Weltbilder

Weltbilder spezial - Pressefreiheit

Dienstag, 30. April 2019, 23:30 bis 00:00 Uhr
Donnerstag, 02. Mai 2019, 01:45 bis 02:15 Uhr
Samstag, 04. Mai 2019, 12:45 bis 13:15 Uhr

Weltbilder-Moderatorin Julia-Niharika Sen

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Wie frei ist die Presse weltweit?

Demokratie ohne Pressefreiheit ist undenkbar. Doch wie steht es um die Pressefreiheit weltweit? Unsere Korrespondenten geben Einblicke in die Situation in ihren Berichtsgebieten. mehr

Am 3. Mai ist der Internationale Tag der Pressefreiheit, der seit 1994 jedes Jahr an diesem Datum stattfindet. In der Weltbilder spezial-Ausgabe berichten Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten, wie es weltweit um die Pressefreiheit steht. Im Fokus steht die Situation in Europa. Dabei geht es unter anderem sowohl um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am Beispiel von Dänemark als auch um die Zeitungslandschaft am Beispiel von Tschechien und Ungarn. Darüber hinaus gibt es Berichte aus Myanmar, China und den USA.

USA: Trumps Angriff auf die Medien

Noch immer verfügen die USA über eine Fülle an Fernseh- und Hörfunkkanälen, Printpublikationen und Nachrichtenportalen. Doch die Medien erleben eine vom Präsidenten angefachte Glaubwürdigkeitskrise. Vor allem über seinen Hauskanal, das erzkonservative FoxNews, zieht Donald Trump gegen den angeblich notorisch liberalen Mainstream zu Felde: "Ich bin im Krieg mit den Medien - Sie sind die Feinde des Volkes!" Wie fühlen sich die sogenannten Feinde des Volkes? Wir besuchen angehende Journalisten an der Universität von Maryland. Die häufigen Herabwürdigungen und Beleidigungen von Reportern durch den Präsidenten sind nicht spurlos an den jungen Leuten vorbeigegangen. Trumps Medienschelte macht sie wütend. "Als Journalist rollst du erst mal mit den Augen wenn du fake news hörst und wie jemand deinen Beruf herabwürdigt. Aber du kannst Trumps Worte nicht einfach ignorieren, weil sie einen erheblichen Einfluss haben darauf, wie die Leute im Land Nachrichten wahrnehmen", sagt Noah Fortson, Student an der Universität von Maryland. Gene Policinski vom Freedom Forum Institute erklärt: "Nicht normal sind die dummen Bemerkungen des Präsidenten, die Presse seien Feinde des Volkes. Trumps Phrasen sind aggressiv, aber er ist nun mal Präsident der USA. Und das trägt dazu bei, dass Menschen in Frage stellen, was die Medien machen. Aber ehrlich gesagt: wir haben immer noch unsere starken Gesetze. Deshalb sind wir in Sachen Pressefreiheit noch grün. Beschriebe die Karte verbale Angriffe wären wir vermutlich rot!" Ob Berufsanfänger oder Reporterveteranen - Trumps Angriffe auf die Medien mobilisieren viele Journalisten, ihre Arbeit und Amerikas Pressefreiheit aktiv zu verteidigen. Getreu dem von der Washington Post geprägten Motto: Demokratie stirbt in der Finsternis.
Autor: Stefan Niemann

Europa: Journalisten unter Druck

Für viele Journalisten in Europa ist die Arbeit gefährlich geworden. Sie werden verbal, aber auch körperlich angegriffen. Vor allem in Ländern, in denen Rechtspopulisten in der Regierung sitzen, werden Mitarbeiter des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu Feinden stilisiert und sollen mundtot gemacht werden. In Österreich von der FPÖ, aber auch in Ungarn. Der öffentliche Sender MTVA wurde dort durch Personalum- und abbau auf Orban-Linie gebracht, sodass nur noch regierungstreu berichtet wird. Die Stimmung gegen die Medien hat sich grundsätzlich sehr verändert in den vergangenen Jahren. Sie ist brutaler geworden. Gefährlicher ist es vor allem auch für Investigativjournalisten, die korrupte Strukturen aufdecken: Auf Malta, aber auch in der Slowakei und in Bulgarien wurden Reporter ermordet, weil sie unabhängig recherchiert und berichtet haben.
Autorin: Caroline Schmidt

Tschechien/Slowakei: Neuanfang nach Journalistenmord

Sie habe keine Angst - doch sie sei vorsichtiger geworden, sagt Pavla Holcova. Die 38-Jährige hat eng mit dem ermordeten slowakischen Journalisten Jan Kuciak zusammengearbeitet. Nach Kuciaks Tod stand sie vorübergehend unter Polizeischutz. In Prag hat Pavla Holcova das Zentrum für investigativen Journalismus mitgegründet , den tschechischen Teil eines unabhängigen internationalen Investigativ-Netzes. Journalisten beklagen die Medienkonzentration in den Händen von Oligarchen und Politikern. Dem tschechischen Premier gehören in Tschechien de facto zwei der größten Tageszeitungen. Viele Redakteure haben deshalb gekündigt. Einige engagieren sich jetzt in neu entstehenden Medien, die unabhängig berichten wollen.
Autor: Danko Handrik

China: Unterbindung kritischer Berichterstattung

Die Arbeit der ausländischen Journalisten hat sich seit Präsident Xis Machtantritt vor sechs Jahren stetig verschlechtert. Das zeigt die aktuelle Umfrage des Clubs der Auslandskorrespondenten. Die Reporter seien "Under Watch" - unter Beobachtung - erklärt deren Präsidentin Hanna Sahlberg: "Wir werden oft gesehen als 'ausländische Agenten' - und das beeinflusst, wie wir hier behandelt werden, wie eine Bedrohung. Wir sind nicht private Medien oder unabhängige Journalisten, ein solches Konzept gibt es in China nicht." In China sind sämtliche Medien fest in den Händen der Staatspartei. Abweichende Meinung von der vorgegebenen Linie dürfen in den Parteiorganen nicht publiziert werden. Wenn Staatspräsident Xi "seine" Medienunternehmen besucht, ist auf Plakaten der sogenannten "Journalisten" zu lesen: "Wir hören auf die Anweisungen der Kommunistischen Partei". Die Führung der Kommunistischen Partei duldet weder Widerspruch noch Kritik an ihrem Kurs. Und auch ausländische Journalisten werden gegängelt. NDR-China-Korrespondent Michael Storfner zeigt, wie schwer es ist, in einer Diktatur an "echte" Informationen zu kommen.
Autor: Michael Storfner

Myanmar: Kritische Reporter im Gefängnis

Sieben Jahre sollen zwei Reporter der Nachrichtenagentur Reuters in Myanmar im Gefängnis bleiben. Die Journalisten hatten sich mit dem gewaltsamen Vorgehen gegen die muslimischen Rohingya beschäftigt als sie 2017 festgenommen wurden. Sie wollten einen Artikel verfassen über die Ermordung von zehn Männern und Jugendlichen dieser Volksgruppe. Sie selbst sagen, dass sie absichtlich in eine Falle gelockt worden seien bei der Übergabe von Dokumenten. Reuters veröffentlichte kurze Zeit später die Recherchen der Journalisten. Die Militärs räumen daraufhin sogar ein, dass die Recherchen der Wahrheit entsprechen. Aber das führte nicht zur Freilassung der Reporter: Gerade erst hat ein Gericht das Urteil bestätigt.
Autorin: Sandra Ratzow

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