Sendedatum: 20.01.2019 18:05 Uhr

Zur Sache: Die große eSport-Diskussion

von Michael Frömter

Die Digitalisierung verändert seit Jahren auch unseren Alltag. So wundert es nicht, dass immer mehr junge Menschen sich auch für den elektronischen Sport (eSport) begeistern. Dahinter verbirgt sich - kurz gesagt - ein Video- oder Computerspiel-Wettbewerb. Gespielt wird fast alles auf PC oder Konsole - nicht nur Sportsimulationen wie FIFA, sondern auch Strategiespiele wie Dota 2 oder League of Legends, Shooter wie Counter Strike. Wichtig dabei: Die Teilnehmer können zwar bei sich zu Hause sitzen, müssen aber im Team oder im Einzel gegeneinander antreten. Das soll auch Computernerds aus der heimischen Isolation helfen. Besonders gefragt sind deshalb Teamgeist und Wettbewerb. Dennoch bleiben Eltern und Jugendschutzverbände skeptisch. Sie sehen ein zu hohes Suchtpotenzial für die Jugendlichen, die stundenlang an ihren Computern "daddeln".

Anerkennung von eSport als Sportart

Seit Jahren machen sich Hersteller von Videospielen und auch der Verband der Deutschen Games-Branche (GAME) insgesamt stark dafür, dass eSport als Sportart durch Sportverbände und Politik anerkannt wird. Erst am Mittwoch lief eine Anhörung zu dem Thema im schleswig-holsteinischen Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. Die Standpunkte können jedoch unterschiedlicher nicht sein.

Der Branchen-Verband GAME argumentiert auf seiner Homepage, wenn Schach und Motor-Rennsport als Sportarten anerkannt seien, müsste dies auch für eSport gelten. Dabei bezieht sich der Verband auf sportwissenschaftliche Untersuchungen. Demnach soll der Puls von Gamern während des Spiels auf Höhe des Pulses eines Marathonläufers liegen. Als anerkannte Sportart würde eSport zudem mehr junge Menschen in die Sportvereine bringen, argumentiert der Verband.

Sportfunktionäre bleiben ablehnend

Das Argument neuer Mitglieder in den Vereinen teilt auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). Doch dann enden auch die Gemeinsamkeiten mit dem Verband der Deutschen Games-Branche. Stattdessen gehen die Sportfunktionäre auf Distanz. "Eine eigenmotorische, sportartbestimmende Bewegung ist kein konstitutives Merkmal von eGaming", heißt es auf der Homepage des DOSB und weiter: "Die überwiegende Anzahl von eGaming-Angeboten folgt einer ausschließlich wirtschaftlich begründeten Unternehmenslogik. Diese ist mit den Grundsätzen von Autonomie (auch Regelautonomie) und Partizipation im Sportsystem unvereinbar, bedroht die Gemeinwohlorientierung des Vereinssports und die damit verbundenen Privilegien."

Manche Vereine und Verbände wollen sich dieser Unternehmenslogik offenbar aber anschließen. Obwohl auch der DFB ablehnend dem Trend gegenüber steht, haben unter anderem Schalke 04, der HSV oder der VfL Wolfsburg inzwischen eine Sparte eSport mit Profis. Und auch Fußball-Zweitligist Holstein Kiel öffnet sich für den elektronischen Sport.

Symbolbild eSports © imago/Camera 4

Zur Sache: Ist eSport eine Sportart?

NDR 1 Welle Nord - Zur Sache -

Das Zocken ist längst nicht mehr nur eine Beschäftigung für Computernerds. Der eSport boomt und kämpft inzwischen um die Anerkennung als Sportart. Doch ist das sinnvoll?

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Wie auch immer man eSport bewertet: Fest steht, dass die Branche Millionen im Jahr verdient. Würden eSport als Sportart und die (eSport-)Vereine als "gemeinnützig" anerkannt, würde das dem Videospiele-Markt weiteren Aufschwung verschaffen - und auch dem ein oder anderen Profiklub mehr Geld in die Kasse spülen.

Gäste im Studio

Ist eSport nun eine Sportart oder nur ein großes Geschäft, das Jugendliche computersüchtig macht? Darüber sprach Moderator Michael Frömter mit Jana Möglich von der Initiative zur Förderung der Spielebranche in Schleswig-Holstein, dem Landtagsabgeordneten Rasmus Andresen (Bündnis 90/ Die Grünen) und Carsten Bauer vom Landesportverband. Mit dabei war auch Uli Tondorf von der Aktion Kinder- und Jugendschutz Schleswig-Holstein.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Zur Sache | 20.01.2019 | 18:05 Uhr

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