Sendedatum: 21.10.2019 19:30 Uhr

Dorfgeschichte: Behlendorf

von Karin Henningsen

Das Dorf Behlendorf hat landschaftlich schon einmal sehr viel Glück gehabt: Es liegt direkt am Elbe-Lübeck-Kanal, im Naturpark Lauenburgische Seen im Kreis Herzogtum-Lauenburg. Knapp 390 Menschen leben hier, etwa eine halbe Stunde Fahrtzeit mit dem Auto von Lübeck entfernt. Im Ort gibt es viele alte, große Reetdachhäuser, die zum Teil liebevoll saniert worden sind. Eines ist heute das Gemeindehaus, in dem die örtlichen Vereine ihre Versammlungen abhalten und in dem Feste gefeiert werden können.

Eine Bronzestatue vor einem Backsteinhaus.

Dorfgeschichte aus Behlendorf

Schleswig-Holstein Magazin -

Aus Behlendorf am Elbe-Lübeck-Kanal gibt es viel zu berichten: Die erste Kinderfeuerwehr wurde hier gegründet und Günter Grass ist auf dem Friedhof beerdigt.

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Spuren eines Nobelpreisträgers

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"Der Butt" steht vor dem Gemeindehaus.

Behlendorf ist ein Dorf, in dem es so schön ist, dass der Schriftsteller Günter Grass 1988 gemeinsam mit seiner Frau hierher gezogen ist. In eine alte Papiermühle, die Ute Grass zunächst als "Zahnarztvilla" bezeichnet hatte. Als Grass vor vier Jahren starb, wurde er auf eigenen Wunsch auf dem Friedhof in Behlendorf beerdigt, seine Witwe lebt noch heute dort. Das erklärt auch die Statue "Der Butt", die vor dem Gemeindehaus steht - eine Dauerleihgabe des Günter-Grass-Hauses.

Ursprung für Christo Projekt

Und noch ein weiterer Mensch lebt hier, dessen Arbeit weltbekannt geworden ist: Robert Meyknecht. Er besitzt die Firma, die 2016 die Stoffbahnen für den Künstler Christo genäht hat, mit denen er in Italien sein Projekt "Floating Piers" bespannt hat: 100.000 Quadratmeter exakt ausgemessen und zugenäht. Ein Job, der Nerven gekostet hat, erinnert sich Meyknecht im Vorgarten seines Behlendorfer Hauses.

Statt 1.000 nur 300 Jahre alt

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Die Kirches von Behlendorf ist 1.250 Jahre alt.

In der Mitte des Ortes ragt ein Turm hervor: Die Dorfkirche, ein rotbraunes Backsteingebäude, im Jahre 1250 erbaut worden. Die Gemeindemitglieder halten ihre Kirche und ihren Friedhof in Schuss. Einen Pastor haben sie allerdings nicht mehr: Für Gottesdienste kommt ein Geistlicher aus einer der Nachbarngemeinden. Neben dem Eingang der Kirche steht eine alte Eiche, die früher einmal als "1.000-jährige Eiche" galt. Nach neuen, wissenschaftlichen Untersuchungen schafft der alte Baum es allerdings nur auf etwa 300 Jahre Lebenszeit.

Der Stolz im Amt Berkenthin

Geschichtlich hat Behlendorf kleine Kuriositäten zu bieten. Der Wald der Gemeinde gehört seit mehr als 700 Jahren der Stadt Lübeck, er wurde 1374 von einem Ratsherrn erworben. Der größte Gutshof ist bis heute im Besitz der Stiftung "Heiligen-Geist-Hospital" der Hansestadt und an einen Landwirt verpachtet. Damit haben die Behlendorfer aber kein Problem: "Das war schließlich schon immer so", meint Bürgermeister Reiner Lübcke augenzwinkernd.

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Früh übt sich: Behlendorf hat eine Kinderfeuerwehr.

Aber die Zeit ist hier nicht stehen geblieben, betont er und verweist auf die Feuerwehr: Behlendorf hatte eine der ersten Kinderfeuerwehren im Amt Berkenthin. Schon mit sechs Jahren können die Lütten lernen, wie ein Feuerwehrauto aufgebaut ist und wie man einen Wasserschlauch hält. Der Bürgermeister sieht ihnen stolz dabei zu: Er ist in Behlendorf geboren und will hier auch nicht mehr weg - Warum auch, wenn das Zuhause so schön ist.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 21.10.2019 | 19:30 Uhr