Ein Gebetsraum in einer Moschee in Hamburg St.Georg © NDR/Peter Helling Foto: Peter Helling

Hamburger Moschegemeinden in der Corona-Krise

Sendedatum: 10.03.2021 19:30 Uhr

Viele Hamburger Moschee-Gemeinden leiden unter den Folgen der Corona-Krise. Die Gemeinden finanzieren sich anders als die christlichen Kirchen, bislang vor allem durch Spenden.

von Peter Helling

So etwas wie jetzt hat Zulhajrat Fejzulahi noch nie erlebt. Seit 38 Jahren ist er der Imam im islamisch-albanischen Kulturzentrum in St.Georg. Im Gebetstraum seiner Moschee, einer ehemaligen Tiefgarage am Kleinen Pulverteich, beten freitags auf den prächtigen roten Teppichen nur noch wenige Gläubige. "Seit der Corona-Zeit ist es halbtot. Es ist sehr schlimm. Die Moscheen erleben zurzeit die schlimmste Zeit für ihre Finanzen", sagt Fejzulahi.

Imam Ali Moschee in Uhlenhorst.  Foto: Torsten Krueger
AUDIO: 1001 Nachbarschaft: Moscheen wegen Corona in finanzieller Not (4 Min)

Spenden beim Freitagsgebet

Moscheen finanzieren sich vor allem über Spenden der Besucher beim Freitagsgebet. Aber in der Pandemie sind es statt der üblichen 500 Betenden der albanischen Moschee gerade einmal 170. Viele Ältere bleiben aus Sorge vor Ansteckung zu Hause. Weniger Menschen bedeuten weniger Einnahmen. "Das läuft nicht gut", seufzt der 71-jährige Geistliche, der auch als Gefängnisseelsorger arbeitet. Mehdi Aroui vom Vorstand der SCHURA, des Rates der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, nennt ihn den ältesten Imam Hamburgs. Die Schura will helfen. "Wir haben mehrere erfolgreiche Spendenaufrufe gemacht. Die Gemeinden konnten ihren Bedarf anmelden, und dann haben wir das Geld verteilt", sagt Aroui.

Suche nach neuen Finanzquellen

Zulhajrat Fejzulahi. © NDR/Peter Helling Foto: Peter Helling
Zulhajrat Fejzulahi ist seit 38 Jahren Imam im islamisch-albanischen Kulturzentrum in St.Georg.

Von der Stadt Hamburg können sie keine Hilfe erwarten. "Eine Moschee kann nicht gefördert werden, wir haben es versucht", sagt der Schura-Vorstand. Die Muslime suchen jetzt nach neuen Finanzierungskonzepten. "Wir müssen das so organisieren, dass die Freitagskollekte nach dem Freitagsgebet nicht die einzige Einnahmequelle ist, sondern dass Daueraufträge eingerichtet werden." Genau das mache seine albanische Gemeinde, sagt Zulhajrat Fejzulahi, seit etwa zwei Jahren. Die Gläubigen zahlen Jahresbeiträge von 132 Euro für Normalverdiendende und 72 Euro für Rentnerinnen und Rentner oder Sozialfälle: Rund 320 Mitglieder bezahlen auch. Aber diese Mitgliedsbeiträge gibt es nur bei ethnisch abgegrenzten Gemeinden wie der albanischen oder der pakistanischen, sagt Aroui. Anders verhält es sich bei den türkischen oder arabischen Gemeinden, der klaren Mehrheit.

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Dort sei die Bindung an eine bestimmte Moschee ist in der Regel nicht so stark. "Es geht nicht darum, dass man 'die eine' Moschee besucht, sondern 'dass' man die Moschee besucht", erklärt Aroui. Er wünscht sich mehr Solidarität der Hamburger Musliminnen und Muslimen mit den Moscheegemeinden in der Stadt: "Es ist auch ein Appell an die muslimischen Geschwister, die Gelder nicht irgendwohin auf dem Planeten rum zu schicken, sondern wir haben hier einen Bedarf, in Hamburg, in unseren Moscheen."

Seelsorge unter Muslimen ist gefragt

Der Bedarf an Seelsorge sei auch im zweiten Lockdown riesig, sagt der Imam. Die Aufgaben für Zulhajrat Fejzulahi: Er spendet Trost am Telefon, gibt Ratschläge, wie die Gebete zu Hause verrichtet werden, begleitet Familien bei Todesfällen. "Einige weinen am Telefon. Ich sage ihnen, sie sollen sich beruhigen. Das ist vorläufig, das geht wieder weg."

Die Imam Ali Moschee in Hamburg von außen © NDR Foto: Ana Radić
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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 10.03.2021 | 19:30 Uhr

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