Sendedatum: 30.05.2014 20:05 Uhr Archiv

Auf einen Kaffee mit Timsen von Santiano

Santiano sind die Chartstürmer aus dem Norden. Ihre beiden Alben wurden mehrfach mit Platin ausgezeichnet. Ihre Songs liefen wochenlang in den Top 10. Zweimal hintereinander haben sie den Musik-Preis Echo abgeräumt. Und was macht Sänger und Gitarrist Hans-Timm Hinrichsen da vor einem Millionen-Fernsehpublikum auf der Bühne: Er bedankt sich - und zwar op Platt.

Timsen war auf Stippvisite in Kiel und hat unserem Binnenland und Waterkant-Reporter Lornz Lorenzen ein Interview gegeben. Er erzählt über Prominenz, die Liebe zum Meer und über die Wurzeln von Santiano. Wir haben für Sie Auszüge aus dem Interview auf hochdeutsch übersetzt. Das Ganze op Platt, hören Sie am Freitag, 30. Mai ab 20 Uhr in Binnenland und Waterkant.

Hochdeutsche Übersetzung vom Interview:

Hans-Timm Hinrichsen alias "Timsen" kommt mit seinem roten Audi 80 auf den Hof gefahren. Unser Reporter Lornz Lorenzen empfängt ihn zum Interview.

Lorenzen: Was ist das denn für ein Baujahr?

Timsen: Baujahr '92.

Lorenzen: Du könntest dir doch sicher ein anderes Auto leisten?

Timsen: Das meint ihr immer alle! Das wir uns die großen Autos leisten können. Soweit ist das auch nicht. Wir leben gut, aber kein Grund durchzudrehen.

Schönen Dank, dass du Zeit gefunden hast für uns - Ich dachte, wir gehen mal schön am Hafen spazieren.

Timsen: Eine Tasse Kaffee, ein bisschen schnacken, am Wasser. Ich bin dabei.

Lorenzen: Ihr seid vier Monate am Stück auf Tournee gewesen. Ihr habt Deutschlandweit mehr als 62 Konzerte gegeben, habt mehr als 200.000 Fans 'bespielt' - Mensch, ihr seid doch nicht mehr die Jüngsten!

Timsen: Nee, aber wenn man ein bisschen auf sich aufpasst und nicht jede Nacht bis morgens um Fünf säuft, dann kann man das schaffen. Aber sicherlich ist das anstrengend.

Lorenzen: Santiano, das ist ja so eine Schiffsgemeinschaft. Wer ist denn bei euch an Bord der Steuermann?

Timsen: Wir sind 'Liekedeeler' (haben alle gleich viel zu sagen) - aber natürlich, wenn du fünf Kapitäne an Bord hast, dann gibt es natürlich auch mal Meinungsverschiedenheiten. Das diskutieren wir dann aus.

Lorenzen: Wie wichtig ist dir hier am Kieler Hafen - jetzt legt ja gerade der Salondampfer ab - die 'See', das Meer?

Timsen: Als Schleswig-Holsteiner Jung, hast du ja immer das Gefühl, irgendwie am Wasser zu sein. Egal ob du in Groß-Bennebek, was ja auf dem Geestrücken liegt, aufwächst, oder direkt am Meer. Ich finde, das hat immer was von Fernweh. Raus, Weite - ich bin immer gern am Wasser gewesen.

Lorenzen: Nun legen die hier gleich ab. Das Schiff ist für eine Hochzeitsfeier gechartert. Da spielt eine Band an Bord. Wann bist du so das letzte Mal so vor kleinem Publikum aufgetreten?

Timsen: Ich habe ja mit meinem Bruder Lui als 'Timsen und Lui' auf Hochzeitsgesellschaften gespielt. Wir beide rein in den Saal - alle drehen durch. Gib Gas, jetzt singen wir! 'Hamburger Veermaster' und so. Drei, vier Jahre ist das wohl her. Bei uns privat auf Festen, wenn Mutter 80 wird oder Konfirmation ist, da habe ich viel mehr 'Schiss' als wenn wir zum Beispiel vor 8.000 Menschen in der Ostseehalle spielen.

Lorenzen: Du hast ja von zuhause einiges an Talenten geerbt: Du singst, du spielst Schlagzeug, Bass, Gitarre. Eine wichtige Rolle spielt deine Mutter, oder?

Timsen: Ja, meine Mutter hat immer Klavier gespielt. Sie hat früher zu Kriegszeiten schon Unterricht gehabt. Als Kinder hatten wir ein Klavier im Schlafzimmer und da hat sie uns tatsächlich öfter etwas vorgespielt. Da kommt so meine Musikalität her, obwohl mein Vater auch sehr gut singen konnte.

Lorenzen: Wie bei der Kelly Family? 

Timsen: Also wir drei Brüder haben zusammen musiziert.  Und in der Weihnachtszeit haben wir Weihnachtslieder miteinander gesungen. Rumgezogen, wie die Kelly Family, sind wir nicht. Wir haben uns auch nicht in die Fußgängerzonen gestellt und haben Geld im Hut gesammelt.

Lorenzen: Was hast du denn da in dem 350 Einwohner Dorf Alt-Bennebek überhaupt machen können als junger Kerl ?

Timsen: Fußball spielen.

Lorenzen: Warst du denn torgefährlich?

Timsen: Weißt du was? Ich bin der einzige gewesen, der keine Tore geschossen hat. Die anderen haben jeden Trulla-Ball verwandelt. Ich mache 'ne Bombe wie der Rainer Bohnhof in den 70ern. Nix!

Unser Reporter und Timsen sitzen im Café am Hafen. Die Bedienung fragt nach der Bestellung. Timsen weiß, was er will: Er liebt schwarzen, nichts als schwarzen Kaffee.

Lorenzen: Jetzt könnten ja auch Leute kommen und nach Autogrammen fragen!

Timsen:  Ja, kann sein. Aber was wirklich anders ist: Wenn ich jetzt mit dem Kaffee in der Gegend rumspritze - wäre dass jetzt vor ein paar Jahren egal gewesen. Und nu? Ist das nun auch egal, oder ist das nun interessant, weil Timsen von Santiano den Kaffee umgekippt hat?

Lorenzen: Das Schiff Santiano. Wohin segelt das ?

Timsen: Bis ans Ende des Universums ... Nee, wir fahren immer auf Sicht. Wir haben ja selber gedacht: Dann singen wir mal über die Seefahrt, mixen Seemannslieder mit Irish Folk und was weiß ich nicht alles und gucken dann mal, was dabei herauskommt. Aber dass das so abgeht, damit konnten wir einfach nicht rechnen.

Das Interview führte Lornz Lorenzen.

Das Bandmitglied der Gruppe Santiano Hans-Timm Hinrichsen im Gespräch mit Lornz Lorenzen © NDR Foto: Christian Knöppel

AUDIO: Das Interview op Platt zum Nachhören (5 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 30.05.2014 | 20:05 Uhr

Livestream NDR 1 Welle Nord

Musik XXL

18:00 - 22:00 Uhr
Live hörenTitelliste