Stand: 23.07.2020 08:37 Uhr

Musicals in Hamburg: Start im September "undenkbar"

Wann gehen Musicals in Hamburg wieder los? Publikum, Darstellerinnen und Darsteller, Theater-Mitarbeitende, Hoteliers, Barkassen-Uunternehmerinnen und -unternehmer - die Liste derjenigen, die auf einen Neustart hoffen, ist lang. Den Start bis September hinzubekommen, sei "undenkbar", betont Stephan Jaekel von Stage Entertainment. Im Austausch mit den Behörden sei man dazu fast täglich und erarbeite neue Konzepte.

Freitag, der 13. März 2020: Das Datum, an dem die Musical-Theater wegen der Corona-Krise schließen mussten, werden sie bei Stage Entertainment nicht vergessen. Das Unternehmen betreibt in Hamburg vier Musical-Theater: das Operettenhaus, das Theater Neue Flora, das Theater im Hafen und das Theater an der Elbe. Darstellerin Maricel gehört zum Ensemble von Pretty Woman: "Am Anfang dachte man noch, so schlimm wird es schon nicht sein. Dann wurden aus den Tagen plötzlich Wochen und Monate." Zunächst, sagt Stephan Jaekel von Stage Entertainment, war die Hoffnung da, dass es im September wieder losgehen kann: "Das deckte sich mit den ersten politischen Ausssagen bezüglich der Großveranstaltungen." Mittlerweile ist klar: Aus einem Musical-Neustart zum 1. September wird nichts. "Das ist undenkbar", sagt Jaekel.

Musicaldarsteller Gino Emnes. © NDR Foto: Petra Volquardsen
Musicaldarsteller Gino Emnes hat bereits in Rocky, Kinky Boots und zuletzt im Tina Turner Musical mitgespielt.
Gino Emnes: Kurzarbeit auch "Ruhe für den Körper"

Darsteller Gino Emnes, der schon bei Rocky, Kinky Boots und zuletzt beim Tina-Turner-Musical dabei war, versucht, das beste draus zu machen. "Ich konnte meinem Körper schließlich etwas Ruhe gönnen." Manchmal sei Kurzarbeit auch ein Segen, sagt er. So verdiene er zwar weniger als sonst - aber ausreichend, um die eigene Miete zu zahlen.

Kritik der Kunden an Umbuchungen

Unter anderem in den sozialen Netzwerken gibt es immer wieder Kritik am Kundenservice von Stage Entertainment. So seien Kunden oft erst spät informiert worden, die Hotline sei schwer erreichbar. Stephan Jaekel bittet dafür um Verständnis: "Wir sprechen über eine Größenordnung von mehr als einer halben Millionen Kundenkontakte. Es ist ein komplexes Thema, auch aufgrund der unterschiedlichen Buchungswege." Kunden, die Karten für ausgefallene Vorstellungen hatten, bekämen einen Gutschein und könnten aus allen Shows von Stage Entertainment auswählen. Wer jetzt ein Ticket buche, könne später jederzeit und ohne Angabe von Gründen umbuchen.

Sicherheitsabstand: Auf Bühne nicht umsetzbar

Hinter den Kulissen wird derweil ununterbrochen an Konzepten für den Neustart gearbeitet. Fast täglich sei man hier im Austausch mit den Behörden, betont Stephan Jaekel. Natürlich könne man davon ausgehen, dass sie erstmal nur vor wenigen Zuschauern spielen dürfen. "Unsere Idee ist, so weit wie möglich Besucherströme zu entzerren." Dafür würden sie hier die Theater vor den Shows früher öffnen und die Pausen verlängern. "Wir würden segmentierte Bereiche in den Foyers haben und wir würden im Saal auf Abstand setzen." Auf der Bühne sei es jedoch nicht möglich, die Sicherheitsabstände von eineinhalb Meter einzuhalten. "Die Show ist die Show, die können wir nicht anfassen", sagt Jaekel. Deshalb konzentriere man sich darauf, für entsprechende Belüftung zu sorgen. Auch regelmäßige Corona-Tests sollten für Sicherheit sorgen.

Musicaldarstellerinnen und -darsteller beim Unplugged-Konzert im Hamburger Operettenhaus. © Stage Entertainment Foto: Morris Mac Matzen
Musicaldarstellerinnen und -darsteller beim Unplugged-Konzert im Hamburger Operettenhaus.
Eiskönigin und Wicked: Premieren 2021 noch im Plan

Zwei geplante Premieren im März und Mai - die Eiskönigin und Wicked - seien, so hofft Stephan Jaekel , nicht in Gefahr. Allerdings: Die Cirque-du-Soleil-Show "Paramour", die ohnehin nur noch bis September gelaufen wäre, werde definitiv nicht mehr zurück auf die Bühne kommen. "Denn dort wäre der erforderliche Probenvorlauf so intensiv aufgrund der akrobatischen Nummern, dass wir jetzt starten müssten und diese Genehmigung haben wir nicht bekommen." Höchstwahrscheinlich werde man zunächst in einem Musical-Theater wieder starten, im Theater an der Elbe. Und zwar als Generalprobe, um das Konzept zu testen.

Hoffen auf Neustart im Herbst

Ab dem "Go" seitens der Behörden brauche man hier noch knapp einen Monat lang Zeit bis zum Neustart. "Wir hoffen sehr, dass das in diesem Herbst der Fall ist." Maricel, Gino Emnes und einige andere Darstellerinnen und Darsteller standen gerade zum allerersten Mal wieder auf der Bühne im Operettenhaus, allerdings ohne Publikum. Wer Tickets kauft, kann die Show als Video sehen. Normalität solle das nicht werden, findet Gino Emnes, "aber es ist mein Job als Darsteller, das Publikum trotzdem an so einem Abend alles vergessen zu lassen".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 22.07.2020 | 19:00 Uhr

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