50 Jahre Friedensforschung in Hamburg

Stand: 11.06.2021 11:37 Uhr

Vor 50 Jahren war die Zeit des Kalten Krieges, die Welt war geteilt in Ost und West. Vor diesem zeitgeschichtlichen Hintergrund wurde das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg gegründet.

von Susanne Röhse

Was ist eigentlich Frieden? Das sei nicht ganz so einfach, sagt Ursula Schröder, die wissenschaftliche Direktorin des Friedensforschungsinstituts. Denn Frieden sei mehr als die bloße Abwesenheit von Krieg: "Frieden ist dann erreicht, wenn Menschen ihr Leben so verfolgen können, wie sie es wollen und nicht besonderen Bedrohungen ausgesetzt sind und ihr Lebensziel verwirklichen können. Das schließt also auch grundlegende Freiheiten ein und die Möglichkeit, ein wirtschaftliches Auskommen zu haben, um ihr Leben zu führen."

Offizier wird Gründungsdirektor

Dass es in Hamburg ein Friedensforschungsinstitut gibt, verdankt die Stadt dem Philosophen Carl Friedrich von Weizsäcker. Der Professor an der Universität Hamburg hatte sich hartnäckig und erfolgreich dafür eingesetzt. Gründungsdatum des Instituts ist der 11. Juni 1971 und Gründungsdirektor wird ausgerechnet ein hoher Offizier: Wolf Graf von Baudissin. Dieser schlägt einen völlig neuen Weg in der noch jungen Friedensforschung ein, so berichtet es Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Henning Voscherau, vor 25 Jahren bei einem Senatsempfang zum Jubiläum: Graf Baudissin brachte die Friedensforschung, die Sicherheitspolitik und die Politikberatung zusammen. "Den Auftrag umriss er damals so: Zweck der Forschung ist nicht die Beseitigung aller Konflikte, das wäre illusionär, sondern ihre Versachlichung, die gleichzeitige Humanisierung bedeutet und vor allem für dieses Ziel gilt es, Modelle, Strategien, Strukturen und Verfahrensweisen zu entwerfen."

Studiengang "Friedensforschung und Sicherheitspolitik"

Ein Meilenstein ist das Jahr 2002. Als eines der ersten Friedensforschungsinsitute in Deutschland führt das Hamburger Insitut den postgradualen Masterstudiengang "Friedensforschung und Sicherheitspolitik" ein. Seitdem absolvieren jedes Jahr 25 junge Hochschulabsolventen und -absolventinnen aus aller Welt den einjährigen Masterstudiengang.

Von Anfang an arbeiten die Hamburger Friedensforscherinnen und -forscher an den Themen Bundeswehr, Sicherheitspolitik und Rüstungskontrollen. Nach den Terroranschlägen 2011 rücken auch Terrorismus und Extremismus in den Fokus. Aus Sicht der Friedensforschenden gilt heute der Klimawandel als die größte globale Bedrohung für den Weltfrieden. Das heißt für sie, dass wir momentan vor einer Situation stünden, in der die die Lebensgrundlagen unseres Planeten akut bedroht werde. Und das habe sehr große Auswirkungen auf friedliches Zusammenleben. Besonders gefährlich daran sein, dass keiner bislang die Auswirkungen kenne.

Corona könnte Frieden gefährden

Auch die Folgen der Corona-Pandemie können zu weltweiten Konflikten führen, meint Ursula Schröder: "Es ist eine globale Pandemie, und die kann nur durch globale Zusammenarbeit aller Staaten bekämpft werden. Und wir haben gerade im letzten Jahr gesehen, wie schwer das ist."

Die rund 50 Friedensforscherinnen und -forscher in Hamburg arbeiten nicht nur für die Theorie, ihr Wissen, ihre Meinung und ihre Erfahrung wird immer wieder eingefordert, zum Beispiel von Bundesbehörden, da es sich um komplexe Problematiken handele, so die Friedensforschenden. Sie hätten keine einfachen Rezepte für den Weltfrieden. Frieden schaffen, Konflikte lösen, das gehe nicht ohne Kompromisse, so Ursula Schröder. Aktuell beschäftigt die Friedensforschenden auch die Frage, wie wir miteinander umgehen und wie es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt steht. Fragen, die mit Corona und den Folgen drängender geworden sind denn je.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 10.06.2021 | 19:00 Uhr

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