingehen.

Wie geht es den Menschen?

Shutdown und Maskenpflicht beherrschen uns und die Welt, um die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 einzudämmen. Wie geht es den Menschen in ihren Wohnzimmern? Wie geht es der Kriegsgeneration und den Schülern? Was bedeutet es, das Geld im Homeoffice zu verdienen und den Abend auf dem Balkon oder mit dem Blick aus dem Fenster zu verbringen? Und wie etwa sieht eine sonst so quirlige Stadt wie Hamburg aus, wenn auf einmal die Menschen von den öffentlichen Plätzen verschwinden?

"Wir werden auch das überleben"

Frau Schott sitzt zu Hause auf ihrem Sofa und strickt. © NDR
Frau Schott ist 90 Jahre alt. Sie verlässt in Zeiten von Corona nicht mehr das Haus.

"Das tut den jungen Leuten mal ganz gut, ein bisschen runterzufahren", sagt die über 90 Jahre alte Erika Schott, während sie wie jeden Morgen um acht ihr Marmeladenbrötchen isst. "Wir haben schon vieles überstanden, wir werden auch das überleben". Dem 14-jährigen Willi fällt das schwer. Er schreibt in sein Quarantäne-Tagebuch: "Ich fühle mich unproduktiv. Ich vermisse meine Freunde."

Trauer und Pragmatismus

Psychiater Klaus Dieter steht in seiner Wohnung, die voller Bilder ist. Der Nachlass seines kürzlich verstorbenen Mannes: "Momentan sieht es hier aus wie in einer Messi-Wohnung. Sein Tod bestimmt mein ganzes Empfinden - mit Corona oder ohne. Es ist hart, keine Ablenkung mehr zu haben. Keine Kultur, kein Theater."

Musik-Promoter Niels ist im Homeoffice auf St. Pauli und war vier Tage nicht mehr vor der Tür. Seine Maske hat er noch vom letzten Bangkok-Urlaub: "Ich gehe hier nicht raus. Ich will nicht auf der Intensivstation enden und ich will auch nicht, dass Menschen dort liegen, die ich gerne habe." Derzeit tröstet er sich mit der neuen Ozzy-Osbourne-Platte.

Geflüchtete kommen schwer an Hilfe

Schneider näht Masken. © NDR
Ramesh Mamoudi ist Schneider und Textilreiniger. Nun näht er Gesichtsmasken.

Der 13-jährige Ares ist mit seinen beiden Schwestern aus Afghanistan geflüchtet. Er weiß nicht mal, ob seine Familie zu Hause noch lebt. Als Asylsuchender bekommt er Post von der Ausländerbehörde, die er kaum übersetzen kann. "Vor Corona war es einfacher, an Hilfe zu kommen. Zum Beispiel durch Sozialarbeiter, die uns halfen, die Briefe in diesem Amtsdeutsch zu verstehen. Nun versuchen wir, die Menschen telefonisch zu erreichen, was komplizierter ist."

Die frühere Bäckerin Heinke backt jeden Abend einen Marmorkuchen für "ihre Nachbarn, die keinen sehen, die nicht viel Geld haben. Den Menschen eine Freude machen, daran halte ich mich, so bleibt man fit in dieser Zeit."

Ein Protokoll der ersten Monate

Die Dokumentarfilmer Timo Großpietsch und Christian von Brockhausen haben die ersten Wochen dieser Ausnahmezeit mit ihrer Kamera dokumentiert. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen schufen sie eindringliche Bilder und porträtierten die Menschen in ihren Wohnzimmern. So entstand das Protokoll einer Stadt und ihrer Menschen in den ersten Monaten der Corona-Krise.

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Autor/in
Timo Großpietsch
Christian von Brockhausen
Redaktion
Christoph Mestmacher
Produktionsleiter/in
Bettina Wieselhuber