Stand: 23.11.2016 15:49 Uhr

Juist - Zauberland in der Nordsee

Juist gründet auf Sand - keine gute Basis, um Ackerbau zu betreiben. Dieser Tatsache verdankt die schmale Ostfriesische Insel ihren Namen, denn im Friesischen bedeutet "güst" unfruchtbar. Inzwischen sind die langen Sandstrände längst das Kapital der Insulaner und locken Tausende Urlauber an. Aus dem öden Landstrich wurde das "Töwerland" - ein Zauberland.

Zauberhaft: Bilderreise nach Juist

Juist ist erst gut 2.000 Jahre alt. Häufige Sturmfluten sowie Versandungen haben das Erscheinungsbild mehrfach stark verändert. Bei der großen Sturmflut des Jahres 1651 etwa wurde die Insel geteilt, lange Zeit mussten die Einwohner auf zwei getrennten Eilanden leben. Erst gute 200 Jahre später (1877) wurden Dünen angelegt und so der Durchbruch an der Südseite geschlossen. 1932 folgte der Bau eines Dünendeichs an der zur offenen See gewandten Nordseite.

Erholung am kilometerlangen Strand

Besuchern bietet Juist autofreie Erholung ohne Hektik und Abgase. Da die Fähren wegen der Tide nicht so oft verkehren können wie etwa auf der Nachbarinsel Norderney, kommen nur wenige Tagesgäste und die Insel ist nie überlaufen. Juist ist nur knapp 500 Meter breit, aber 17 Kilometer lang. Genauso lang ist auch der weiße Sandstrand. Er ist frei von Buhnen und damit ideal für lange Spaziergänge, Läufe ohne Hindernisse oder andere Sportarten. Ein Muss für jeden Besucher ist ein Spaziergang zur Bill. Das große Sandriff liegt am Westende der Insel - dort, wo Nordsee und Wattenmeer aufeinandertreffen. Die Bill besteht aus mehreren großen Sandbänken, die von Prielen durchzogen sind. Bei Ebbe bietet sie ein besonders beeindruckendes Bild - das einer riesigen Sandwüste.

Ein Wald mit seltenen Bäumen

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Kontrast zum langen Sandstrand: Durch das Wäldchen der Insel führt ein Wanderweg.

Da Juist ständigem Wind ausgesetzt ist, gibt es hier nur wenig Baumbestand. Eine Ausnahme bildet das Wäldchen - ein Naturschutzgebiet westlich des Hammersees. Dort ließ der Biologe Otto Leege in den 1920er-Jahren mehr als 50.000 windresistente Bäume anpflanzen, darunter so seltene wie Schwarzerle und Karpatenbirke. Durch das Wäldchen, in dem auch Rotwild lebt, führt ein Wanderweg. Außerdem gibt es eine Aussichtsplattform.

Zu den landschaftlichen Besonderheiten der Insel gehört auch der Hammersee, der größte Süßwassersee der Ostfriesischen Inseln. Er entstand 1932, als der Dünendeich vor der Hammerbucht gebaut wurde. Spaziergänger können den See, der Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen ist, auf einem Wanderweg umrunden.

Pralles Leben im Nationalpark Wattenmeer

Das Gebiet um Juist und die Insel selbst sind Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer. Durch Ebbe und Flut bietet das Watt Kleintieren wie Krebsen oder Schnecken einen idealen Lebensraum und Vögeln einen reich gedeckten Tisch. Mehr als zwei Millionen Zugvögel nutzen dies und fressen sich jährlich bei ihrer Rast im Wattenmeer Fettreserven an.

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Schnecken, Muscheln, Krebse: Das Watt ist voller Leben.

Teile von Juist zählen zur sogenannten Ruhezone des Nationalparks und dürfen nur zu bestimmten Zeiten, beziehungsweise gar nicht betreten werden, etwa die Dünenzonen. In der sogenannten Zwischenzone ist der Zutritt zeitweise und nur auf den markierten Wegen erlaubt. Dazu gehören der Loogheller, der Strandbereich nördlich der Bill und das Areal östlich des Ortes. In der Erholungszone - das sind auf Juist die Badestrände vom West-, Ost- und Loogbad - dürfen sich Urlauber ohne Einschränkungen aufhalten und bewegen.

Inselorte und Sehenswürdigkeiten

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Im Alten Bahnhof (links) befindet sich das Nationalpark-Haus.

Auf der Insel gibt es zwei Orte - den Hauptort Juist - auch das Dorf genannt - und Loog, was auf Friesisch ebenfalls Dorf bedeutet. Der Fährhafen und ein Anleger für Sportboote gehören zu Juist. Urlauber finden dort außerdem Unterkünfte verschiedener Kategorien, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten sowie ein Kurmittelhaus mit Thalasso-Zentrum.

Markanter Punkt und Sehenswürdigkeit am Hafen ist der Leuchtturm Memmertfeuer, der eine kuriose Geschichte hat: Als 1986 das Leuchtfeuer auf der Nachbarinsel demontiert wurde, gründete sich eine Interessengemeinschaft zu dessen Erhaltung. 1992 wurde ein Turm errichtet und die alte Laterne dort eingebaut. Seitdem strahlt das Memmertfeuer bei Dunkelheit längs über die Insel, Wattenmeer und Nordsee dürfen nicht bestrahlt werden, da der Leuchtturm kein offizielles Seezeichen ist. In den Sommermonaten können Besucher zu einer kleinen Aussichtsplattform auf dem Turm steigen.

Einen Besuch lohnt auch das Nationalpark-Haus im alten Bahnhof. Die Ausstellung vermittelt Wissenswertes über den Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Außerdem werden Vorträge und naturkundliche Wanderungen angeboten. Größte Sehenswürdigkeit im Loog ist das Küstenmuseum. Wer etwas über die bewegte Geschichte der Insel erfahren möchte oder sich für Schifffahrt, Seezeichen, Fischerei und die Inselbotanik interessiert, wird dort umfassend informiert. Einen freien Blick auf Nordsee, Wattenmeer und Hammersee bietet die Aussichtsplattform "Dree Water Uitkiek" am Strandaufgang.

Kurangebot und gesunde Luft

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Mit ihren kilometerlangen Stränden lädt die Insel zum Spazierengehen und Entspannen ein.

Das Kurangebot auf Juist ist vielfältig. Es reicht von Schlickpackungen über Meerwasserbäder und Inhalationen bis zu Massagen. Auch ohne Anwendungen dient ein Urlaub auf Juist der Gesundheit. Wer etwa einem Spaziergang im Bereich der Brandungszone unternimmt, atmet die staubfreie, salzhaltige Luft ein und tut seinen Atemwegen damit Gutes. Bei schlechtem Wetter und für alle, die warmes Wasser mögen, bietet sich ein Meerwasser-Erlebnisbad als Alternative zum Strand an.

Pferdewagen statt Autos

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Mit zwei PS auf der Insel unterwegs: Pferdetaxis bringen Urlauber ans Ziel.

Nur Rettungsdienste und die Post dürfen auf Juist Autos benutzen. Selbst Umzüge, Müllabfuhr oder Warenlieferungen werden mit Pferdewagen erledigt. Ein Pferdetaxi holt Urlauber von der Fähre oder dem Flughafen ab und steht für Fahrten über die Insel bereit. Es gibt Kutschen, Planwagen und Busse. Pferde werden auf der Insel bereits seit mehreren Hundert Jahren gezüchtet und haben im Laufe der Zeit viele kuriose Wagen und Kutschen gezogen. Einige Bespiele zeigt die Sammlung der Familie Munier. Sie kann auf Anfrage kostenlos besichtigt werden (Telefon 04935/392).

Ein Segelboot hat am Hafen von Juist festgemacht

Die Sonneninsel Juist

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Auf den Ostfriesischen Inseln ist es oft wärmer als auf dem Festland und auch im Winter gibt es die Chance, von der Sonne verwöhnt zu werden: Zu Besuch auf Juist.

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Anreise

Vom Festland aus ist Juist mit der Fähre oder mit dem Flugzeug zu erreichen. Die Fähren verkehren tideabhängig, weil das Juister Watt Überfahrten nur bei Hochwasser zulässt. Deshalb ist es maximal zweimal am Tag möglich, die Insel anzulaufen. Wer mit dem Auto anreist, fährt bis Norden-Norddeich und kann dort seinen Wagen auf einem bewachten Parkplatz abstellen. Bahnreisende fahren mit dem IC oder Regionalbahn bis Norddeich/Mole und steigen dort auf die Fähre um. Die Überfahrt dauert etwa 90 Minuten.

Eine Alternative ist die Anreise mit dem Flugzeug. Die sogenannten Inselflieger starten ebenfalls in Norddeich.

Karte: Juist und ihre Nachbarn
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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Nordtour / 26.11.2016 / 18:00 Uhr