Stand: 23.09.2019 07:45 Uhr

Zur Sache: Wissen, was auf dem Teller liegt

von Michael Frömter

Das Restaurant wirkt edel, die Tische sind liebevoll gedeckt und die Speisekarte bietet eine Vielfalt von Gerichten. Doch wie sieht es mit der Qualität der Lebensmittel und der Hygiene in der Küche und bei den Mitarbeitern in der Gastronomie aus? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, wird sie so schnell nicht finden und verlässt im Zweifel verunsichert das Lokal.

Kontrollergebnisse veröffentlichen?

Der Verbraucherschutzverein Foodwatch verlangt deshalb, die Ergebnisse von Hygiene- und Lebensmittelkontrollen in Restaurants und Gaststätten zu veröffentlichen - möglichst auf einem eigenen Internet-Portal. In der Diskussion ist aber auch eine Lebensmittelampel im Einzelhandel und auch bei Gaststätten. Foodwatch und die Transparenz-Initiative FragDenStaat haben dafür die Online-Plattform Topf Secret eingerichtet. Dort sollen Verbraucher die Ergebnisse von Hygienekontrollen in Restaurants, Bäckereien und anderen Lebensmittelbetrieben mit wenigen Klicks abfragen und veröffentlichen können. "Damit gehen wir gegen Geheimniskrämerei in Lebensmittelbehörden vor. Denn bisher machen die Kontrollbehörden in Deutschland nur in Ausnahmefällen öffentlich, wie es um die Sauberkeit in Betrieben bestellt ist", heißt es auf der Internetseite von Foodwatch.

In einem Raum der Lebensmittelkontrolle im Hamburger Hafen liegen ein rohes Stück Fleisch und ein Messer auf einem weißen Plastiktablett auf einem Tisch. © NDR Foto: Marc Hoffmann

Zur Sache: Restaurant-Hygiene - Wissen, was auf dem Teller liegt

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Wie steht es um die Hygiene der Restaurants in Schleswig-Holstein. "Wissen, was auf dem Teller liegt" - das Thema in der Sendung "Zur Sache" am Sonntagabend.

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Transparenz, aber wie?

Für mehr Transparenz in der Hygiene von Lebensmittelunternehmen ist auch Schleswig-Holsteins Verbraucherschutzministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU). Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern hätten gezeigt, dass die Nachfrage groß ist, heißt es im Ministerium. Bislang können sich Verbraucher allerdings lediglich auf der Basis des Verbraucherinformationsgesetzes von 2007 über die Zustände in den Betrieben informieren. Sütterlin-Waack hält das Gesetz für überholungsbedürftig und vor allem für zu bürokratisch.

Auch einem Internetportal, wie es von Foodwatch gefordert wird, steht die Ministerin skeptisch gegenüber. Wie der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hält Sütterlin-Waack eine Onlineplattform für nicht zielführend und für datenschutzrechtlich bedenklich. Unterstützung bekommt sie dabei von der obersten Landesdatenschützerin Marit Hansen. Ihrer Ansicht nach dürfen personenbezogene Daten ohnehin nicht veröffentlicht werden. Zudem ist man sich einig, dass ein Onlineportal nicht zu einem Pranger werden darf.

Pottkieker-Gesetz soll helfen

Seit 2011 versuchen die Länder ein bundeseinheitliches System für mehr Transparenz in Lebensmittelunternehmen zu schaffen - bislang ohne Erfolg. Deshalb hat Verbraucherschutzministerin Sütterlin-Waack im Frühsommer ein eigenes Gesetz auf den Weg gebracht: das sogenannte Pottkieker-Gesetz. Damit will die Ministerin mehr Verbraucherschutz schaffen, ohne die Betriebe an den Pranger zu stellen. Das Gesetz sieht vor, dass Restaurants und Gaststätten den letzten amtlichen Kontrollbericht auf Nachfrage offenlegen müssen. Allerdings müssen die Kunden vor Ort nach dem Bericht fragen. Wird der Kontrollbericht verweigert, droht ein Bußgeld. Bestraft werden aber auch Verbraucherinnen und Verbraucher, wenn sie ohne Genehmigung die Berichte weiterverbreiten oder veröffentlichen.

Was wollen Verbraucher wissen?

Fraglich in der gesamten Debatte bleibt, was wir Kunden über die Zustände in Restaurants oder Imbissbuden überhaupt wissen wollen, denn die Untersuchungen der Lebensmittel-Kontrolleure sind kompliziert, detailliert und umfangreich. Die Kontrollfrequenz richtet sich nach einem Riskobewertungsverfahren. "Bei den Kontrollen geht es neben der Hygiene auch um den Zustand der Lebensmittel (Stichworte: Frische, Temperatureinhaltung, aber auch richtige Kennzeichnung)", sagt Kai Ebersbach vom Verband der Lebensmittelkontrolleure im Lande Schleswig-Holstein. Oftmals gebe es kleinere Mängel, die schnell behoben werden könnten. Bei untragbaren hygienischen Mängeln müsse ein Betrieb ohnehin - manchmal auch nur kurzzeitig - geschlossen werden, so Ebersbach.

"Worauf legt der Kunde tatsächlich wert und wie kann man dem Kunden / Verbraucher das tatsächlich einheitlich, gut verständlich, zeitnah, möglichst unbürokratisch und trotzdem rechtssicher mitteilen?", fragt Ebersbach. Hier gebe es noch einiges zu klären.

Diskussion mit unseren Gästen

Wie intensiv müssen Hygiene- und Lebensmittelkontrollen sein und welche Informationen sind für uns als Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig? Diese Fragen und mehr standen im Mittelpunkt unserer Zur Sache Sendung am Sonntag, den 22. September 2019.

Zu Gast bei Moderatorin Michaela Aßmann waren Verbraucherschutz-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack sowie Lutz Frank, Vizepräsident des DEHOGA Schleswig-Holstein und Vorsitzender der Fachgruppe Gastronomie, und Kai Ebersbach vom Verband der Lebensmittelkontrolleure im Lande Schleswig-Holstein e.V..

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 22.09.2019 | 18:05 Uhr

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