Sendedatum: 06.01.2019 18:05 Uhr

Zur Sache: Kampfmittel-Räumung in SH

von Michael Frömter

Vor mehr als 70 Jahren endete der Zweite Weltkrieg, doch die Folgen beschäftigen uns auch heute noch. Tausende Tonnen Bomben und Munition hatten die Alliierten über Schleswig-Holstein während der Kriegsjahre abgeworfen, um Waffenschmieden, wie die Werft HDW in Kiel, zu zerstören und die Bevölkerung zu demoralisieren. Auch die Deutschen entsorgten Bomben hierzulande. Wenn ein Angriffsziel nicht erreicht werden konnte, warfen deutsche Bomber vor der Landung ihre explosive Fracht beispielsweise über dem Wattenmeer ab. Das Problem: Nicht alle Bomben explodierten. Sie tauchen bis heute immer wieder als Blindgänger auf. Damit sind sie eine Gefahr für die Bevölkerung.

Bombenentschärfung nur Teilbereich der Kampfmittelräumung

Vor allem bei Erdarbeiten und auf Baustellen tauchen Blindgänger und Reste von Munition wieder auf. 2018 machten die Kampfmittelräumer, die beim Landeskriminalamt angesiedelt sind, elf Fliegerbomben amerikanischer und britischer Herkunft unschädlich. Dabei sind nach Angaben der Experten weniger die Bomben selbst als deren Zünder das Problem. Kann eine Bombe nicht entschärft werden, wird sie im Zweifel gesprengt, wie Anfang Dezember in Kiel-Gaarden. Aber nicht nur an Land können Munitions-Altlasten gefährlich werden. Auch auf See werden immer noch Seeminen und nach dem Krieg versenkte Munition gefunden. Dafür hat der Kampfmittelräumdienst ein eigenes Taucherteam.

Kaum ein Neubau ohne Bomben-Check

Wer insbesondere in den Ballungsräumen bauen will, der sollte tunlichst sein Grundstück (gebührenpflichtig) überprüfen lassen. Die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, Munition zu finden. Wird ein verdächtiger Gegenstand entdeckt, so sollte man sich direkt an die Polizei wenden. Neben zufällig gefundener Munition beschäftigen sich die Kampfmittelräumer aber auch systematisch mit der Suche nach Sprengkörpern. Hierfür werten sie Luftbilder der Alliierten aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges aus. Darauf ist die Zerstörung durch Luftangriffe erkennbar, es finden sich aber auch Hinweise auf nicht explodierte Bomben. Alle vorhandenen Luftbilder werden in chronologischer Reihenfolge gesichtet - und das ist teilweise zeitraubend und schwierig, denn: Teilweise existieren mehrere hundert Bilder für eine Fläche.

Sprengstoff-Funde am Strand

Das Meer gibt alles zurück, was man hinein geworfen hat - dieses Sprichwort gilt auch für Sprengstoffe und Munition. Technisch sei eine flächendeckende Beseitigung dieser Munition nicht möglich, heißt es beim Kampfmittelräumdienst. Und so kommt es immer wieder vor, dass Munition oder Sprengstoffreste an den Strand gespült werden. Der Rat der Spezialisten: Wer metallische Gegenstände am Strand findet, bei denen es sich möglicherweise um Munition handeln könnte, sollte unbedingt die Polizei informieren. Das gilt auch im Zusammenhang mit Phosphor, das verklumpt gerne einmal für Bernstein gehalten wird. Da sich Phosphor in trockenem Zustand und bei Erwärmung entzündet, kann dies zu schweren Verbrennungen führen.

Ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkreig liegt auf einer Ladefläche. © NDR Foto: Marlena Maerz

Zur Sache: Kampfmittel-Räumung in SH

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes sind 365 Tage im Jahr auf Bereitschaft. Der technische Einsatzleiter Oliver Kinast und sein Kollege Hans-Jörg Kinsky sprechen über den Job und die Risiken.

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Experten auch bei heutigen Gefahren im Einsatz

Nicht nur die Kriegsaltlasten beschäftigen den Kampfmittelräumdienst. Angesichts einer terroristischen Bedrohung werden die Spezialisten auch bei abgestellten Koffern oder bei verdächtigen Paketen gerufen. Vieles wird dabei in Handarbeit gemacht, es kommt aber auch modernste Technik bis hin zum Roboter zum Einsatz . Weil niemand weiß, wann die Experten gebraucht werden, arbeiten sie in einem Bereitschaftsdienst: 24 Stunden lang an 365 Tagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 06.01.2019 | 18:05 Uhr

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