Stand: 15.04.2014 10:30 Uhr

Energieberg: Der gebändigte Drache

Eine ehemalige Giftmülldeponie wird umgestaltet und produziert fortan sauberen Strom aus Wind und Sonne. Zugleich bekommt ein jahrzehntelang gesperrter Müllberg einen schönen Rundweg und wird zum Ausflugsziel. Was so klingt wie eine Geschichte aus dem Märchenbuch der Öko-Utopien, hat die Internationale Bauausstellung (IBA) in Hamburg-Georgswerder in die Realität umgesetzt.

Zweites Leben einer Giftmülldeponie

Sie hat aus der ehemaligen Mülldeponie im Nordosten der Elbinsel Wilhelmsburg einen Energieberg gemacht. Eine Photovoltaikanlage und zwei Windräder produzieren dort jetzt klimafreundlichen Strom für rund 4.000 Haushalte. Außerdem ist der rund 40 Meter hohe Berg nun wieder öffentlich zugänglich. Wahlweise über eine Treppe oder einen barrierefreien Weg erreichen Besucher das Plateau des Bergs. Dort geht es auf dem 900 Meter langen Horizontweg rund um die Hügelkuppe, von der die Besucher den Blick über die Elbe bis in die Innenstadt schweifen lassen können.

Eins allerdings hat mit grünen Utopien nur wenig gemein: Im Inneren des Berges schlummert weiter der Giftmüll.

Erst kam der Schutt, dann der Hausmüll - und am Ende das Dioxin

Ein kurzer Rückblick: Nach dem Krieg lässt zunächst Trümmerschutt einen Berg auf den flachen Wiesen von Georgswerder entstehen. Schon bald kommt Hausmüll hinzu - und ab 1967 auch hochgiftige Industrieabfälle. Bis 1979 wird der giftige Müll auf die Halde gekippt - man glaubt, dass der Hausmüll die Gifte aufsaugt. Dann wird die Deponie geschlossen.

"Der gefährlichste Berg der Welt"

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Was aus der Luft wie ein grüner Hügel aussieht, ist eine ehemalige Mülldeponie, in deren Inneren hochgiftige Stoffe lagern.

Doch mit dem Regenwasser sickern die Gifte in das Grundwasser. Im Jahr 1983 erlebt die Stadt Hamburg ihren bisher größten Umweltskandal: Es zeigt sich, dass aus der Deponie Georgswerder hochgiftiges Dioxin ausgetreten ist - ein Gift, das bereits in Mikrogramm-Mengen zu schweren Gesundheitsschäden bis hin zum Tod führt. "Der gefährlichste Berg der Welt", so nennen die Zeitungen schon bald die Deponie. Ab 1986 wird sie aufwändig abgedichtet. Der ganze Berg erhält eine Art Regenschirm in Form dicker Abdeckungen, damit kein Regenwasser mehr eindringen kann.

Informationszentrum und Energieberg

Fiskalische Strasse 2
21109 Hamburg

Öffnungszeiten
:
1. April bis 31. Oktober
Di - So 10 bis 18 Uhr
am 6. Mai wegen Bauarbeiten geschlossen

Führungen:
Fr. 15.30 Uhr
Sa und So 13.30 und 15.30 Uhr
Starttermin 18. April 2014

Eintritt: kostenlos

Anfahrt per Bus mit der Linie 154 von S-Bahn Veddel

"Ein gebändigter Drache"

Verschwunden ist das Gift also nicht, sondern lediglich im Berg eingeschlossen. "Insgesamt liegen hier 200.000 Tonnen Giftmüll in der Erde - ein gebändigter Drache, aber immer noch ein Drache", erklärt Dr. Volker Sokollek, der bei der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt Hamburg für Bodenschutz und Altlasten zuständig ist. An Dutzenden Stellen wird regelmäßig geprüft, ob die Sicherungssysteme halten. Deponiegase, Sickerflüssigkeiten und Grundwasser werden in einer speziellen Betriebsanlage auf dem Gelände mit verschiedenen Verfahren behandelt, um eine Gefährdung von Mensch und Natur auszuschließen.

Die Deponiegase, die durch die Zersetzungsprozesse innerhalb der früheren Deponie frei werden, spielen dabei noch eine weitere Rolle: Sie werden zur benachbarten Kupferhütte Aurubis abgeleitet, die sie bereits seit mehreren Jahren für das Befeuern der Schmelzöfen nutzt.

Multimediale Ausstellung zeigt die Geschichte des Berges

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Die Ausstellung zeigt ein Modell des Energiebergs und informiert mit Schautafeln und Filmen über die Geschichte Georgswerders.

Am Fuße des Energiebergs links vom Eingang liegt das Informationszentrum. Dort dokumentiert eine Ausstellung die Geschichte des Berges. Besonders sehenswert ist der Multimedia-Film "Der gebändigte Drache". Er zeigt eindrucksvoll die Entwicklung des Ortes von einer einfachen Wiese zu einer hochgiftigen Mülldeponie und zum jetzigen Energieberg. Kinder können sich einen zweiminütigen animierten Film ansehen.

Jährlich von April bis Oktober geöffnet

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Ein Horizontweg führt einmal um den Berg und bietet einen schönen Blick auf die Stadt.

Die Stadtreinigung Hamburg bietet an allen Wochenenden zwischen April und Oktober Führungen an. Diese beinhalten einen Gang durch die Ausstellung mit Vorführung des Multimedia-Films sowie einen Spaziergang auf den Berg. Von November bis März sind Berg und Ausstellung aus Sicherheitsgründen geschlossen - an den Rotoren der Windräder kann sich Eis bilden und herabstürzen.

Von der Altlast zum Symbol

Für die Internationale Bauausstellung war der Energieberg in zweifacher Hinsicht ein wichtiges Projekt: "Hier wurde eine Altlast zu einem Modell und einem Symbol für eine urbane Energieversorgung", so IBA-Geschäftsführer Uli Hellweg. Zugleich wurde ein verschlossenes Areal nach Jahren wieder in den Stadtteil integriert und den Bürgern zugänglich gemacht, so Hellweg weiter.

Der Dioxinskandal
03:55 min

Hamburg damals: Dioxin-Skandal

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Hamburg Journal

Der damalige Umweltsenator Wolfgang Curilla auf den Dioxin-Skandal 1984 zurück. Video (03:55 min)