Stand: 22.11.2019 17:00 Uhr

Plattspots: Die besten Kurzfilme auf Platt 2019

von Lornz Lorenzen

Mal ehrlich, wer schaut sich freiwillig gerne Werbespots im Kino und Fernsehen an? Und dann noch über diese alte, wahrscheinlich bald aussterbende Sprache, die zu Liekedeler-Zeiten von Klaus Störtebeker vielleicht mal angesagt war? Und um genau solche Vorurteile zu bekämpfen und zu zeigen, wie lebendig und cool Plattdeutsch ist, dafür geht der Flensburger Kurzfilmwettbewerb "Plattspots" bereits in die dritte Runde. 24 Beiträge wurden in diesem Jahr eingeschickt. Einzige Bedingung: Die Filme durften nicht länger als drei Minuten sein und mussten Social-Media-tauglich sein. Elf Filme kamen in die engere Auswahl und liefen im Kino. Die überzeugendsten unter ihnen wurden am Freitag im Kino 51 Stufen in Flensburg ausgezeichnet.

VIDEO: "Plattspots" bei den Flensburger Kurzfilmtagen (3 Min)

Mini-Figuren aus Lego zum Leben erweckt

Unter den Wettbewerbsfilmen gab es sehr aufwendig gedrehte und animierte Produktionen. Bei "Platt Lävt" zum Beispiel wurden bildgewaltig Mini-Figuren aus Lego zum Leben erweckt. Die Flensburger Hauptpolizeiwache wurde für Dreharbeiten zu "Platter als die Polizei erlaubt" in Beschlag genommen und nach Omas Rezept ein "Heringssalat" im Stopp-Trick-Verfahren zubereitet. Doch in der diesjährigen Plattspots-Ausschreibung des Zentrums für Niederdeutsch und den Flensburger Kurzfilmtagen war explizit auch nach der besonderen Eignung für Social Media gefragt worden. Hier überzeugte "Das Beste an Platt" von Frank Jakobs die "Plattspots"-Jury auf ganzer Linie. Der Filmemacher aus Ostfriesland freute sich über ein Preisgeld von 500 Euro.

Schwarzer Humor wie bei Monty Python

Plattspots-Sieger Frank Jacobs nimmt den ersten Preis entgegen. © NDR Foto: Lornz Lorenzen
"Plattspots"-Sieger Frank Jacobs ist stolz auf die Auszeichnung, die ihm überreicht wurde.

Der Gewinner-Spot von Frank Jakobs geht ans Eingemachte: Aufblende, Vorspann, Dorfidylle und eine des Plattdeutschen unkundige Dame betritt das Bild. Sie fragt den Hauptdarsteller nach dem Weg. Dieser antwortet freundlich und hilfsbereit in seiner Muttersprache. Sie reagiert darauf "not amused", gestikuliert in die Kamera und sagt: "Das Beste an Platt ist, dass diese Sprache bald ausstirbt." Zwei Sekunden später wird sie von einem Auto überfahren. Hätte sie doch bloß nicht gelästert.

Bei der Herstellung seines kleinen, "bösen" Filmes legte der Filmemacher sichtbar großen Wert auf Minimalismus. So ließ der bekannte NDR Hörfunkreporter und "Hör mal‘n beten to"- Autor aus dem Studio Oldenburg seine Kamera vom Stativ aus in einer einzigen Einstellung durchlaufen und spielte dann selbst auch noch die Hauptrolle.

Plattdeutsch eine Stimme geben

Ganz wörtlich genommen hatten das die Filmemacherinnen Jette Jensen, Jennifer Geist, Lisa Hartmann und Darlene Ketelsen von der Hochschule Flensburg. In ihrem eindrucksvollen Werbetrailer ließen sie die niederdeutsche Sprache als selbstbewusste "Ich"-Erzählerin auftauchen.

Den 2. und 3. Platz gewannen Studenten der Hochschule Flensburg, hier mit Prof. Jim Lacy. © NDR Foto: Lornz Lorenzen
Den 2. und 3. Platz gewannen Studenten der Hochschule Flensburg, hier mit Prof. Jim Lacy.

Filmzitat: "Weil ich mehr bin als nur ein Teil der Geschichte. Weil ich mehr bin als eine vergessene Sprache. Denn ich bin ein Stück Heimat. Ich bringe die Generationen zusammen. Ich bin frisch wie die Brise der Nordsee … Ich bin Platt! Lern mich kennen."

Einen ganz anderen Weg die niederdeutsche Sprache zu promoten, schlugen die Studenten Marie Arnemann, Nik Behrendt, Lukas Fürstenwerth ein. Die Norddeutschen sind ja dafür bekannt, so ein gängiges Klischee, dass sie nicht gerne viele Worte machen. Welche Geschmacks- und Farbexplosion hinter einem beiläufig in den Bart gebrabbelten "Jo" stecken kann, das zeigte "Leuleckerland".

Werberolle für Platt

Wer die Kinovorführung im Rahmen der Flensburger Kurzfilmtage verpasst hat: Die ganze "Werbefilmrolle" für Plattdeutsch kann jetzt auch online geguckt werden. Da kann man sich dann selbst ein Bild davon machen, wie schwer es der "Plattspots"-Jury gefallen sein muss, aus diesen hoch kreativen, tricktechnisch teils sehr auswendig produzierten Kurzfilmperlen die Wettbewerbssieger auszuwählen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 22.11.2019 | 20:12 Uhr

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