Umfrage zur WM in Katar: Mehrheit im Norden für Boykott

Stand: 18.11.2022 11:32 Uhr

Die Fußball-WM in Katar ist umstritten. Anschauen oder boykottieren? Die Meinungen darüber gehen auseinander, auch in der #NDRfragt-Community.

Kurz vor dem WM-Eröffnungsspiel in Doha scheint es, als wäre die Sache klar: Nur ein Viertel der #NDRfragt-Mitglieder, gibt an, die WM-Spiele verfolgen zu wollen. Das gilt für diejenigen, die an Fußball interessiert sind. Aber ob die Bildschirme wirklich mehrheitlich dunkel bleiben, wenn es in Katar um den Weltmeistertitel geht, ist fraglich. Denn viele sind noch unentschlossen. Mit 25 Prozent ist der Anteil derer, die "Ich weiß es noch nicht" geantwortet haben, erstaunlich hoch.

Viele User*innen sehen das Problem auch differenziert:

"Wenn die WM nur in Länder mit einer blütenweißen Weste vergeben würde, gäbe es kaum Austragungsorte. Vielmehr sollten solche Veranstaltungen genutzt werden, um in den Dialog zu kommen. Einen Dialog ohne erhobenen Zeigefinger." #NDRfragt-Teilnehmer Christoph aus Schleswig-Holstein

Unterschiede zwischen den Nord-Bundesländern

Bemerkenswert sind die Unterschiede zwischen den Nordländern: So sagen in Hamburg drei von fünf der an Fußball interessierten Befragten, dass sie die WM nicht anschauen werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind es weniger: Dort wollen nur zwei von fünf Befragten die Spiele nicht verfolgen.

Übrigens: Die Umfragen von #NDRfragt sind zwar nicht repräsentativ, stehen aber für die Meinungen einer großen und wachsenden Zahl von Norddeutschen. Wir gewichten die Antworten statistisch, damit #NDRfragt so gut wie möglich die Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland widerspiegelt.

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Das Logo von #NDRfragt © Getty Images | iStockphoto Foto: BongkarnThanyakij

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Mehrheit gegen Austragung in Katar - und für Boykott

Mehr als 90 Prozent der #NDRfragt-Community lehnen die FIFA-Entscheidung für Katar als Gastgeberland der Fußball-WM ab. Die umstrittene WM-Vergabe ist Anlass für mehrere Fan-Organisationen zu einem kompletten Boykott der WM aufzurufen. Unter den fußballinteressierten #NDRfragt-Umfrageteilnehmern sprechen sich knapp drei Viertel für einen Boykott aus. Vielen ist es dabei wichtig, klar und deutlich Position zu beziehen:

"Wenn der DFB schon zu feige für einen Boykott ist, dann sollte wenigstens die Bevölkerung zeigen, wie es geht." #NDRfragt-Teilnehmer Joachim aus Niedersachsen

Menschenrechtslage und WM-Vergabe in der Kritik

#NDRfragt-Mitglieder, die die FIFA-Entscheidung für Katar falsch finden, haben wir nach ihren Gründen gefragt. Am häufigsten wurden menschenunwürdige Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien (79 Prozent) und die Menschenrechtslage im Gastgeberland allgemein (78 Prozent) genannt. Viele haben auch den Eindruck, dass es bei der WM-Vergabe vor allem ums Geld ging (77 Prozent).

WM im Winter ist nachrangiges Problem

Es ist das erste Mal, dass eine Fußball-WM im Nordhalbkugel-Winter ausgetragen wird. Damit wird mit WM-Traditionen gebrochen, die viele bereits aus ihrer Kindheit kennen. Gesellige Grillabende und Public Viewing auf öffentlichen Plätzen an lauen Sommerabenden fallen diesmal aus. Diese Tatsache spielt allerdings bei den Gründen gegen Katar als Austragungsort eine eher geringe Rolle.

Geringes Interesse an Public Viewings und Kneipenbesuchen

Dennoch: Kaum jemand aus der #NDRfragt-Community plant, die Spiele der anstehenden Winter-WM bei öffentlichen Spielübertragungen anzuschauen. Nur elf Prozent der Fußballinteressierten wollen die Spiele in Kneipen oder bei Public Viewings verfolgen. Viele Mitglieder der #NDRfragt-Community können sich nicht vorstellen, die WM ausgelassen auf der Straße zu feiern:

"Es wäre schön, wenn wir Deutschen ein Zeichen setzen könnten und diese WM nicht in der Öffentlichkeit feiern würden. Solche Bilder bestärken das Regime in Katar nur. Wenn überhaupt, schaue ich mir die Spiele unserer Mannschaft still und heimlich zu Hause an." #NDRfragt-Teilnehmerin Andrea aus Mecklenburg-Vorpommern

Sportberichterstattung im NDR von Mehrheit gewünscht

Trotz der grundsätzlichen Kritik an der WM in Katar wollen nur 16 Prozent, dass der NDR gar nicht über die Spiele berichtet. 55 Prozent wünschen sich, dass über die Spielergebnisse berichtet wird und 47 Prozent wünschen sich Berichterstattung zur politischen Situation in Katar.

Befragte sehen Chance auf deutschen WM-Titel bei fast null

Sowohl unter den Fußballinteressierten als auch unter den Nicht-Fußballinteressierten sind es nur drei Prozent, die glauben, dass die deutsche Elf den WM-Titel holen wird. Gut 60 Prozent meinen hingegen, dass die Mannschaft unter der Führung von Bundestrainer Hansi Flick spätestens im Viertelfinale ausscheidet. Besonders pessimistisch sind die Nicht-Fußballinteressierten. Hier tippen 30 Prozent auf ein Ausscheiden schon in der Gruppenphase.

Das sagt die #NDRfragt-Community

Viele der #NDRfragt-Community-Mitglieder haben ihre Gedanken und Meinungen schriftlich mitgeteilt. Hier eine kleine Auswahl der Stimmen, die uns erreicht haben.

#NDRfragt-Gemeinschaft: Bereits mehr als 14.000 Mitglieder

Die NDR Umfrage-Gemeinschaft #NDRfragt gibt es seit Ende Oktober. Mehr als 14.000 Norddeutsche haben sich inzwischen angemeldet. #NDRfragt ist das Meinungsbarometer für den Norden. Wer noch nicht dabei ist, aber mitmachen will, kann sich registrieren und an den Umfragen teilnehmen. Mitglied kann werden, wer in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg oder Bremen wohnt und mindestens 16 Jahre alt ist.

Über diese Befragung

Die Antworten stammen aus der Umfrage "Fußball-WM in Katar - anschauen oder boykottieren?", an der sich 10.115 Norddeutsche beteiligt haben.

Für die Ergebnisse wurden Antworten ausgewertet, die vom 11.11.2022 bis zum 17.11.2022 um 08:00 Uhr abgegeben wurden. An den Umfragen von #NDRfragt nehmen Menschen aus Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Bremen teil. Die Umfragen werden online ausgefüllt.

Die Ergebnisse der Befragung sind nicht repräsentativ. Wir haben sie allerdings nach den statistischen Merkmalen Alter, Geschlecht, Bundesland und Schulabschluss gewichtet. Das heißt: Antworten von Bevölkerungsgruppen, die unter den Befragten seltener vertreten sind als in der norddeutschen Bevölkerung, fließen stärker gewichtet in die Umfrageergebnisse ein. Und die Antworten von in der Befragung überrepräsentierten Gruppen werden schwächer gewichtet. Insgesamt verteilen sich die Antworten dann am Ende eher so, wie es der tatsächlichen Verteilung der Bevölkerungsgruppen in Norddeutschland entspricht.

Aufgrund von Rundungen und Antwortoptionen wie "Sonstige" oder "keine Angabe" kann es vorkommen, dass die Prozentwerte bei einzelnen Fragen zusammengerechnet nicht exakt 100 ergeben.

 

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Eine junge Frau hält sich eine Konservendose ans Ohr, aus der ein Strick herausragt. © Photocase Foto: David Dieschburg

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Und jetzt kommen Sie! | 19.11.2022 | 10:00 Uhr