Weltbilder

Weltbilder Spezial - Zwischen Lockerung und Lockdown

Dienstag, 28. April 2020, 23:45 bis 00:15 Uhr
Donnerstag, 30. April 2020, 01:50 bis 02:20 Uhr

Mit dem Öffnen von Geschäften hat in Deutschland eine neue Phase begonnen, die von vielen Menschen mit Erleichterung aufgenommen wird. Zugleich gibt es Sorge, ob sich Covid-19 nun wieder schneller verbreiten wird. Die Weltbilder blicken in die Welt: Wie gehen andere Länder mit dem wochenlangen Corona-Lockdown um? Was können wir lernen über den Umgang mit Corona? Unsere Korrespondenten aus Singapur, China, Italien, Großbritannien und Brasilien berichten.

Großbritannien: Premier Johnson meldet sich zurück

Premierminister Boris Johnson ist fast wieder gesund. Erstmals seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus hat er sich jetzt öffentlich geäußert. Das Virus nannte er dabei "einen Straßenräuber, den man gemeinsam zu Boden werfen müsse." Wie genau das gelingen soll, muss Johnson jetzt zeigen. Auf ihn warten jede Menge Termine, beispielsweise die erste virtuelle Parlamentssitzung mit dem neuen oppositionellen Labour-Chef Keir Starmer. Mitten in der Corona-Krise muss er sich irgendwie um den Brexit kümmern, vor allem aber um das marode und überlastete Gesundheitssystem. Am meisten drängt eines: Es mangelt noch immer an ausreichend Corona-Schutzkleidung.
Autor: Sven Lohmann

Italien: Vorsichtige Hoffnung in Bergamo

"Das Virus, das sich gerade in der Welt verbreitet, war in mich hineingeschlichen, hinterhältig, unsichtbar und blutrünstig. Wilder als ein Tier in der Savanne, giftiger als eine Schlange der Wüste, leiser als ein Dieb in der Nacht", sagt es Flavio Moro. Er hat Covid-19, lag auf der Intensivstation, wurde entlassen, als er noch nicht wieder ganz gesund war. Jetzt lebt er seit drei Wochen in Quarantäne zu Hause, isoliert, alleine. Seine Frau bringt ihm dreimal am Tag das Essen. Überall im Norden Italiens, wo das Virus besonders gewütet hat, wünschen sich die Menschen ihr altes Leben zurück, ein bisschen Normalität und Alltag. Und tatsächlich gibt es erste Zeichen der Hoffnung.
Autorin: Ellen Trapp

China: Wuhan nach der Quarantäne                         

76 Tage stand Wuhan still: Massen-Quarantäne, elf Millionen Einwohner in Isolation. Nun kommt ganz langsam das Leben zurück. Doch was macht es mit den Menschen, mit einer Gesellschaft, wenn sie so lange eingesperrt sind? Professor Peng Kaiping vergleicht die Zeit mit der eines Krieges - viele kehren mit tiefen Narben zurück. Der Dekan der renommierten Tsinghua Universität befürchtet Langzeitfolgen: "Allein durch die Quarantäne werden viele mit posttraumatischer Belastungsstörung kämpfen müssen." Während der Krise entstanden über 600 Telefonhotlines. Eine davon hat die Psychotherapeutin Du Mingjun gegründet. Inzwischen hat sie ein Netzwerk von über 250 Kollegen aufgebaut, die Tag und Nacht den Sorgen der Menschen zuhören. Du Mingjun hat viele Menschen über eine lange Zeit betreut. Sie sieht auch Positives: "Die Menschen setzen jetzt andere Prioritäten. Das direkte Umfeld bekommt eine neue Bedeutung, Nachbarn sind plötzlich wichtig. So etwas wird bleiben."
Autorin: Tamara Anthony

China: Neue Normalität in Peking

Die Regierung in Peking versucht glauben zu machen, dass sie das Virus vollständig im Griff hat. Aber wie ist der Alltag der Menschen wirklich, beispielsweise rund um Chinas Hauptstadt Peking? Unser Korrespondent Daniel Satra hat sich durch die Stadt begeben. Er hat erlebt, wie schwer es der Staat ausländischen Journalisten macht, sich ein eigenes Bild zu machen von der "neuen Normalität" in Zeiten von Corona.
Autor: Daniel Satra

Singapur: Ausnahmezustand in den Wohnheimen

Eigentlich galt Singapur als Musterbeispiel für einen erfolgreichen Umgang mit Covid-19. Das Land hatte aus früheren Epidemien gelernt und frühzeitig auf den Ausbruch des Virus reagiert: Grenzen schließen, Infektionsketten konsequent nachverfolgen, Corona-Verdachtsfälle in Isolation schicken. So fühlte sich jeder in Singapur einigermaßen sicher. Bis eines Tages ein Gastarbeiter positiv auf das Virus getestet wurde. Zehntausende von ihnen leben in Singapur auf engstem Raum, teilen sich Schlafräume, Bad und Duschen. Social-distancing ist dort unmöglich. Jetzt sind die Corona-Zahlen explodiert und das Leben in Singapur ein dramatisch anderes.
Autorin: Sandra Ratzow

Peru: Deutsche Forscher und Touristen in Sicherheit

Mitten im Dschungel Perus traf die Corona-Krise den deutschen Forscher Timo Kohler und sein Team aus dem Nichts. Ende März mussten sie überstürzt abreisen - nach wochenlangen Forschungen an seltenen Säugetieren. Gemeinsam mit anderen Deutschen, wie dem Urlauber Thees Burfeind, werden sie in Cusco festgesetzt. Weil die Behörden fürchten, dass die Reisenden mit Covid-19 infiziert sind, werden sie vier Wochen lang festgehalten. Schließlich gelingt die Ausreise mithilfe der deutschen Botschaft.
Autor: Matthias Ebert

Weitere Informationen
Korrespondentin Tamara Anthony arbeitet unter der Bettdecke  mit Mikrofon und Laptop.

Corona-Krise: Wie arbeiten unsere Korrespondenten?

Die Corona-Krise stellt auch unsere Auslandsteams vor große Herausforderungen. Hier erzählen sie von ihrer Arbeit, persönlichen Erfahrungen und der Situation in ihren Berichtsgebieten. mehr

Redaktion
Christiane Justus
Nicole Bölhoff
Produktionsleiter/in
Tobias Jahn
Redaktionsleiter/in
Clas Oliver Richter
Redaktion
Philipp Abresch
Moderation
Julia-Niharika Sen
NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/weltbilder/Weltbilder,sendung1020148.html