Ein Foto erzählt Geschichte

Domenica und die Suche nach Liebe

Montag, 17. Juli 2017, 23:30 bis 00:15 Uhr
Freitag, 21. Juli 2017, 02:00 bis 02:45 Uhr

Keine Prostituierte ist so oft fotografiert worden wie Domenica, die Hamburger "Hure mit Herz". Doch es gibt ein Foto, das ihr ganzes Leben zu erzählen scheint - das Lieblingsbild ihres Freundes, des St.-Pauli-Fotografen Günter Zint. Es zeigt Domenica Niehoff als die "beschädigte Schönheit", als die sie eine Freundin empfand.

Ein Foto, das ein bewegtes Leben spiegelt, das zum ersten Mal Thema einer umfassenden Dokumentation ist. Ausgehend von dem Foto und weiteren, unbekannten Aufnahmen und Dokumenten erzählt "Domenica und die Suche nach Liebe" ein Leben und eine Epoche, in der sich alles um die Liebe dreht.

Eine aufwendig recherchierte Dokumentation

"Domenica und die Suche nach Liebe" ist Auftakt zu einer neuen historischen Reihe des NDR. In aufwändig recherchierten und hochwertig gefilmten Dokumentationen präsentiert "Ein Foto erzählt Geschichte" die Story hinter berühmten und zeittypischen Fotos, die ein Schlaglicht auf ein einschneidendes Ereignis werfen oder Momente unserer gemeinsamen norddeutschen Geschichte erhellen.

Eine Prostituierte als Liebling der Society - das war bis Anfang der achtziger Jahre undenkbar. Doch dann kam Domenica. Die "Hure mit Herz" war anders, als sich die breite Öffentlichkeit das Rotlicht vorstellte: Laut, offensiv, einfühlsam und stolz auf ihr Leben.

Domenica - Bilder aus ihrem Leben

Günter Zint begleitete Domenica 30 Jahre

Günter Zint begleitete Domenica 30 Jahre lang mit seiner Fotokamera. Niemand kam der "Hure" dabei so nahe wie er. Bis zu diesem Film war die Akte Domenicas aus dem Kölner Waisenhaus, wo sie aufwuchs, unter Verschluss. Die Berichte werfen ein Schlaglicht auf eine schwierige Kindheit. Ihre deutsche Mutter ist spielsüchtig, ihr italienischer Vater gewalttätig. Ihr erster Mann ist ein Kölner Bordellbesitzer, 25 Jahre älter als die 17-Jährige, der ihr ein Leben in Saus und Braus bietet, bis er sich nach einem Schicksalsschlag in der gemeinsamen Wohnung erschießt.

Einstieg in die Prostitution

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Für den Hamburger Zuhälter und Kneipenwirt Hanne Kleine ging Domenica jahrelang in einem Großbordell auf der Reeperbahn anschaffen.

Domenica will auf ihr Luxusleben nicht verzichten und steigt Anfang der 1970er-Jahre in die Prostitution ein. "Ich bin nicht hineingeschubst worden ins Leben, ich bin freiwillig gegangen." Als sie dann den Hamburger Zuhälter und Kneipenwirt Hanne Kleine kennenlernt und sich in den verheirateten Mann verliebt, geht sie für ihn in einem Großbordell auf der Reeperbahn jede Nacht bis 4 Uhr morgens anschaffen und gibt ihm das Geld ihrer Freier.

Domenica wird die Attraktion des Hamburger Rotlichts

"Ich dachte, eine liebende Frau muss alles tun. Ich wollte ihm so meine Liebe beweisen." Doch Domenica, sehr verbittert darüber, dass sie immer nur die ausgebeutete Zweitfrau war, gelingt der Absprung. Sie macht sich in der Herbertstraße 7b selbstständig. Domenica mit freizügigem Dekolleté im Fenster ihres Studios - sie ist die Attraktion des Hamburger Rotlichts. Die Freier stehen bei ihr Schlange und bald wird sie auch von Künstlern, Literaten und Filmemachern besungen und als Muse verehrt.

Domenica erlangt bundesweit Berühmtheit

Anfang der 1980er-Jahre erlangt Domenica bundesweit Berühmtheit, weil sie sich in Talkshows als Hure bekennt und sich als eine der Ersten für die Legalisierung der Prostitution einsetzt. Sie steigt 1991 aus, engagiert sich als Streetworkerin, eröffnet eine Kneipe, zieht sogar kurzzeitig aus Hamburg weg - doch es zieht sie auf den Kiez zurück. Nach ihrem Tod 2011 findet Zint in ihrem Nachlass Tausende von Briefen, Fotos und Domenicas unveröffentlichtes Tagebuch, aus dem der Film erstmals zitiert.

Produktionsleiter/in
Daniel Buresch
Redaktionsleiter/in
Eric Friedler
Redaktion
Marc Brasse
Autor/in
Dr. Jobst Thomas
Regie
Dr. Jobst Thomas