Sendedatum: 20.04.2020 16:40 Uhr

Mit dem Wohnmobil quer durch Europa während Corona

Es war ein schöner Plan, den das Ehepaar Bärbel und Sigi Boldt Anfang März hatte. Mit dem Wohnmobil quer durch Europa, um dann mit Ausblick auf die Akropolis gutes Essen und griechischen Wein zu genießen. Das wäre sicherlich auch alles so gekommen, wenn sich das Coronavirus nicht plötzlich auch in Europa so stark verbreitet hätte. So steckten die beiden Kieler in Griechenland fest und durften ihren Stellplatz nicht mehr verlassen.

Lieber Wohnmobil als Flugzeug

Es folgten drei Wochen, in denen sie auf einem Campingplatz in der Nähe von Korinth festsaßen. Eine Rückreise mit dem Flugzeug und das Wohnmobil dort zurücklassen, kam für die beiden nicht in Frage. Die Wartezeit in Griechenland war einerseits aufreibend, andererseits bekamen die Boldts aber auch viel Unterstützung von den Einheimischen, wie Bärbel verrät: "Die Menschen waren alle wahnsinnig nett, wir wurden zum Kaffee eingeladen und an unserem Stellplatz wurden wir sogar bekocht." Mitte vergangener Woche kam dann die erlösende Nachricht. Familie Boldt durfte zurück in die Heimat fahren. Und das, obwohl eigentlich noch bis zum 27. April eine Ausgangssperre in Griechenland besteht.

Papierkram: Non capisco niente

Bild vergrößern
Bevor es für die Boldts und viele andere Reisende auf die Fähre nach Ancona ging, war einiges zu erledigen.

Doch bevor die Boldts endlich die Rückreise antreten konnten, musste jede Menge Papierkram erledigt werden. Für die Einreise nach Italien sollten zahlreiche Dokumente ausgefüllt werden. Diese waren allerdings auf Italienisch. Keine leichte Aufgabe, wie Bärbel Boldt mit einem Lachen in der Stimme erzählt: "Die haben wir mit dem Handy übersetzt, das war teilweise recht zäh." Mit den ausgefüllten Papieren im Wohnmobil ging die Reise los. Die Boldts setzten mit anderen Reisenden aus Deutschland, Frankreich und einigen Briten zunächst auf das italienische Festland über.

Fährfahrt keine "faire Fahrt"

Bärbel Boldt erinnert sich nicht gerne an diese 19-stündige Fahrt zurück: "Die Fähre war eine Zumutung, es gab in unserer Kabine nur ein Handtuch für uns beide und sauber war sie auch nicht wirklich." Doppelt ärgerlich, denn obwohl die Boldts schon eine Rückfahrt mit einer Fähre gebucht hatten, mussten sie nachzahlen. Für die eigentliche Hin- und Rückfahrt hatten sie bereits 500 Euro an dieselbe Reederei bezahlt, jetzt wurden noch mal 460 Euro zusätzlich fällig. "Man merkte schon, dass unsere Notlage ausgenutzt wird, aber was sollte man tun?", ärgert sie sich im Nachhinein schon ein wenig. Etwas seltsam empfand sie auch die letzten drei Stunden der Fahrt: "Plötzlich mussten wir alle in einen Raum. Dort wurde bei einigen Fieber gemessen. Abstand halten war dort nicht mehr wirklich möglich". Sie war daher froh, als das Schiff im italienischen Ancona anlegte.

Familie Boldt posiert vor ihrem Wohnmobil in Bayern  Foto: Bärbel Boldt

Familie Boldt mit Wohnmobil unterwegs

NDR 1 Welle Nord - Der Nachmittag -

Bärbel und Sigi Boldt wollten mit dem Wohnmobil quer durch Europa. Doch daraus wurde nichts, denn Corona kam ihnen in die Quere. Dann steckten sie wochenlang in Griechenland fest.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Kaum in Deutschland kommt die Polizei

Dort angekommen wollte dann aber keiner die vorher ausgefüllten Dokumente sehen und so ging es auf leeren Autobahnen mit dem Wohnmobil direkt weiter Richtung Heimat. Vorbei an wunderschönen Bergen, Seen und Schlössern in Österreich bis zu ihrer ersten Übernachtung in Deutschland. "Wir durften in Füssen auf dem Gelände einer Brauerei stehen, die hatten wir auf dem Hinweg schon besucht", erzählt Bärbel Boldt. Der nächsten Morgen begann mit einer Überraschung, die Bayrische Polizei kontrollierte das Paar. Zum Glück hatten sie alle Dokumente ausgefüllt und eine verhältnismäßig problemlose Verständigung war ja auch wieder möglich.

Letzte Etappe zur Familie

So ging es also weiter nach Schleswig-Holstein, wo die Kieler bereits sehnsüchtig von ihrer Familie erwartet werden. Sehen können Bärbel und Sigi ihre fünf Enkelkinder aber nicht so schnell, denn die beiden werden sich zunächst 14 Tage in Quarantäne begeben. "Wir haben einen großen Garten, da wird uns nicht langweilig" freut sich Bärbel Boldt ein wenig. Wobei ein wenig Langeweile nach dieser Tour wahrscheinlich auch eine willkommene Abwechslung wäre. Mit dem Wohnmobil werden die Boldts übrigens auch weiterhin auf Tour sein, schließlich machen sie das schon seit 30 Jahren gemeinsam. Wobei der Griechenland-Trip in diesem Jahr sicherlich der bemerkenswerteste des Ehepaars war.

Weitere Informationen

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 20.04.2020 | 16:40 Uhr