Sendedatum: 17.07.2019 20:45 Uhr

Der Online-Wochenmarkt

von Lina Bande

Mittwochnachmittag im Anscharpark im Kieler Stadtteil Wik. Seit vier Wochen gibt es hier, direkt gegenüber der Petruskirche, einen neuen Wochenmarkt. Oder zumindest so eine Art Wochenmarkt. Denn spontan einkaufen kann man hier nicht. Die Kunden haben bereits im Internet ausgesucht, was sie haben möchten - und auch schon bezahlt. Das ist das Konzept der Marktschwärmer: Regionale Produkte im Online-Shop kaufen und einmal in der Woche auf dem Markt direkt beim Erzeuger abholen. Transparenz, Regionalität und Nachhaltigkeit verknüpft mit einer bequemen Bestellung im Internet - ein Wochenmarkt 2.0.

Marktschwärmerei im Anscharpark

Marktschwärmen statt Supermarkt

Die Marktschwärmer sind 2011 in Frankreich entstanden. Dort gibt es mehr als 800 Märkte dieser Art. In Deutschland sind es derzeit 61 - in Schleswig-Holstein gibt es bisher nur zwei. Beide im Kieler Stadtgebiet. Und beide auf Initiative von Nele Markwardt. Anfang 2017 eröffnete die Studentin im Mmhio-Café im Knooper Weg die erste Marktschwärmerei. "Ich habe in der Zeitung vom Konzept gelesen. Zu der Zeit entstanden in Kiel gerade viele Projekte zum Thema Nachhaltigkeit. Da wollte ich gerne mitmachen." Die Erzeuger hat sie alle selbst ausgesucht - von Milchprodukten über Fleisch, Gemüse, Eier, Blumen bis zu Feinkost gibt es bis zu 400 Produkte an den beiden Kieler Standorten. Manches in Bio-Qualität, manches nicht. "Das Ziel soll sein, den Gang zum Supermarkt zu ersetzen. Hier bekommt man hochwertige Lebensmittel, bei denen man auch direkt fragen kann: Was ist da drin, wo kommt das her?", sagt die Studentin.

Einkaufen nach Feierabend

Weil das Wetter so schön ist, baut Nele Markwardt die vier kleinen Tische heute draußen auf. Bei schlechtem Wetter darf sie auch die Räume in Haus 1 des Anscharparks nutzen. Die Erzeuger bringen die Bestellungen schon fertig abgepackt mit - in Papiertüten, Gemüsekisten oder Kühlboxen. Die Kunden kommen einfach mit ihren Bestelllisten auf dem Handy zum Markt. Eineinhalb Stunden ist der Markt für die Abholung geöffnet, zur Feierabendzeit. Genau das schätzen die Kunden, so wie Nora, die direkt in der Nachbarschaft des Marktes wohnt. "Das passt für mich hier viel besser von der Uhrzeit her. Ich kann das machen, wenn ich nach Hause komme.", sagt sie. Ihr Korb ist gefüllt mit Zucchini, Bohnen, Roter Bete und Kartoffeln. Nebenan, am Stand von Gemüsehändler Jochen Höft aus Schleswig, holen sich Kunden gerade Tipps zur Zubereitung der Bohnen ab.

Bestellte Waren bereits vorbereitet auf dem Marktschwärmer-Markt. © NDR Foto: Lina Bande

Marktschwärmerei in Kiel Wik

NDR 1 Welle Nord - Von Binnenland und Waterkant -

Seit 2011 gibt es die Marktschwärmer. Entstanden sind sie in Frankreich. In Deutschland gibt es derzeit 61 Märkte - in Schleswig-Holstein zwei. Beide im Kieler Stadtgebiet.

5 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Lohnend auch für kleine Händler

Die Kühlkisten von Janne Rehder aus Boksee sind schon fast leer. Er hat einen Ziegenhof, bietet auf den beiden Märkten aber auch Galloway-Fleisch an. Der Stand der Marktschwärmer bedeutet für ihn deutlich mehr Aufwand, das gibt er gerne zu. Bestellungen raussuchen, abpacken, beschriften, verteilen. "Aber da wir mit unseren Produkten nicht selbst auf dem Wochenmarkt stehen, sondern nur Händler beliefern, ist das eine Möglichkeit, auch mal direkt an die Kunden ranzutreten.", meint er. Und so lohne sich auch ein kleiner Bestand: "Ich brauche beim Wochenmarkthändler nicht ankommen und sagen 'Ich hab hier zwei Gläser Wurst'. Das kann ich hier aber sehr wohl mit einstellen und was verkauft ist, ist verkauft." Außerdem können die Erzeuger auf diese Weise das Gemüse auf Bestellung frisch ernten und nur das mitbringen, was sie auch wirklich loswerden - weniger Reste, weniger Müll.

Markt entwickelt sich noch

So etwa 40 Bestellungen pro Markttag im Anscharpark hat Nele Markwardt im Moment. "Jetzt nach vier Wochen und für die Sommerferien ist das voll okay.", meint die Studentin. Auf Dauer sollen noch mehr Händler dazukommen. Und der neue Markt spricht sich in der Nachbarschaft auch gerade erst rum. Bei der Verteilung am Mittwoch kamen viele Interessierte vorbei, um sich den Markt mal anzuschauen. Volle Einkaufskörbe können sie dann aber frühestens in der nächsten Woche mit nach Hause nehmen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 17.07.2019 | 20:45 Uhr