Blasmusik trifft Heavy Metal

Das Wacken Open Air Festival

Sonntag, 20. Juni 2021, 00:20 bis 01:15 Uhr

Wenn der Kirchenchor "Großer Gott, wir loben Dich" anstimmt, ertönt ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt auf der Black-Metal-Stage ein lautes Grollen. Einmal im Jahr, am ersten Wochenende im August, dominieren die Heavy-Metal-Fans das kleine schleswig-holsteinische Dorf Wacken und es ist vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit, die sonst das Leben in der 2.000-Seelen-Gemeinde prägen.

Ein Wallfahrtsort für Metal-Fans

Angefangen hat alles 1990 mit ein paar Hundert "Headbangern". In den darauffolgenden Jahren kamen ein paar Tausend. Mittlerweile ist das Wacken-Open-Air-Festival mit weit über 40.000 Metallern aus aller Welt so etwas wie ein Wallfahrtsort geworden. Und bei den Wackenern selbst schwingt so etwas wie Stolz mit, dass ihr Dorf zumindest für diese Szene das spirituelle Zentrum der Welt ist.

Minipli trifft auf Nietenhalsbänder

Der kulturelle Unterschied zwischen den Einwohner*innen von Wacken und den aus der ganzen Welt nach Schleswig-Holstein angereisten Heavy-Metal-Fans kann bei oberflächlicher Betrachtung nicht größer sein. Hier Spitzenblusen, goldene Kruzifixe, Minipli-Löckchen und dunkle Einreiher, da schwarze Lederhosen, Patronengürtel, Nietenhalsbänder, tätowierte Teufel und schulterlange Haare.

Einmal im Jahr steht das Dorfleben Kopf

Da ist Bauer Trede, der sich neben der traditionellen Landwirtschaft mit einer Biogasanlage, mit Aktiengeschäften und der Verpachtung der Festival-Wiesen sein Einkommen sichert und jedes Jahr 150 Ordner*innen und Helfende für das Festival koordiniert.

Da ist Norbert, Mitbegründer des Festivals, wurde dann arbeitslos. Er geht nur noch als Gast auf das Festival und bedauert inzwischen seinen Ausstieg. Für die Teenagerin Ann-Kathrin ist das Festival nahezu die einzige Möglichkeit, einmal im Jahr aus der Enge des Dorflebens auszubrechen und mit Leuten aus aller Welt zu feiern. Ihre Großmutter Irma hält hingegen nichts vom Wacken-Open-Air und der schauerlichen Musik, den Teufelsanbetungen und blutigen Ritualen, von denen man sich erzählt. Auf dem Festival war sie allerdings selbst noch nie.

Redaktion
Sylvia Nagel
Redaktionsleiter/in
Ulrike Dotzer
Autor/in
Suzy Wong
Regie
Suzy Wong
Kamera
Marcus Winterbauer
Ton
Bernd von Bassewitz
Produktionsleiter/in
Wolfgang Kramer
Nicole Deblaere