Die Bestatterin Lea Balkenhol

Ein Jahr mit Corona: Bestatterin vermisst Nähe zu Trauernden

Stand: 15.03.2021 11:33 Uhr

Lea Balkenhol ist Anfang 20 und fertig ausgebildete Bestatterin. Dass jemand an Corona stirbt, findet sie furchtbar.

"Ich bin ein bisschen müde", sagt Lea Balkenhol. Sie blickt auf den Sommer 2020 zurück, als es warm war, als man in Hamburg noch ausgehen konnte, als es noch Veranstaltungen gab. Und diese Müdigkeit nimmt die junge Frau auch bei anderen wahr. "Ich sehne mich mehr und mehr nach den Dingen, die ich noch mit Freiheit genießen konnte." Nun hat sie mehr Zeit für sich. Und widmet sich dem Bücherstapel, der noch abgearbeitet werden muss.

Mehr Menschen sterben an Corona

Auch bei dem Beerdigungsinstitut von Lea Balkenhol in Barmbek, merkt man, dass die Corona-Pandemie weiterhin bestimmend im Alltag ist. Tatsächlich gibt es nun mehr Hamburgerinnen und Hamburger, die an und mit Corona gestorben sind. Wenn es alte Menschen sind oder Menschen mit Vorerkrankungen, "dann hat die Familie schon eher Abschied genommen oder war sich bewusst, dass es bald an der Zeit sein wird", sagt Lea Balkenhol. "Viel schlimmer sind die Fälle, wenn jemand an Covid-19 gestorben ist, der vielleicht 65 war und der definitiv nicht hätten sterben müssen. Das ist wirklich furchtbar."

Gemeinsame Erinnerung fehlt

Nähe herstellen, auch das sei schwieriger geworden. Es ginge eben nicht mehr, Trauernden eine Hand auf den Arm zu legen. Oder auch nur jemandem die Hand zu geben. Auch die Trauergemeinschaften sind kleiner geworden. Lea Balkenhol spricht von Gruppen zwischen fünf und 15 Personen. "Und was gerade ganz, ganz doll fehlt, ist die Möglichkeit, nach der Beisetzung ins Café zu gehen und sich noch einmal zusammenzusetzen und Erinnerungen zu teilen." Statt dessen gingen die Trauernden nach der Beerdigung einfach nach Hause – jeder und jede für sich.

Der Nach-Corona-Traum

Lea Balkenhol ist Anfang 20. Vielleicht liegt es auch an ihrer Jugend, dass man ihr die Müdigkeit, von der sie spricht, nicht ansieht. Und auf die Frage, was sie nach Corona vorhat, sagt sie: "Wenn alles vorbei ist, treffe ich mich mit einer Freundin. Und wir umarmen uns ohne zu überlegen, ob es geht oder nicht. Und dann Essen oder Kochen. Und am Ende der Nacht ist es halb drei. Und wir sitzen in irgendeiner Bar und singen mit 50 anderen Menschen ‚Wonderwall‘ oder ‚99 Luftballons‘ und alles andere, was die Jukebox so hergibt."

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 07.03.2021 | 10:37 Uhr

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