Stand: 25.11.2019 11:48 Uhr

Zur Sache: Wohin mit dem Atommüll?

von Michael Frömter

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima beschloss der Bundestag den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Nun gilt es, geeignete Standorte nicht nur für die Endlagerung von mittel- und schwachradioaktiven Abfällen zu finden, sondern vor allem auch für hochradioaktive. Davon werden nach Angaben des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) bis 2022 fast 2.000 Behälter anfallen. Auf Waggons verladen, wäre der Zug mit den Abfallbehältern rund elf Kilometer lang. Doch wohin damit?

Die Voraussetzung für die Standorte: Sie müssen mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche liegen und von großen Schichten aus Ton, Salz oder Granit geschützt sein - laut BfE für eine Million Jahre. Die Suche nach geeigneten Endlagerstandorten läuft derzeit bundesweit. Der umstrittene Standort Gorleben in Niedersachsen ist nur noch einer von mehreren Möglichkeiten. Auch in Schleswig-Holstein gibt es Regionen, die möglicherweise in Frage kommen.

Endlagersuche in mehreren Kreisen möglich

Nach dem Standortauswahlgesetz des Bundes müssen die für Geologie zuständigen Landesbehörden die entsprechenden Daten über die Beschaffenheit des Untergrunds ermitteln. Die meisten grundsätzlich geeigneten Flächen liegen in Niedersachsen, weil es dort viele Salz- und Tonschichten gibt. Andere mögliche Standorte sind offenbar in Baden-Württemberg, Sachsen und Bayern. In Schleswig-Holstein böten sich möglicherweise tiefe Salzschichten als Endlager an. Bereits seit Jahren stehen mehrere Salzstöcke hierzulande auf einer Liste der Bundesanstalt für Geowissenschaften für mögliche Standorte im Norden: in den Kreisen Nordfriesland, Steinburg, Rendsburg-Eckernförde und Herzogtum Lauenburg. Doch entschieden ist bislang nichts.

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Ex-Innenminister aus Kiel treibt Standortsuche voran

Mit der Suche nach einem atomaren Endlager hat der Bund die eigene "Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE)" beauftragt. Sie ist auch zuständig für den Betrieb der Schachtanlage Asse II, die Endlager Schacht Konrad und Morsleben sowie für das Bergwerk Gorleben. Vorsitzender der Geschäftsführung ist Stefan Studt, der in Schleswig-Holstein kein Unbekannter ist. Zwischen 2014 und 2017 war der studierte Jurist Innenminister des Landes. Zuvor hatte er bereits verschiedene Leitungsfunktionen in Behörden und Ministerien des Landes wahrgenommen, unter anderem als Chef der Staatskanzlei in Kiel unter dem damaligen Ministerpräsidenten Torsten Albig (SPD).

Studt ist sich nach eigenen Angaben der Ängste in der Bevölkerung vor einem atomaren Endlager vor der Haustür bewusst. "Deshalb setzen wir auf ein wissenschaftlich basiertes, vor allem aber auch auf ein transparentes Verfahren", sagte Studt im Gespräch mit NDR Schleswig-Holstein. Dass er dennoch auf Widerstände stoßen wird, ist ihm dabei klar. Das Problem müsse aber gelöst werden, ein Abwälzen oder Vertagen ist für ihn keine Option.

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Ex Innenminister Stefan Studt ist heute für die Endlagersuche zuständig.
In der Sendung zu Gast: Stefan Studt

Wie geht es mit der Endlagersuche weiter? Was sind die Bürgerinnen und Bürger bereit, mitzutragen? Wie sieht der Zeitplan aus? Diese und ähnliche Fragen standen im Mittelpunkt unserer Sendung. Zu Gast im Studio bei Moderator Michael Frömter war der Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesgesellschaft für Endlagerung, Ex-Innenminister Stefan Studt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 24.11.2019 | 18:05 Uhr

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