Stand: 17.05.2015 11:38 Uhr

Juist - Zauberland in der Nordsee

Juist gründet auf Sand - keine gute Basis, um Ackerbau zu betreiben. Dieser Tatsache verdankt die schmale Ostfriesische Insel ihren Namen, denn im Friesischen bedeutet "güst" unfruchtbar. Inzwischen sind die langen Sandstrände längst das Kapital der Insulaner und locken Tausende Urlauber an. Aus dem öden Landstrich wurde das "Töwerland" - ein Zauberland.

Zauberhaft: Bilderreise nach Juist

Juist ist erst gut 2.000 Jahre alt. Häufige Sturmfluten sowie Versandungen haben das Erscheinungsbild mehrfach stark verändert. Bei der großen Sturmflut des Jahres 1651 etwa wurde die Insel geteilt, lange Zeit mussten die Einwohner auf zwei getrennten Eilanden leben. Erst gute 200 Jahre später (1877) wurden Dünen angelegt und so der Durchbruch an der Südseite geschlossen. 1932 folgte der Bau eines Dünendeichs an der zur offenen See gewandten Nordseite.

Erholung am kilometerlangen Strand

Besuchern bietet Juist autofreie Erholung ohne Hektik und Abgase. Da die Fähren wegen der Tide nicht so oft verkehren können wie etwa auf der Nachbarinsel Norderney, kommen nur wenige Tagesgäste und die Insel ist nie überlaufen. Juist ist nur knapp 500 Meter breit, aber 17 Kilometer lang. Genauso lang ist auch der weiße Sandstrand. Er ist frei von Buhnen und damit ideal für lange Spaziergänge, Läufe ohne Hindernisse oder andere Sportarten. Ein Muss für jeden Besucher ist ein Spaziergang zur Bill. Das große Sandriff liegt am Westende der Insel - dort wo Nordsee und Wattenmeer aufeinandertreffen. Die Bill besteht aus mehreren großen Sandbänken, die von Prielen durchzogen sind. Bei Ebbe bietet sie ein besonders beeindruckendes Bild - das einer riesigen Sandwüste.

Ein Wald mit seltenen Bäumen

Da Juist ständigem Wind ausgesetzt ist, gibt es hier nur wenig Baumbestand. Eine Ausnahme bildet das Wäldchen - ein Naturschutzgebiet westlich der Hammerbucht. Dort ließ der Biologe Otto Leege in den 1920er-Jahren mehr als 50.000 windresistente Bäume anpflanzen, darunter so seltene wie Schwarzerle und Karpatenbirke. Durch das Wäldchen, in dem auch Rotwild lebt, führt ein Wanderweg.

Zu den landschaftlichen Besonderheiten der Insel gehört auch der Hammersee, der größte Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln. Er entstand 1932, als der Dünendeich vor der Hammerbucht gebaut wurde. Spaziergänger können den See, der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen ist, auf einem Wanderweg umrunden.

Pralles Leben im Nationalpark Wattenmeer

Das Gebiet um Juist und die Insel selbst sind Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Laut wissenschaftlichen Auswertungen soll es pro Quadratmeter Wattboden bis zu 40.000 Schlickkrebse, 270.000 Wattschnecken oder 10.000 Pfeffermuscheln geben. Durch Ebbe und Flut bietet das Watt Kleintieren einen idealen Lebensraum. Mehr als zwei Millionen Zugvögel versorgen sich jährlich bei ihrem Rastaufenthalt im Wattenmeer mit Fettreserven. Nur so können sie ihren Rückflug in den Süden meistern.

Bild vergrößern
Schnecken, Muscheln, Krebse: Das Watt ist voller Leben.

Teile von Juist zählen zur sogenannten Ruhezone des Nationalparks und dürfen nur zu bestimmten Zeiten, beziehungsweise gar nicht betreten werden, wie etwa die Dünenzonen. In der sogenannten Zwischenzone ist der Zutritt zeitweise und nur auf den markierten Wegen erlaubt. Dazu gehören der Loogheller, der Strandbereich nördlich der Bill und das ganze Areal östlich des Ortes. In der Erholungszone - das sind auf Juist die Badestrände vom West-, Ost- und Loogbad - dürfen Urlauber sich ohne Einschränkungen aufhalten und bewegen.