Stand: 06.02.2018 10:57 Uhr

Schulnote "Ausreichend" für Donald Trump

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Korrespondentin Claudia Buckenmaier hat mit Menschen in den USA über das erste Amtsjahr von Donald Trump gesprochen.

Ein Jahr Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten: Was ist übrig geblieben von seinen Wahlversprechen? Wie ist die Stimmung im Land in Bezug auf den Präsidenten? Wie stark halten seine Anhänger noch zu ihm und welche Eskapaden Trumps spielen seinen Gegnern in die Hände? Unsere USA-Korrespondentin Claudia Buckenmaier ist durch Amerika gereist.

Donald Trump.

Ein Jahr Trump: Wie ist die Stimmung in den USA?

Weltbilder -

"Die Zeit für leeres Gerede ist vorbei. Jetzt wird gehandelt". Das waren Donald Trumps Worte bei seinem Amtsantritt. Wie ist die Stimmung bei Anhängern und Gegner nach einem Jahr?

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Für Ihre Reportage haben Sie und Ihr Team mit vielen Menschen überall in den Vereinigten Staaten gesprochen. Wie ist die Stimmung im Land nach einem Jahr mit Donald Trump als Präsident?

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Selbst Trump-Anhängern geht die Wortwahl ihres Präsidenten auf seinem Twitter-Account oft zu weit.

Claudia Buckenmaier: Das lässt sich mit einem Wort sagen: gespalten. Und zwar sehr. Es gibt kaum Raum für Zwischentöne. Die, die für Donald Trump gestimmt haben, stehen nach wie vor fest zu ihm. Zumindest die, mit denen wir sprechen konnten. Es ist gar nicht so einfach, mit Anhängern des Präsidenten ins Gespräch zu kommen, da viele gar nicht mit Journalisten sprechen wollen. Die aber, die mit uns gesprochen haben, waren überzeugt, dass er das Land nach vorne bringt. Nur die Twitterei, die stört viele. Die oft drastische Wortwahl in den Tweets geht auch treuen Trumpisten immer wieder zu weit. Die, die gegen den jetzigen US-Präsidenten gestimmt haben, bleiben ebenfalls bei ihrer Haltung. Aus ihrer Sicht hat Trumps Wahl ein Gutes: Sie habe die Menschen aufgerüttelt. Deutlich mehr als früher seien jetzt bereit, politisch aktiv zu werden. Und so stehen sich die US-Amerikaner an einer Front unversöhnlich gegenüber. Fast alle berichten, dass Freundschaften darüber zerbrochen sind und man oft besser gar nicht mehr über Politik spreche, wenn man unterschiedlicher Ansicht sei.

Welche Noten geben Sie selbst Donald Trump für sein erstes Jahr?

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Bilanz am Ende des ersten Präsidentschaftsjahres: Vieles von dem, was Trump seinen Anhängern versprochen hatte, konnte er bislang nicht umsetzen.

Buckenmaier: Gemessen an seinen eigenen Zielen, wenn ich ehrlich bin, am ehesten noch ein "Ausreichend". Was hatte Donald Trump seinen Anhängern nicht alles versprochen? Was wollte er nicht alles sofort nach Amtsantritt einlösen? Das einzige große Vorhaben, das er vor Ablauf seines ersten Jahres über die Bühne bringen konnte, war dann aber die Steuerreform beziehungsweise die Steuerkürzung, deren Folgen noch gar nicht ganz absehbar sind. Unterstützt wird das Ganze von einer positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes und der Börse. Auch wenn beides bereits unter Barack Obama begonnen hatte, hat Trump hier geliefert. Alle anderen großen Projekte scheiterten oder wurden gar nicht erst angegangen. Die Gesundheitsreform, das Infrastrukturprogramm, eine Reform der Einwanderungsgesetze und natürlich die vielbeschworene Mauer zu Mexiko. Aber natürlich war da mehr. Donald Trump gelingt es, nach und nach das Land umzubauen. Ich möchte das jedoch nicht benoten, da vieles davon aus meiner Sicht das Land immer noch mehr spaltet und oft eine geradezu zerstörerische Wirkung hat. Der Präsident selbst sieht das naturgemäß anders und gibt sich selbst dafür die besten Noten. Zum Beispiel hat er viele Regeln der Vorgängerregierung zurückgenommen. Er hat Verordnungen abgeschafft, vor allem im Bereich des Umweltschutzes. Er hat viele ausschlaggebende Stellen in der Justiz neu besetzt. Bei den Republikanern kündigen immer mehr Trumpkritiker an, sich nicht mehr zur Wahl zu stellen, so dass er auch die Partei nachhaltig verändert. Er hat Institutionen diskreditiert, die bisher hohes Ansehen in der Bevölkerung hatten, und entzieht so kritischen Nachfragen die Glaubwürdigkeit unter seinen Anhängern.

Was war für Sie persönlich bislang das Überraschendste?

Buckenmaier: Wie viel die amerikanische Gesellschaft beziehungsweise Teile dieser Gesellschaft ihrem Präsidenten durchgehen lassen. Die Wortwahl in seinen Tweets ist oft erschütternd. Die rohen Beleidigungen von politischen Gegnern, die Verunglimpfungen. Die offenkundigen und nachgewiesenen Lügen. Und all das in einer Gesellschaft, die hochmoralisch sein kann, in der im Fernsehen und im Radio Schimpfwörter mit Piepern unkenntlich gemacht werden, weil sie den Menschen nicht zuzumuten sind. Wenn aber der Präsident sich im Ton vergreift, und das tut er wirklich oft, dann heißt es, wir wollten keinen, der präsidial ist.

Im November finden die Kongresswahlen statt, die sogenannten Midterm Elections. Sie sind immer auch ein Halbzeit-Barometer für den US-Präsidenten - wie sehen die Prognosen aus?

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Die Kongresswahlen im November könnten richtungsweisend sein für die "Ära" Trump.

Buckenmaier: Das ist schwer zu sagen. Es hängt so vieles in der Luft. Die Demokraten werden nur dann eine Chance haben, zumindest eines der beiden Häuser zurückzuerobern, wenn es ihnen gelingt, mehr zu sein als die Anti-Trump-Partei. Es gibt sehr viele motivierte politische Neulinge, die in ersten Wahlen bereits Erfolge erzielen konnten. Aber ob sich das auf andere Bundesstaaten übertragen lässt? Wenn die Wirtschaft sich weiter positiv entwickelt, wird das Donald Trump und den Republikanern zugute kommen, auch wenn Trumps Umfragewerte trotzdem immer noch schwächeln. Außerdem muss man abwarten, welchen Einfluss die andauernden Russland-Ermittlungen haben können. Es werden auf alle Fälle sehr spannende Wahlen.

Auf Twitter können Sie Claudia Buckenmaier folgen unter: @CBuckenmaier.

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Dieses Thema im Programm:

Weltbilder | 06.02.2018 | 23:30 Uhr