Wie geht das?

Wie geht das? Bis ein Windrad sich dreht - Kleben, Heben, Schrauben - Millimeterarbeit

Freitag, 12. Juli 2019, 02:00 bis 02:30 Uhr

Ein Mann in Warnweste steht an einem Windrad-Rotorblatt, das gerade montiert wird

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Starker Wind bereitet Andreas Tyl, dem Bauleiter des Windparks Kambs in der Nähe von Bützow, Sorgen. Weht der Wind stärker als neun Meter pro Sekunde, können die riesengroßen Windanlagenteile, wenn sie mit dem Kran hochgezogen werden, zu sehr in Bewegung geraten. Bereits jetzt sind er und sein Team drei Wochen in Verzug. Zwei Turmteile, das Maschinenhaus und ein Rotorblatt-Set müssen die Männer pro Anlage aufbauen.

Kambs ist sehr windig und somit das ideale Areal für die alternative Stromerzeugung. Sechs Anlagen waren bis Ende März geplant. Doch was später gut ist, ist nun hinderlich: der Wind.

Die Windparkbauer müssen gewaltige Gewichte transportieren, hieven und verschrauben. Allein ein Turmsegment wiegt 50 Tonnen. Ein ganzes Windrad um die 1.250 Tonnen. Wenn alles gut läuft, brauchen die Männer für die Errichtung eines Windrades drei Tage. Die Anlagen in Kambs sind 150 Meter hoch, allein ein Rotorblatt misst 58 Meter. Ihre Kollegen im Rostocker Fertigungswerk bauen neuerdings auch 65 Meter lange Rotorblätter.

Millimeterarbeit für sauberen Strom

Jedes Rotorblatt besteht aus zwei Schalen, welche aus etlichen Lagen Glas- und Kohlefasern bestehen. Diese werden übereinander gelegt, in Form gebracht, mit flüssigem Harz durchtränkt und zirka sieben Stunden bei 80°C gebacken. Das wichtigste an diesem Vorgang ist, dass die Glasfaserschichten vorher vakuumiert werden. Die Rotorblätter dürfen keine Lufteinschlüsse haben. Andernfalls würden sie sehr schnell kaputt gehen. Im Werk werden pro Tag im Schnitt zwei Rotorblätter gefertigt.

Schweres Material und sensible Technik

Die Maschinenhäuser und Getriebestränge werden in einem zweiten Rostocker Werk gefertigt. Auch hier bewegen sich tonnenschwere Einzelteile durch die Werkshallen. Für jeden Schritt der Linienfertigung haben die Mitarbeiter drei Stunden Zeit und können den Countdown auf einem Monitor verfolgen. Maschinenhaus und Rotorblatt werden vor Ort in einer Trockenübung getestet. Hier zeigt sich, ob das schwere Material mit der sensiblen Technik harmoniert.

Die Männer der Spedition arbeiten stets in der Nachtschicht. Denn am Tag dürfen Schwerlasttransporter nicht fahren. Daher sind sie ab 22 Uhr mit Polizeibegleitung unterwegs und transportieren die Turmteile und Rotorblätter zu den Baustellen.

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Autor/in
Anke Riedel
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Redaktion
Birgit Müller