Sendedatum: 24.02.2019 18:05 Uhr

Zur Sache: Werden Jugendliche wieder politischer?

von Michael Frömter

"Da behaupte noch jemand einmal, dass junge Leute unpolitisch sind", sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in der Sendung "Hart aber Fair" in der ARD und fügt hinzu, sie finde es total klasse, dass Tausende Kinder und Jugendliche seit Wochen freitags während der Unterrichtszeit für mehr Klimaschutz auf die Straße gehen. Dafür gibt es auch Anerkennung aus Schleswig-Holstein. So findet auch Bildungsministerin Karin Prien (CDU) die Aktionen der "Fridays For Future"-Bewegung "klasse". Dass die Demonstrationen während der Schulzeit stattfinden, davon ist die Ministerin hingegen gar nicht begeistert. Wie Regierungschef Daniel Günther (CDU) ist auch Prien der Ansicht, dass die Demonstrationen der jungen Menschen auch außerhalb der Schulzeit stattfinden könnten. Damit steckt die Landesregierung in einem Dilemma: Einerseits will sie das politische Engagement junger Menschen fördern, andererseits muss sie das Schulgesetz und damit die Teilnahme am Unterricht durchsetzen.

Viele Schüler stehen mit Plakaten vor einer Bühne. © NDR Foto: Tobias Senff

Werden Jugendliche wieder politischer?

NDR 1 Welle Nord -

Jahrelang haben Soziologen und Politikwissenschaftler kritisiert, dass junge Menschen wenig politisches Interesse haben. Doch das ändert sich jetzt offenbar - auch in Schleswig-Holstein.

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Braucht Engagement zivilen Ungehorsam?

Von den juristisch formalen Regeln lassen sich die jungen Menschen nicht schrecken. Ihr Argument: Eine Demonstration außerhalb der Schulzeit zöge nicht ansatzweise die Aufmerksamkeit auf sich wie die Freitagsdemonstrationen. Das sieht auch die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen, Eka von Kalben, so: "Nur dadurch, dass die Schüler die Regeln brechen, erhalten sie überhaupt diese Aufmerksamkeit. Das ist ziviler Ungehorsam und ich sage, wenn die donnerstags um fünf demonstrieren würden, würde niemand darüber reden", sagte sie kürzlich NDR 1 Welle Nord. Auch ihr ist zu verdanken, dass einige Vertreter der "Fridays For Future"-Bewegung von Landtagsabgeordneten der Jamaika-Koalition zum Dialog empfangen wurden. Es sei toll, dass junge Menschen ihre Zukunft in die Hand nehmen, so die einhellige Meinung der Politiker nach dem Treffen.

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Auffällig ist seit einigen Jahren, dass Jugendliche sich wieder zunehmend politisch engagieren. Das geht aus mehreren Untersuchungen hervor. Stimmen die Ergebnisse einer Shell-Studie von 2015, befindet sich die Jugend in Deutschland in einem Aufbruch. Ob das tatsächlich so ist, wollte eine repräsentative Infas-Umfrage im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung unter mehr als 2.000 Jugendlichen herausfinden. Ein Ergebnis: Von den befragten Jugendlichen, die sich engagieren, sind 56 Prozent Jungen und 44 Prozent Mädchen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie sich eher an flexiblen Aktivitäten mit individuellem Charakter - wie "Fridays For Future" - beteiligen, als sich in einer Institution zu engagieren. Zu den Parteien gingen die Befragten eher auf Distanz. Nur drei Prozent hatten "großes oder sehr großes Vertrauen" zu politischen Parteien. Um das zu ändern, so das Ergebnis der Untersuchung, müssten Parteien sich mehr für Basisdemokratie öffnen und klarere programmatische Aussagen treffen.

Jugend, Protest und Politik

Wird unsere Jugend wieder politischer und warum fühlen sie sich nicht zu Parteien hingezogen? Zeichnet sich wieder eine Protest-Bewegung außerhalb der Parlamente ab? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Zur Sache Sendung am Sonntagabend. Zu Gast bei Moderatorin Rebekka Merholz waren unter anderem engagierte Jugendliche aus Schleswig-Holstein und die Vorsitzende des Landesjugendrings, Alexandra Ehlers.

Ihre Themenvorschläge für die Sendung

Haben Sie eine Idee für Zur Sache? Über welche Themen sollten wir diskutieren? Senden Sie uns gerne Ihre Themen aus Schleswig-Holstein an zursache@wellenord.de.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 24.02.2019 | 18:05 Uhr

Podcast

Podcast: Zur Sache

Jeden Sonntag diskutieren Experten in der Sendung "Zur Sache" von 18 bis 20 Uhr über das Thema der Woche. Auch die Meinungen und Fragen der Hörerinnen und Hörer sind gefragt. mehr

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