Stand: 15.09.2022 10:40 Uhr

Kolumne: Hör mal 'n beten to "De afschätzige Blick"

Wer auf Reisen geht, kann etwas erleben. Und Matthias Stührwoldt sieht sich in Dänemark plötzlich mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert.

Mehrere Holzbretter in Regenbogen-Farben. © ismael juan salcedo / photocase.de Foto: ismael juan salcedo / photocase.de
AUDIO: De avschätzige Blick (2 Min)

"De afschätzige Blick"

Nülichst weer ik mit mien Fründ Achim spontan in Dänemark. Wi sünd dor hinföhrt för een Blues-Konzert. Weer een super Avend. Dat weer uns to wiet ton Trüchföhren, also hebbt wi dat nächste Hotel googelt un sünd dorhin.

Wi, twee Kerdls Mitte Föfftig, sünd also rin, ran an de Rezeption un hebbt seggt, dat wi gern een Doppelzimmer harrn, för eene Nacht. De Rezeptionistin keek uns een Oogenblick lang an, för mien Geschmack een beten to lang, un se keek so avschätzig, so kalkuleert dorbi, as wörr se sik so ehre Gedanken moken. Denn sä se, se möss mol even kieken, in ehr Computer, wat se noch een Stuuv frie harr för uns. Un se hau wat in ehre Tastatur.

Toleranz un Liberalität

Dat kann doch nich angahn, dach ik. Wi sünd in Dänemark, Skandinavien, berühmt för Toleranz un Liberalität, un denn warrt man scheev ankeken, wenn man twee Kerdls is un een Doppelzimmer hebben will? Homophobie oder wat? Hammer! Ik wull mi jüst opregen, dor sä se, joo, se harr noch eene Stuuv för uns, de letzte. Okay, sä ik, un lang mien Kreditkort röver. Von wegen de letzte, dach ik bi mi, Riesenhotel, blots een Handvull Autos vör de Döör, wat schall de Schiet? Aver vun nu an weer se heel fründlich un wünsch uns een goden Openthalt, un wenn wi Fraagen harrn, weren se ümmer för uns dor.

Evenerdige Dusche mit een klappbaren Duschstohl

Blabla, dach ik, un ümmer schön de Seep opheben, oder wat. Egol, Achim un ik güngen in uns Doppelzimmer. Schön, groote Fenster, mit Blick övert Feld. Un in de Baadstuuv een evenerdige Dusche mit een klappbaren Duschstohl an de Wand.Mit eenmol wörr mi wat klor, mit eenmol harr ik verstahn. Vun wegen Homophobie! De avschätzige Blick – se hett blots överleggt, wat wi ole Knackers noch in een Zimmer mit normale Dusche trech kemen oder wat wi evenerdig un klappbaren Duschstohl bröken. Süh, un se hett meent, altersgerecht weer beter för uns. Un denn hebbt wi dat letzte verfügbare Seniorenzimmer kregen! Dankbar schullen wi ween, dankbar! 

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Die plattdeutsche Morgenplauderei "Hör mal 'n beten to" gehört seit mehr als 60 Jahren zum Alltag in Norddeutschland. Hier werden die Wunderlichkeiten des Alltags betrachtet. So klingt es, wenn wir Norddeutschen uns selbst auf die Schippe nehmen - liebevoll bis spöttisch, selten mit dem Finger in schmerzenden Wunden, aber immer an Stellen, an denen wir kitzelig sind. Im Radio: werktags um 10.40 Uhr auf NDR 1 Welle Nord, um 10.40 Uhr auf NDR 90,3 und um 11.50 Uhr auf NDR 1 Niedersachsen.

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Junge Frau flüstert einem Mann etwas ins Ohr. © Fotolia.com Foto: olly

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Hör mal 'n beten to | 15.09.2022 | 10:40 Uhr

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