Tatort

Der rote Schatten

Dienstag, 22. September 2020, 22:00 bis 23:30 Uhr

Der Deutsche Herbst 1977 und die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den Fall der Kommissare Lannert und Bootz.

Marianne Heider kam angeblich bei einem Badewannenunfall ums Leben. Ihr Exmann Christoph glaubt jedoch, dass sie von ihrem aktuellen Lebensgefährten Wilhelm Jordan ermordet wurde. Christoph Heider wird ertappt, als er den Leichnam aus der Friedhofskapelle entführt, um ihn im Ausland obduzieren zu lassen.

40 Jahre liegen der Deutsche Herbst und die Todesnacht von Stammheim zurück. Die Folgen dieser traumatischen Zeit beeinflussen den aktuellen Fall der Kommissare Lannert (Richy Müller) und Bootz. © NDR/SWR/Sabine Hackenberg
Kommissar Lannert (Richy Müller) beginnt sich zu fragen, ob der Zeugenschutz hinter dem Mord steckt.

Für Thorsten Lannert und Sebastian Bootz sollte das zunächst gar nicht zu Fall werden, immerhin hat die Staatsanwaltschaft Marianne Heiders Tod als Unfall angesehen und bereits zu den Akten gelegt. Oberstaatsanwalt Lutz weist Emilia Álvarez ausdrücklich an, den Fall nicht wieder aufzurollen.

Doch Lannert und Bootz finden Heiders Darstellung glaubwürdig genug, um der Sache nachzugehen. Dabei stellen sie fest, dass Wilhelm Jordan in den 1970er-Jahren als V-Mann für den Verfassungsschutz gegen die RAF eingesetzt war. Ist das der Grund dafür, dass die Kommissare bei den Ermittlungen ständig auf Widerstand aus Polizeibehörde und Staatsanwaltschaft stoßen? Und ist Wilhelm Jordan überhaupt Wilhelm Jordan?

Der Mann hat eine erstaunliche Ähnlichkeit mit einem ehemaligen RAF-Mitglied, das später mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeitete und ausgerechnet über die Frage Aussagen gemacht hat, wie die Waffen in den Hochsicherheitstrakt des Stammheimer Gefängnisses kamen, aus denen die tödlichen Schüsse auf Baader und Raspe fielen. Wilhelm Jordan, wer auch immer er sein mag, ist immer wieder wegen diverser Delikte aufgefallen, wurde aber nie bestraft oder auch nur angeklagt.

Gemeinsam mit Emilia Álvarez beginnen Thorsten Lannert und Sebastian Bootz sich zu fragen, ob der Zeugenschutz selbst den Mord an Marianne Heider umfassen würde.

Deutscher Herbst mündet in "Todesnacht von Stammheim"

In der Nacht zum 18. Oktober 1977, nach der Befreiung der Lufthansamaschine Landshut in Mogadischu und der Ermordung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, fand der sogenannte Deutsche Herbst seine Zuspitzung in der "Todesnacht von Stammheim". In dieser Nacht fanden die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in ihren Gefängniszellen den Tod, Irmgard Möller wurde lebensgefährlich verletzt.

Diese historische Situation bildet den Hintergrund für den Stuttgarter "Tatort: Der rote Schatten" von Dominik Graf. Die langen Schatten jener Nacht und des Kampfes gegen den RAF-Terrorismus reichen in dem "Tatort" bis in die Gegenwart. Ebenso die ungeklärten Fragen, die damit verbunden sind, zum Beispiel: Wie kamen die Waffen wirklich in den Hochsicherheitstakt des Stammheimer Gefängnisses? Wie weit reicht der Spielraum für den Verfassungsschutz? Warum ist es nicht möglich, die Ereignisse in der Nacht zum 18. Oktober zweifelsfrei zu klären?

Dominik Graf beschäftigt sich in seinem ersten "Tatort" aus Stuttgart mit diesen Fragen. Vergangenheit und Gegenwart greifen ineinander. Dafür nutzt Dominik Graf historisches Material, das er virtuos mit nachgedrehten Szenen verschränkt.

Schauspieler/in
Richy Müller als Thorsten Lannert
Felix Klare als Sebastian Bootz
Carolina Vera als Emilia Álvarez
Mimi Fiedler als Nika Banovic
Jürgen Hartmann als Dr. Daniel Vogt
Hannes Jaenicke als Wilhelm Jordan
Oliver Reinhard als Christoph Heider
Heike Trinker als Astrid Frühwein
Friedrich Mücke als Oberstaatsanwalt Lutz
Michael Hanemann als Strobel
Leonie Nonnenmacher als Luisa Heider
Joachim Nimtz als Löffler
Elias Popp als Wilhelm (jung)
Emma Jane als Astrid (jung)
Musik
Sven Rossenbach
Florian van Volxem
Kamera
Hendrik A. Kley
Jakob Beurle
Regie
Dominik Graf
Autor/in (Drehbuch)
Redaktion
Mussgiller, Daniela